ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Nichtsedierendes Relaxans: Tolperison bei Muskelverspannungen

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Nichtsedierendes Relaxans: Tolperison bei Muskelverspannungen

Petersen, Ursula

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LNSLNS Der komplexe Bereich der Muskelverspannun- gen läßt sich durch physikalische Maßnahmen oft nicht ausreichend behandeln, so daß eine zusätzliche medikamentöse Therapie notwendig ist. Dr. med. Joachim-Michael Engel (Bad Liebenwerda) wies beim Workshop "Therapie der Muskelentspannung" in Kluvensiek darauf hin, daß vor allem im akuten Schmerzfall eine medikamentöse Versorgung unverzichtbar ist. Sie ändert zwar an dem Urzustand der Situation nichts, nimmt aber zu-nächst einmal die Schmerzen. Wichtig bei der medikamentösen Begleitbehandlung ist die Gabe eines Medikamentes mit möglichst wenig unerwünschten Wirkungen, zum Beispiel ohne Einfluß auf die Leistungsfähigkeit. Mit Tol-perisonhydrochlorid (Mydocalm®, Strathmann) steht nunmehr eine bewährte Substanz auch in den westlichen Bundesländern zur Verfügung. Die Substanz gehört zur Stoffgruppe der b-Aminoketone und ist ein Muskelrelaxans vom Lokalanästhetika-Typ. In seiner Struktur zeigt es Ähnlichkeit mit Lidocain.

Keine Abhängigkeit
International dokumentieren 27 Studien mit mehr als 2 000 Patienten die gute Wirksamkeit von Tolperison bei schmerzhaften Muskelverspannungen infolge von Erkrankungen der Wirbelsäule oder der großen Gelenke. Bei etwa 90 Prozent der Behandelten konnten die Schmerzen gelindert und die Beweglichkeit verbessert werden. In den 35 Jahren Erfahrung mit dieser Substanz wurden keine sedierenden Nebenwirkungen, wie sie üblicherweise bei zentral wirksamen Muskelrelaxanzien vorkommen, nachgewiesen. Dr. med. Susanne Ramm (Hamburg) stellte eine kürzlich abgeschlossene Doppelblind-Studie vor, in der die fehlende Sedierung ohne Abhängigkeitspotential von Tolperison bestätigt werden konnte. Das bedeutet für die Behandelten kein spezifisches Risko beim Autofahren oder im Umgang mit Maschinen bei nachgewiesen guter Verträglichkeit. Dr. Francis Baudet therapierte 25 Patienten mit sogenanntem Spannungskopfschmerz, die bereits über mindestens 6 Monate mehr oder weniger erfolglos medikamentös, physikalisch und psychisch vorbehandelt waren, über einen Zeitraum von 4 Wochen mit Tolperison, beginnend mit dreimal 50 mg/die bis zu dreimal 150 mg/die. Bei 18 Patienten (7 Behandelte brachen vorzeitig ab) hatten sich die Schmerzen und die Muskelverspannungen im Durchschnitt um mehr als 50 Prozent vermindert. Ein Nachteil des Präparates, der sich vor allem bezüglich der Compliance verzeichnen läßt, ist die Anzahl der einzunehmenden Tabletten. Eine Manteltablette enthält 50 mg Substanz; bei einer Dosierung von dreimal 150 mg pro Tag müssen neun Tabletten eingenommen werden. Für die Zukunft wäre eine Tablette mit höherem Substanzanteil oder die Entwicklung einer Retardform wünschenswert. Ursula Petersen

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