ArchivDeutsches Ärzteblatt41/2000Videoendoskopie: Schärfere Bilder durch digitale Verstärkung

VARIA: Technik

Videoendoskopie: Schärfere Bilder durch digitale Verstärkung

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): A-2724 / B-2319 / C-1997

Sass, Wolfgang

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LNSLNS Ein neues Verfahren der Videoendoskopie ermöglicht mit Hilfe digitaler Strukturverstärkungen klarere und „schärfere“ Bilder. Weil man damit viel mehr Läsionen als bisher sieht, sind neue Bewertungen zur klinischen Interpretation dieser Strukturen nötig. Auch bei großer endoskopischer Erfahrung könne man nicht alle Strukturen ohne weiteres einschätzen, sagte Prof. Nib Soehendra (Universitätsklinik Hamburg).
Die Mukosa erscheint videoendoskopisch als Komposition von Signalfrequenzen. Diese elektronische Verstärkung hat nichts mit optischer Auflösung zu tun. Sie sei in acht Stufen möglich, mit allen Funktionen, auch mit Standbildern, erläuterten die Experten auf einer Veranstaltung der Firma Olympus Optical in Hamburg.
Zur Koloskopie, dem Standardverfahren der Diagnostik von Dickdarmerkrankungen, wurden Videokoloskope mit variabler Steifigkeit des Einführungsteils entwickelt. Diese ließen sich auch über schwierigere Strecken, etwa Flexuren, leichter und komfortabler für den Patienten voranschieben, berichtete Prof. Thierry Ponchon (Hôpital E. Herriot, Lyon). Bei herkömmlicher Koloskopie ist der „Patientenkomfort“ deutlich beeinträchtigt. Meist ist medikamentöse Sedierung nötig, mit dem Risiko von Kreislauf- und Atemdepression. Oft ist dennoch die komplette Koloskopie sehr langwierig oder nicht möglich.
In einer randomisierten Multicenter-Studie in sechs europäischen Zentren mit 1 200 Patienten wurde die herkömmliche Untersuchung mit der „Koloskopie variabler Steifigkeit“ verglichen. Während in zwei niederländischen Zentren auf eine Sedation verzichtet wurde, haben drei deutsche Zentren ihre Patienten sediert; ein französisches Zentrum wählte sogar die Vollnarkose.
Der Einsatz der „Koloskope variabler Steifigkeit“ erforderte während der Untersuchung weniger Umlagerungen der Patienten und seltener externen Druck auf die Bauchdecke zur endoskopischen Überwindung schwieriger Darmstrecken. Bei den nichtsedierten Patienten war der abdominale Schmerz während der Untersuchung geringer (aber „nicht signifikant“). Die Zeit zum Erreichen des Zäkums, als Kriterium erfolgreicher kompletter Dickdarmspiegelung, war mit den neuen Endoskopen kürzer.
Die Gastroskopie ist Standard zur Entdeckung gastraler und ösophagealer Adenome, Dysplasien, Karzinome oder präneoplastischer Läsionen, wie der Barrett-Schleimhaut. Herkömmliche Gastroskopie erzeugt bei den meisten Patienten starken Würgreiz, der medikamentöse Sedierung erfordert. Erstmals steht jetzt ein Videogastroskop mit Außendurchmesser von nur 5,9 mm zur Verfügung (Slimsight®), mit zwei Kanälen zur Spülung und einem Zwei-Millimeter-Arbeitskanal. Dieses Instrument, mit nur halb so großem Durchmesser wie bei konventionellen Gastroskopen, könne ähnlich wie bei Bronchoskopien transnasal eingeführt werden, berichtete Prof. Horst Neuhaus (Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf). Der transnasale Zugang erwies sich als angenehmer für Patienten.
In einer Studie an 120 Patienten wurden herkömmliche und transnasale Gastroskopie verglichen. Bei 8,3 Prozent war der Nasenkanal unpassierbar. Bei den übrigen war der Würgreiz unter transnasaler Gastroskopie über die gesamte Untersuchungszeit anhaltend geringer. Wesentlich seltener – und jeweils auf Wunsch des Patienten – war Sedierung nötig (zehn Prozent versus 46,7 Prozent bei konventioneller Gastroskopie). Es zeigte sich kein Unterschied in Untersuchungszeit und Schwierigkeitsgrad der Handhabung.
Als Komplikation trat bei nur einem Patienten kurz Nasenbluten auf. Lediglich initial war die Schmerzintensität höher, speziell bei engem Nasenkanal. Doch danach hätten die Patienten nichts mehr gespürt, berichtete Neuhaus. Der so dokumentierte höhere Patientenkomfort wurde während der Veranstaltung demonstriert, als sich Neuhaus von Ponchon unter Lokalanästhesie transnasal gastroskopieren ließ (ohne pathologischen Befund).
Die Endoskope des neuen Videoendoskopiesystems (Videoprozessor „Evis Exera CV-160“) von Olympus verfügten unter anderem über Speichermöglichkeit zur Dokumentation und einen Zähler der Nutzungsfrequenz („Memory-Chip“), erklärte Pracht. Ältere Endoskope sind mit der neuen Technik kombinierbar. So sind auch für heute gekaufte Endoskope die technischen Neuerungen der nächsten Jahre nutzbar. Damit besteht ein „Investitionsschutz“, so Pracht. Zusätzlich biete ein „Full-Risk-Service-Contract“ für zwei Jahre Budgetsicherheit für alle Endoskope der „Serie 160“. Wolfgang Sass


Die elektronische Aufbereitung des Endoskopiebildes (Videoprozessor Evis Exera CV-160) optimiert die Darstellung, sodass Unregelmäßigkeiten in der Schleimhaut besser erkannt werden können.
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