ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Merckle GmbH: Erfahrungen mit dem Praxis-60-Konzept

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Merckle GmbH: Erfahrungen mit dem Praxis-60-Konzept

Stoschek, Jürgen

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LNSLNS Das schwäbische Familienunternehmen Merckle GmbH mit Sitz in Blaubeuren bei Ulm setzt sich auf verschiedenen Gebieten mit Zukunftsfragen auseinander. Eine davon ist der demographische Wandel der Gesellschaft, eine andere ist die ökologische Herausforderung.


Die Erkenntnis, daß der Anteil älterer Patienten in den Praxen der niedergelassenen Ärzte in den nächsten Jahren deutlich steigen wird, hatte im April 1994 zu dem vielbeachteten Konzept "Praxis 60 – ältere Patienten im Mittelpunkt" geführt. Ein wesentlicher Teil des Konzeptes sind konkrete Hilfen für den niedergelassenen Arzt in Fragen der Praxisführung und -organisation.
Schon heute werden zwei Drittel aller Arzneimittel für Patienten verordnet, die älter als 65 Jahre sind. Merckle selbst verfügt über eine Präparatepalette, die die wichtigsten Indikationsfelder geriatrischer Krankheitsbilder abdeckt. In bisher mehr als 400 interaktiven Seminarveranstaltungen, an denen in der Regel etwa 25 niedergelassene Ärzte und deren Helferinnen teilnehmen, werden alle Fragen besprochen, die im Zusammenhang mit einer optimalen Praxisorganisation besonders für ältere Patienten stehen. 1995 kamen Veranstaltungen zu den Themen "Pharmakotherapie im Alter", "Fehl- und Mangelernährung" sowie "Arzt und Recht" hinzu. Das Seminarprogramm wird auch in diesem Jahr fortgesetzt und durch ein zweites Seminar zum Thema "Kommunikation und Umgang mit Patienten" erweitert.
Ergänzt werden die Seminare durch Broschüren und Servicematerial. So gibt es eine Broschüre, die sich mit allen Fragen eines Recall-Systems beschäftigt. Ebenfalls der Patientenbindung dient das TherapieBegleitrezept, auf dem der Arzt beispielsweise "dreimal wöchentlich Schwimmen gehen" oder "täglich eine halbe Stunde Spaziergang" verordnen kann. Mit dem Instrument des Therapie-Begleitrezepts wird berücksichtigt, daß Hör-, Seh- oder Merkfähigkeit älterer Menschen oft etwas eingeschränkt sind. Die schriftliche und damit zugleich etwas verbindlichere Form eines Rezeptes gibt dem Patienten das Gefühl, sein Arzt kümmert sich umfassend um seine Gesundheit.
Aus den Seminaren sind zahlreiche praktische Anregungen hervorgegangen. So wurde zusammen mit dem Chefarzt des Zentrums für Akutgeriatrie und Frührehabilitation am Städtischen Krankenhaus MünchenNeuperlach, Prof. Dr. Robert Heinrich, unter dem Namen "Neuperlacher Pocket Guide" ein Leporello entwickelt, das wichtige psychometrische und motorische Testverfahren für Ältere enthält und das dem Arzt bei der Beurteilung der Sinnes- und Organfunktionen seiner älteren Patienten hilft.
Zielgruppe des Praxis-60-Konzeptes sind nicht allein die betreuenden Hausärzte, sondern auch die älteren Menschen selbst. Merckle will daher auch seine Produkte Zug um Zug seniorengerecht umstellen. Beipackzettel und Packungen werden mit einem größeren Schriftbild versehen, Dosierungen und Einnahmeart sind hervorgehoben, und die Angaben zum Anwendungsgebiet wurden eingedeutscht.
Direkten Kontakt zu älteren Menschen sucht das schwäbische Unternehmen mit dem Merckle-Mobil, das Teil des Praxis-60-Konzeptes ist. Merckle-Mobil ist ein Gesundheitsbus, in dem Passanten ihre Vitalität testen können. Zum Programm gehören ein Reaktionsspiel, Hör- und Sehtest, Blutdruck- und Handkraftmessung sowie die Bestimmung des Körperfettanteils, die Messung von Körpergröße und Gewicht sowie ein Fragespiel zum körperlichen Befinden.
Angeboten wird außerdem eine allgemeine Er-nährungsberatung. Die Ergebnisse der Tests, die in einen Paß eingetragen und mit nach Hause genommen werden können, werden mit einem Ampelsymbol bewertet. Grün signalisiert: Alles in Ordnung, Gelb zeigt gewisse Leistungseinschränkungen, und bei Rot wird ein Arztbesuch empfohlen. Etwa 30 000 Besucher an insgesamt 21 Standorten nutzten bisher die Möglichkeit zur Beratung und Testung ihrer Vitalität.
Auch auf dem Gebiet des Umweltschutzes ist Merckle in den vergangenen Jahren aktiv geworden. 1995 befand sich die Firmengruppe unter den ersten acht Unternehmen beim Wettbewerb "Umweltpreis für Unternehmen" des baden-württembergischen Umweltministeriums. Im gleichen Jahr wurde dem Unternehmen der Umweltpreis der Stadt Ulm verliehen. Und als bundesweit erstes pharmazeutisches Unternehmen hat die Firmengruppe Merckle/ratiopharm im Frühjahr 1996 die Umweltprüfung nach dem "EU-ÖkoAudit" erfolgreich abgeschlossen. Jürgen Stoschek

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