ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2000ACE-Hemmer Ramipril: Bewahrt die Plaques vor der Ruptur

VARIA

ACE-Hemmer Ramipril: Bewahrt die Plaques vor der Ruptur

Dtsch Arztebl 2000; 97(40): A-2645 / B-2253 / C-2117

Leinmüller, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Sowohl in der Primär- als auch Sekundärprävention kardiovaskulärer Ereignisse kommt der Stabilisierung atherosklerotischer Plaques eine entscheidende Rolle zu. Denn die Plaqueruptur ist das Substrat für ein thrombose-vermitteltes atherothrombotisches Ereignis. Neben Thrombozytenaggregationshemmern und Lipidsenkern kann mit einer hochdosierten chronischen Gabe des ACE-Hemmers Ramipril bei Hochrisikopatienten ein prognostisch bedeutsamer Effekt erzielt werden. Unabhängig vom antihypertensiven Effekt wurde für die Substanz in der
HOPE-Studie eine antiatherosklerotische Wirkung dokumentiert, die möglicherweise auf eine direkte Hemmung der erhöhten Produktion von Angiotensin II in der Plaque zurückzuführen ist.
Zur Erinnerung die Ergebnisse der HOPE-(Heart Outcomes Prevention Evaluation-)Studie: Ramipril in einer Dosis von 10 mg/die senkt die Raten von Tod, Myokardinfarkt und Schlaganfall bei Hochrisikopatienten um rund ein Drittel – unabhängig von einer Blutdrucksenkung und auch bei zusätzlicher Medikation mit Thombozytenaggregationshemmern und/oder einer Cholesterinsynthese-Hemmung. Die Firma Aventis hat als Konsequenz Delix® protect 10 mg zur Prävention bei Hochrisikopatienten ausgeboten.
Auch wenn der exakte Wirkmechanismus noch nicht geklärt ist, gehen Experten von einer zusätzlichen direkten Wirkung des ACE-Hemmers auf die endotheliale Dysfunktion aus. Wahrscheinlich, so Prof. Andreas Zeiher (Frankfurt), unterhält Angiotensin II (AT II) die Inflammation in der Gefäßwand; entsprechend müssten ACE-Hemmer
die Entzündungsreaktion im
Plaque „eindämmen“. Die Vermutung, dass die hochdosierte chronische ACE-Hemmung via Plaquestabilisierung eine effektivere Therapie der Atherosklerose erlaubt, wird einerseits gestützt durch Forschungen, in denen lokal nahe und in der Plaque eine wesentlich erhöhte AT-II-Expression gemessen wurde. Andererseits ergab eine Substudie der HOPE eine Regression der Intimadicke im Verlauf der chronischen hochdosierten – nicht aber einer niedrigeren – Ramiprilgabe, wie Prof. Christian Brilla (Marburg) darlegte.
Ein gesicherter Nutzen ist speziell auch für Diabetiker über 55 Jahren mit einem zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor belegt – Ramipril wirkt hier nephroprotektiv und reduziert Herzinfarkt- sowie Apoplexraten um 24 Prozent, erläuterte Dr. Rainer Steinhard (Dachau).
Um diesen Daten Rechnung zu tragen, plädierten die Referenten dafür, bei Hochrisikopatienten – Alter über 55 Jahren, fortgeschrittene Arthrose oder Diabetes mellitus und einem weiteren kardiovaskulären Risikofaktor – zusätzlich zu den bekannten und gesicherten Maßnahmen eine hochdosierte Prävention mit Ramipril vorzunehmen. Dr. Renate Leinmüller
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema