ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2000Kran­ken­ver­siche­rung: Kontroll-Bürokratie

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Kran­ken­ver­siche­rung: Kontroll-Bürokratie

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): A-2657 / B-2265 / C-2129

Clade, Harald

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LNSLNS Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer hat Meldungen bestätigt, wonach Kassenpatienten künftig eine Quittung über die ärztliche Behandlung und die abgerechneten Leistungen in einer „für Laien verständlichen Form“ erhalten sollen. Mit einer Änderung von § 305 SGB V will die Ministerin die Transparenz verbessern und das Kostenbewusstsein der Versicherten und Leistungserbringer stärken.
„Die Patienten sollen wissen, was bei ihnen gemacht wurde. Ein willkommener Nebeneffekt ist, dass Abrechnungsbetrug erschwert wird“, erklärte Fischer. Auf den Behandlungsprotokollen sollen aber keine Preise oder Punktwerte ausgewiesen werden. Das Arztrechnungsdoppel würde sich insofern erheblich beispielsweise von der Handwerkerrechnung unterscheiden.
Dass dieses Unterfangen verwaltungstechnisch und rechtlich schwierig ist, ist der Fischer-Administration bewusst. Der zuständige Abteilungsleiter, Ministerialdirektor Dr. med. Hermann Schulte-Sasse, bestätigte gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt, dass in erster Linie Nutzen-Kosten-Effekte berücksichtigt werden müssten. Deshalb werde eine möglichst einfache, verwaltungstechnisch machbare Version präferiert. In Gesprächen mit dem Spitzen der Ärzteschaft solle über eine freiwillige Lösung nachgedacht werden, ehe eine gesetzlich festgeschriebene Lösung erwogen werde. Schulte-Sasse, der von den Absichten seiner Ministerin erst aus einer ministeriumsinternen Presseschau erfahren haben will, lässt zurzeit zwei Modelle prüfen: Der Versicherte erhält ein Protokoll, das alle erbrachten Leistungen in verständlicher Sprache auflistet; der Arzt darf erst dann abrechnen, wenn der Patient quittiert hat. Oder: Die Krankenkassen schicken den Patienten regelmäßig eine Kostenaufstellung über die Leistungen zu.
Die Kontrollvorschrift soll im „Gesetz zur Verbesserung der Datentransparenz im Gesundheitswesen“ angehängt werden, aber neu ist die Fischer-Idee nicht. Bereits Ex-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Horst Seehofer (CSU) hatte auf Drängen der FDP vorgeschlagen, den Kassenpatienten regelmäßig Rechnungsauszüge zukommen zu lassen. Im Gesetz hieß es dann „auf Verlangen des Versicherten“. Dieses verspüren offenbar nur wenige, wie ein Modellversuch der KV Hessen belegte: Weniger als 0,01 Prozent der Kassenpatienten machten davon Gebrauch. Der frühere KBV-Vorsitzende Siegfried Häußler hatte schon in den 60er-Jahren nachgewiesen: Transparenz mit Rechnungen ohne gekoppelte Selbstbeteiligung nutzt wenig, sondern bringt nur Verwaltungsaufwand. Dr. rer. pol. Harald Clade
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