ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 2/2000Aktienfonds: Strategien zum Vermögensaufbau

Supplement: Geldanlage

Aktienfonds: Strategien zum Vermögensaufbau

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): [16]

Gensler, Sylvia

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LNSLNS Wer fürs Alter vorsorgen und sich nicht um Details kümmern möchte, für den sind Investmentfonds eine Alternative. Die Autorin des Beitrags, spezialisiert auf dieses Thema, gibt Tipps für den Vermögensaufbau.


Für eine private Zusatzrente, die dem heutigen Wert von 3 000 DM monatlich entsprechen soll, werden – bei einer angenommenen Inflationsrate von durchschnittlich 3,5 Prozent jährlich – in 20 Jahren rund 6 000 DM benötigt. Wer erst in 30 Jahren den wohlverdienten Ruhestand antritt, benötigt dann sogar rund 8 500 DM monatlich.
Wie kann die gewünschte finanzielle Sicherheit erreicht werden? Mit Festgeld, Banksparplänen oder einer Lebensversicherung? Hier müss-
ten dann, zum Beispiel mit dem heutigen Tag beginnend, monatlich rund 2 850 DM einbezahlt werden, um in 20 Jahren auf die oben angegebene Summe zu kommen. Die klassischen Anlageformen wie Sparbuch oder festverzinsliche Wertpapiere sind zum langfristigen Vermögensaufbau nicht geeignet. Nach Inflation und Steuer bleibt nur ein mageres Ergebnis.
Auch die Lebensversicherung ist zum Kapitalaufbau nur bedingt geeignet. Hier besticht zwar immer noch, dass am Ende der Laufzeit die Erträge steuerfrei ausbezahlt werden. Doch dieses Privileg ist nicht für die Zukunft gesichert. Das zweite, häufig genannte Argument für die Lebensversicherung ist die Todesfallabsicherung für die Familie oder die Einschlussmöglichkeit im Fall der Berufsunfähigkeit. Diese Risiken kann man jedoch wesentlich preisgünstiger über reine Risikopolicen absichern.
Eine ideale Anlageform für einen renditestarken Vermögensaufbau sind Aktien. Keine Anlageform wies in der Vergangenheit bessere Ergebnisse auf. Ein individuelles Aktiendepot zusammenzustellen und zu pflegen erfordert sehr viel Zeit und umfassendes Know-how. Nur dann sind langfristig überdurchschnittliche Wertzuwächse möglich. Kurzfristige Geldanlage in Aktien ist in der Regel nicht sinnvoll: Bei Aktien gibt es keine Wertsteigerungsgarantie.
Dennoch: Selbst informieren
Wer kein Börsenprofi ist, aber von den Wertsteigerungen an der Börse profitieren möchte, sollte sein Geld in Aktien-fonds anlegen. Sie eignen sich über längere Sicht gesehen hervorragend zum Vermögensaufbau, auch wenn sie ähnlich wie Aktien den üblichen Börsenschwankungen unterliegen.
Somit profitiert der Privat-Anleger stressfreier als beim Aktienpoker vom Know-how der Profis. Er muss sich also nicht selbstständig über Börsennotierungen informieren. Die jährliche Überprüfung der Fondsanlagestruktur und übergreifender Entwicklungen reicht, um gegebenenfalls korrigierend einzugreifen. Zusätzliches Plus: Das Anlagesplitting der Fonds verringert das Risiko der Individualanlage. Auch bei Fonds gilt, dass der Käufer sich genau über Anlage-, Branchen und Länderschwerpunkte informieren sollte. Denn die Auswahl ist groß und vielfältig. Anleger können Fonds abhängig von ihrer Risikobereitschaft auswählen.
Wie bei Aktien sollte auch der Fondskauf nicht blindlings erfolgen. Denn ebenso wie es „gute“ Aktien gibt, gibt es „gute“ Fonds beziehungsweise erfolgreiche und weniger erfolgreiche. Wichtige Auswahlkriterien für den Anleger sind unter anderem die Risikoklasse, der Managementstil und die Anlageschwerpunkte. Die Erfahrung zeigt: Der „Normalanleger“ ist häufig überfordert. Gleich, ob er Aktien oder Fonds kaufen will, die Übersicht fehlt – und häufig auch ein stimmiges Anlagekonzept.
Insbesondere das regelmäßige Fondssparen bietet die Möglichkeit, schon mit niedrigen Sparraten (ab durchschnittlich 200 DM monatlich) langfristig ein Vermögen aufzubauen. Gute Investmentfonds haben nachweislich und langfristig eine jährliche Rendite von mehr als neun bis teilweise sogar über 15 Prozent erwirtschaftet – allerdings gibt es wie bei Aktien keine Garantie. Ein Beispiel: Angenommen, ein Anleger hätte 35 Jahre regelmäßig monatlich 300 DM in den weltweit anlegenden Templeton Growth Fund investiert. Der Sparplan hätte ihm dann per 3/2000 ein Vermögen von über 2,6 Millionen DM gebracht, und das bei einer Einzahlungssumme von lediglich 126 000 DM. Zum Vergleich: Eine Sparbuchanlage mit rund fünf Prozent Zinsen wäre nur auf 334 000 DM angewachsen.
Das regelmäßige Sparen entschärft zudem das Timing-Problem. Bei steigenden Kursen werden weniger und bei fallenden Kursen automatisch mehr Fondsanteile erworben. Langfristig erzielt der Anleger dadurch einen günstigen Durchschnittspreis für seine Fondsanteile, auch Cost-Average-Effekt genannt. Sinnvoll sind auch unregelmäßige Zuzahlungen. Diese sind bei den meisten Fondsgesellschaften schon von 1 000 DM an möglich. Diese Variante empfiehlt sich für diejenigen, die sich nicht gerne zu festen Einzahlungen verpflichten möchten.
Auch unter steuerlichen Aspekten ist die Anlage in Investmentfonds eine interessante Angelegenheit, da insbesondere bei Aktienfonds nach geltender Steuerregelung nur eine geringe Steuerpflicht entsteht. Es sind lediglich die Dividenden zu versteuern; bei einer Anlagedauer von zwölf Monaten an im Privatvermögen bleiben die Wertsteigerungen und Kursgewinne steuerfrei. Ein Ehepaar könnte somit ein Vermögen von rund 500 000 DM ohne zusätzliche Steuerbelastung anlegen.
Banken verschließen sich heute dem Fondsverkauf nicht mehr. Eine „neutrale“ Beratung durch diese ist meist nicht zu erwarten. Hauseigene Produkte stehen meistens im Mittelpunkt des Gesprächs.
Suchen Sie sich daher am besten einen unabhängigen Finanzdienstleister Ihrer Wahl. Bei der Auswahl des „richtigen“ Finanzberaters gibt es allerdings einiges zu beachten. Neben langjähriger Erfahrung sollte eine entsprechende fachliche Ausbildung gegeben sein. Als das A und O ist aber die Unabhängigkeit des Beraters zu bewerten. Ist diese nicht gegeben, ist die Gefahr groß, dass Ihnen Produkte angeboten werden, die zum Verkauf vorgeschrieben sind beziehungsweise an denen am meisten verdient wird.
Investmentberater
Adressen von Investmentberatern: Bundesverband Deutscher Investmentberater e.V., Telefon: 0 40/ 54 54 52.

