ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 2/2000Venture Capital: Engagement für Risikofreudige

Supplement: Geldanlage

Venture Capital: Engagement für Risikofreudige

Dtsch Arztebl 2000; 97(41): [18]

Brennecke, Dirk

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LNSLNS Die Beteiligung an Venture Capital kann interessant sein. Der Autor ist Vorstand bei der ultima ratio AG, die Geldgeber von Risikokapital berät.


Eine Kapitalanlage, die sich in den USA und Großbritannien bereits seit Jahren großer Beliebtheit erfreut und in Deutschland bisher nur institutionellen Investoren wie Banken, Versicherungen und Pensionsfonds zugänglich war, öffnet sich nun auch für den privaten Kapitalanleger: Venture Capital. Beteiligungsfinanzierungen mit Venture Capital ermöglichen oftmals erst die Verwirklichung der Ziele junger Unternehmen mit cleveren Ideen.
Das Prinzip ist einfach. Private Kapitalanleger beteiligen sich über Venture Capital-Gesellschaften beziehungsweise über deren aufgelegte Fonds unmittelbar an den Unternehmen der Entrepreneure. Von besonderem Interesse sind weniger die laufenden Gewinne als vielmehr die angestrebte Wertsteigerung der Beteiligungen. Während der Haltephase unterstützt die Venture Capital-Gesellschaft die jungen Unternehmer sowohl mit finanziellen Mitteln als auch mit Management-Know-how. Dabei sollen Fehler vermieden werden, die jeder Jungunternehmer zwangsläufig macht. Außerdem sollen Kontakte hergestellt und Absatzkanäle geöffnet werden. Nach einer Untersuchung des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften wachsen mit Venture Capital finanzierte Unternehmen dreimal schneller als Unternehmen, die auf traditionelle Weise finanziert wurden.
Bei Venture Capital handelt es sich um eine Partnerschaftsfinanzierung auf Zeit. Erklärtes Ziel ist es, sich nach drei bis sieben Jahren gewinnbringend von den Unternehmensbeteiligungen zu trennen. Dabei stehen als Ausstiegsmöglichkeiten (so genannte Exit-Varianten) der Verkauf an ein Industrieunternehmen (trade sale), der Rückkauf der Anteile durch Altgesellschafter (buy back) oder der Börsengang (IPO) zur Verfügung.
Seit Einführung des Neuen Marktes besitzen Venture Capital-Gesellschaften ein hervorragendes Medium, um sich von Unternehmensbeteiligungen zu trennen. Nach einer statistischen Erhebung des Vereins deutscher Ingenieure betrug der Anteil der Venture Capital-finanzierten Unternehmen am Neuen Markt Ende 1999 nahezu 37 Prozent. Oftmals beteiligen sich die privaten Kapitalanleger an den Börsenneulingen, ohne zu wissen, dass diese im Vorfeld von Venture Capital-Gesellschaften unterstützt wurden.
In den vergangenen vier Jahren konnten mit Venture Capital in Deutschland durchschnittlich 32 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet werden. Langfristige Vergleiche in den USA belegen, dass Venture Capital-Investitionen die traditionellen Anlageformen wie zum Beispiel festverzinsliche Wertpapiere, Immobilien oder Aktien unter Renditegesichtspunkten schlagen. Die höhere Rendite ist zugleich als Risikoprämie für das Vertrauen zu sehen, das die Kapitalgeber in die Ideen der Jungunternehmer setzen.
Als risikomindernd wirkt sich die Bildung eines Unternehmens-Portfolios aus, das heißt, der Kapitalanleger setzt sein Geld nicht nur auf ein Pferd. Die Venture Capital-Gesellschaft ist bestrebt, die Zielunternehmen nach Faktoren wie Branchenzugehörigkeit (Telekommunikation, Internet, Software, Biotechnologie, Medizintechnik), Entwicklungsstadium (Gründung, Expansion, Pre-IPO) und geographischen Gesichtspunkten zu diversifizieren. Darüber hinaus können Fördergesellschaften wie die tbg (Technologie Beteiligungsgesellschaft, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Ausgleichsbank) zu einem Co-Investment bei bestimmten Zielunternehmen eingeladen werden. Bei einer Beteiligungszusage sichert die tbg den Ausfall des Zielunternehmens über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 50 Prozent ab.
Gleichwohl gilt für den privaten Anleger: Venture Capital-Beteiligungen sollte man lediglich zu zehn bis 20 Prozent als Beimischung für sein Gesamtportfolio betrachten, um hierdurch die Gesamtrendite zu erhöhen und das Gesamtwagnis zu reduzieren. Dieser Effekt ist typisch für Venture Capital-Beteiligungen, da sie nur eine sehr schwache Korrelation zu anderen Anlageformen aufweisen. Grundsätzlich ist diese Kapitalanlage nur für Investoren geeignet, die das Risiko gleichzeitig als Chance für ein überdurchschnittliches Ertragspotenzial verstehen.
Dirk Brennecke, CFP, Dissen a.T.W.
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