ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Theaterfestival Deutsches Theater Prag: Ein Zeichen für Versöhnung

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Theaterfestival Deutsches Theater Prag: Ein Zeichen für Versöhnung

Planko, Tanja

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LNSLNSLNSLNS Fast 60 Jahre nach der Annexion des Sudetenlan-des will das "Theaterfestival Deutsches Theater Prag" vom 13. bis zum 28. September ein Zeichen setzen für Versöhnung und Verständigung zwischen Tschechen und Deutschen. Geplant sind nach Angaben des Veranstalters, der Kulturstiftung der Deutschen Bank, Auftritte deutschsprachiger Ensembles sowie die Inszenierung von Werken deutschsprachiger Autoren mit tschechischen Schauspielern. So zeigt unter anderem das Divadlo na Vinohradech (Theater in Weinbergen) Friedrich Dürenmatts "Besuch der alten Dame" unter Regie von Vladimir Strnisko. Claus Peymann vom Burgtheater Wien inszeniert "Ritter, Dene Voss" von Thomas Bernhard.


Liberaler Geist
Die erste feste deutschsprachige Bühne Prags nahm 1738 ihren Spielbetrieb auf. Ihr folgten einige weitere Gründungen, die jedoch wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten den Spielbetrieb bald wieder einstellen mußten. Von Dauer war erst das Gräflich Nostitzsche Nationaltheater, das bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts auch Stücke in tschechischer Sprache aufführte.
Das alte Nationaltheater genügte Ende des 19. Jahrhunderts kaum noch den Anforderungen eines modernen Bühnenbetriebs. So wurde am 5. Januar 1888 das "Neue Deutsche Theater Prag" eröffnet. Anders als das ehemalige Nationaltheater, das nach Ausrufung der ersten Tschechoslowakischen Republik 1918 in eine tschechischsprachige Bühne umgewandelt wurde, blieb das Neue Deutsche Theater auch unter den geänderten politischen Verhältnissen eine Stätte deutscher Kultur in Prag. In den 20er Jahren machten sich die Schauspieler für eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen in der jungen Republik stark; eine Forderung, die beim liberalen Prager Bürgertum auf stärkere Resonanz stieß als bei der deutschsprachigen Bevölkerung der Provinz. Der liberale und humanistische Geist, der im Neuen Deutschen Theater weiterlebte, veranlaßte nach 1933 eine Reihe deutscher Autoren, wie Heinrich Mann oder Bertolt Brecht, in Prag Zuflucht zu suchen. Fünf Jahre später jedoch markierte die Annexion des Sudetenlandes den Anfang vom Ende der deutschen Kultur in Prag. 1Kartenvorbestellungen und weitere Informationen: 01 80/3 27 32 50. Tanja Planko

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