Dipl.-Kfm. Sylvia Gensler
Gensler und Partner GmbH, München


12-Punkte-Checkliste zum Vermögensaufbau
- Suchen Sie sich einen guten Finanzberater/-in.
- Analysieren Sie mit ihm/ihr Ihre Situation; ermitteln Sie gemeinsam Ihren gewünschten Kapitalbedarf.
- Planen Sie Ihre finanziellen Ziele für die nächsten fünf, zehn und 15 Jahre.
- Definieren Sie einen jährlichen Stichtag zur Überprüfung Ihrer Anlagen und Ihrer Ziele.
- Trennen Sie Risikoabsicherung vom Vermögensaufbau. Sie können damit flexibler auf Veränderungen reagieren, und Ihr Geld arbeitet ertragreicher.
- Trennen Sie sich von unsinnigen und überflüssigen Versicherungen.
- Planen Sie Ihren Vermögensaufbau langfristig, und fangen Sie frühzeitig an – auch kleine Beträge führen zum Ziel (Zinseszinseffekt).
- Streuen Sie Ihr Kapital so breit wie möglich.
- Achten Sie auf eine ausreichende Liquiditätsreserve.
- Beachten Sie die steuerlichen Auswirkungen.
- Trennen Sie Privatvermögen vom Praxisvermögen.
- Informieren Sie sich, seien Sie kritisch, und unterzeichnen Sie niemals bei einer Anlageform, die Sie nicht hundertprozentig verstanden haben.
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