ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2000Dominikanische Republik: Hispaniola abseits der ausgetretenen Pfade

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Dominikanische Republik: Hispaniola abseits der ausgetretenen Pfade

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): A-2722 / B-2317 / C-2181

Michael, Christian

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LNSLNS Aus dem Radio tönt Merengue auf der palmengesäumten Avenida zwischen Flughafen und Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Irgendwann finde ich mich wieder in einer Blechlawine, in der vor mir ein Schrotthaufen von Bus, hinten ungeduldige PKW-Fahrer sich mit einem Hupkonzert freie Fahrt verschaffen wollen.
An der nächsten Ampel macht sich ein junger Bursche mit einem seifenlaugegetränkten Lappen an meiner Windschutzscheibe zu schaffen. „No hay problemas“ („Es gibt keine Probleme“) steht auf seinem
T-Shirt. „Na, wenn du wüsstest“, denke ich und ergreife die Chance, ihn nach dem richtigen Weg zum Hotel zu fragen. Kurze Zeit später biege ich ein auf den „Malecón“, die Uferpromenade.
Noch heute soll Santo Domingo „erobert“ werden. Ich beschließe, zu Fuß auf die Walze zu gehen. Schon zupft es an meinem Ärmel: Ein kleiner Junge möchte die Schuhe putzen. Einige Meter weiter gellt es mir „Chipi Chipi“ entgegen: Eine alte Frau bietet geröstete Maní (Erdnüsse) an. Je näher ich der Altstadt komme, desto ansehnlicher wird die Streitmacht von Straßenhändlern und selbst ernannten Fremdenführern, die mir ihre Dienste anpreisen oder vom Ledergürtel über Trommeln und Macheten bis zu naiven, aus Haiti importierten, „echten Gemälden“ ihre Ware feilbieten.
Ein freundliches Wort zeigt ihnen, dass ich sie respektiere, auch wenn ich ihnen nichts abnehme. Schnell haben wir uns aneinander gewöhnt, sodass ich unbekümmert durch die „Zona Colonial“ schlendern kann.
In der ältesten Stadt der „Neuen Welt“ geht es über gepflasterte Straßen, Künstlern über die Schulter schauend, vorbei an der Catedral de Santa María de Menor, dem Hostal Nicolás de Ovando und dem Pantheón Nacional zur großzügig angelegten Plaza de España mit dem majestätischen Alcázar de Colón, ehemaligem Sitz des ersten spanischen Hofes der Neuen Welt, und Las Atarazanas, prächtigen Schiffszeughäusern aus dem 16. Jahrhundert, die heute Kunstgalerien und Restaurants beherbergen. In der Ferne projiziert der 1992 zu Ehren Columbus erbaute, weiße „Faro a Colón“, ein gewaltiger Leuchtturm in Form eines Kreuzes, ein ebensolches in Lichtgestalt an den nächtlichen Himmel.
Zentral-Kordillere
Abseits der ausgetretenen Touristenpfade mache ich einen Abstecher in die Zentral-Kordillere. Inzwischen habe ich nach der Ortschaft Bonao die Carretera Duarte verlassen und fahre durch eine Landschaft ähnlich einem botanischen Garten, streckenweise sogar durch ursprünglich und wild belassenen Urwald. Überall rauschen Bäche, surren Insekten und flöten Vögel. Fruchtbare Täler und ausgedehnte Kaffeplantagen wechseln mit Gewächshäusern für Blumen am Straßenrand. Auf dem Weg kommen beladene Pferde und Esel entgegen. Es ist angenehm frisch hier oben, im 1 079 Meter hoch gelegenen Luftkurort Constanza. Jetzt wird die Straße merklich schlechter und steiler. Ich bin froh, einen vierradgetriebenen Jeep gemietet zu haben, und biete Lorenzo, der sich gerade zu Fuß einen Berg heraufquält, an, mich ein Stück im Auto zu begleiten. Zum Dank zeigt er mir einen Pfad durch dichtes Farnkraut und Schlingpflanzen – vorbei an blühenden Orchideen und flatternden Riesenschmetterlingen – zum Wasserfall von Jimenoa, der sich, umgeben von urwald-ähnlichen Pflanzen, aus vierzig Meter Höhe in einen kleinen See stürzt.
Puerto Plata
Über Jarabacoa geht es schnell wieder auf der „Autobahn“ zum Strandbad Nummer eins der Dominikanischen Republik, Puerto Plata. Andere Höhepunkte warten weiter östlich auf der Halbinsel Samaná. Vorbei an einem Grüppchen von Frauen und Mädchen am Río San Juan, wo gerade Waschtag zu sein scheint – daneben die wagemutigen Jungen, die vom Brückengeländer in den Fluss springen –, halte ich an der berühmten Gri-Gri-Lagune. Für ein paar Pesos bieten sich gleich vier Halbwüchsige an, während meiner Abwesenheit das Auto zu bewachen. Ich setze meine Fahrt fort durch Cabrera mit seinen bunten Häusern und den herrlich feuerrot blühenden Flamboyant-Bäumen auf die Halbinsel Samaná.
Der Jeep schraubt sich die asphaltierte Straße, die immer wieder imposante Blicke freigibt, in Serpentinen die Sierra Semaná hinauf. Kokospalmen, Kaffeesträucher, Bananenstauden und eine Vielzahl anderer tropischer Pflanzen formen ein sattes Grün, an dessen Ende ein Palmenwald in Las Terrenas wartet. Seine kilometerlangen breiten und weißen, teilweise menschenleeren Strände und ein vorgelagertes Korallenriff machen den Ort für Taucher, Schnorchler und für Erholung Suchende deshalb zum idealen Ziel. Christian Michael


Schiff ahoi: Segel los zur Insel Saona im Parque Nacional del Este Foto: Christian Michael


Das Kolumbus-Haus, ein Wahrzeichen von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik



Reise-Tipps
Anreise: Santo Domingo, Puerto Plata und Punta Cana werden mehrmals wöchentlich ab verschiedenen deutschen Flughäfen von LTU, Condor, Hapag-Lloyd und Deutscher Britannia bedient.
Veranstalter: Alle großen deutschen Reiseveranstalter, zum Beispiel TUI, Neckermann, ITS und Öger Tours haben das Ziel im Programm.
Einreise: Reisepass – Kinder, auch unter zehn Jahren, Kinderausweis mit Lichtbild – sowie eine Touristenkarte, die Reiseveranstalter und Airlines oft bereits mit der Buchung ausgeben, sind obligatorisch.
Impfungen: Hepatitis-A- und Typhus-Impfung werden empfohlen; in den ländlichen und Grenzgebieten zu Haiti ist auch eine
Malaria-Prophylaxe ratsam.
Informationen: Dominikanisches Fremdenverkehrsamt, Hochstraße 17, 60313 Frankfurt, Telefon: 0 69/91 39 78 78, Fax: 28 34 30
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