ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2000Onkologie: Diskussionsbedarf

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Onkologie: Diskussionsbedarf

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): A-2696 / B-2299 / C-2163

Fink, Michael

Zu dem Medizinreport über den 36. Kongress der American Society of Clinical Oncology „Highlights einer Großveranstaltung“ von Annette Junker in Heft 30/2000:
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LNSLNS In Ihrem Artikel wird über die Arbeit von Macdonald et al. berichtet, in welcher durch eine adjuvante kombinierte Strahlen-Chemotherapie des Magenkarzinoms eine Verbesserung des krankheitsfreien Überlebens und des Gesamtüberlebens erreicht wurde. Diese Arbeit enthält jedoch bezüglich der operativen Technik einen methodischen Schwachpunkt, der auf dem Kongress ausführlich diskutiert wurde, aber im Abstract und auch im Artikel von Frau Junker nicht erwähnt ist:
Bei der Mehrzahl der in Deutschland an einem Magenkarzinom operierten Patienten dürfte mindestens eine Resektion der (magennahen) D1-Lymphknoten vorgenommen werden; in einer neueren Übersicht von Siewert und Sendler wird sogar die weitergehende D2-Lymphonodektomie als Standard angesehen. In der Arbeit von Macdonald dagegen wurde nur bei 36 Prozent der Patienten eine D1- und nur bei 10 Prozent der Patienten eine D2-Resektion der Lymphknoten durchgeführt, in 54 Prozent der Fälle lag die Lymphonodektomie unterhalb des D1-Standards. Wenn nun wie in der Studie von Macdonald die Lymphknoten bei der Operation des Magenkarzinoms nur unzureichend entfernt werden, ist es durchaus möglich, dass eine anschließende adjuvante Strahlen-Chemotherapie die Langzeitergebnisse verbessert. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass eine ähnliche Besserung der Resultate auch dann erzielt wird, wenn die Lymphknoten nach hiesigem Standard entfernt werden.
Zudem hat die von Mac-donald angewandte Therapie ausgeprägte Nebenwirkungen: 41 Prozent der Patienten hatten eine Grad-3- und 32 Prozent eine Grad-4-Toxizität, und die therapiebedingte Sterblichkeit lag bei einem Prozent. Die Schlussfolgerung von Macdonald und Mitarbeitern, dass eine postoperative Strahlen-Chemotherapie nun zum Behandlungsstandard für fortgeschrittene Magenkarzinome werden sollte, darf somit nicht unkritisch auf unsere Verhältnisse übertragen werden. Im asiatischen Raum wird zwar auch bei adäquater Operationstechnik die adjuvante Therapie des Magenkarzinoms propagiert, die Ergebnisse mit einem dieser Schemata waren jedoch in einer deutschen Nachfolgestudie nicht reproduzierbar.
Als Regel gilt somit im westlichen Raum weiterhin, dass eine adjuvante Therapie des Magenkarzinoms als nicht oder nur wenig wirksam angesehen wird und nicht als Standard gelten kann.
Literatur beim Verfasser
Priv.-Doz. Dr. med. Michael Fink, Klinikum Fürth, Onkologische Ambulanz, Jakob-Henle-Straße 1, 90766 Fürth
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