ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Sprachkurse für medizinisches Personal: Geldgeber gesucht

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Sprachkurse für medizinisches Personal: Geldgeber gesucht

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2745 / B-2339 / C-2195

Endres, Alexandra

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LNSLNS Wenn Ärzte und Patienten sich nicht verstehen, dann kann das entweder zu gravierenden Behandlungsfehlern führen oder dazu, dass die Patienten nicht in den Genuss bestimmter Therapien kommen.
In Essen beschlossen Klinikärzte, Krankenschwestern und Hebammen schon vor 20 Jahren, etwas gegen die Verständigungsschwierigkeiten zu unternehmen. Aus ihrer Privatinitiative entstanden 1980 die ersten Türkisch-Kurse speziell für Klinikpersonal. Daraus wuchs das regelmäßige Kursangebot „Türkisch am Krankenbett“. Rund 300 bis 400 Mitarbeiter aus der Krankenpflege, der medizinischen Betreuung und der beratenden Berufe nutzten die Kurse seither jedes Jahr zur Fortbildung.
Im nordrhein-westfälischen Ge­sund­heits­mi­nis­terium gilt das Projekt als „ungeheuer innovativ“. Dennoch ist die Zukunft von „Türkisch am Krankenbett“ gefährdet, weil die Finanzierung nicht mehr gesichert ist.
Dr. Rosemarie Neumann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich „Literatur- und Sprachwissenschaften“ der Universität Gesamthochschule Essen, ein Schwerpunkt von ihr ist die Lehre von Deutsch als Fremdsprache.
Dr. Neumann und ihre Kollegen haben in den vergangenen Jahren „Türkisch am Krankenbett“ wissenschaftlich begleitet, haben die Unterrichtsmaterialien erstellt und die Dozenten eingearbeitet. Um den Fortbestand des Projektes zu garantieren, sind Neumanns Angaben zufolge mindestens 30 000 DM pro Jahr nötig.
Bis vor zwei Jahren war der Finanzbedarf noch geringer, denn die örtliche Volkshochschule (VHS) stellte ihre Dozenten unentgeltlich zur Verfügung. Als die VHS diesen Aufwand nicht mehr übernehmen wollte, mussten die Kurse zunächst ausfallen. Erst im zweiten Halbjahr 1998 sprang das Ge­sund­heits­mi­nis­terium ein. Seither übernimmt die Landesregierung alljährlich einen Teil der Kosten. Im laufenden Jahr spendiert sie knapp 9 000 DM, und auch im Jahr 2001 will sie ihren Teil dazu beitragen, „Türkisch am Krankenbett“ zu erhalten. Eine vollständige Kostenübernahme steht aber nicht zur Debatte.
Drei Dinge, sagt Rosemarie Neumann, braucht „Türkisch am Krankenbett“, um auf längere Sicht ein sinnvolles Angebot bereitstellen zu können: Die mittelfristige Finanzierung müsse gesichert sein, damit die Kurse ausreichend früh im Voraus geplant werden können. Das Angebot müsse eine ausreichende Anzahl von Kursen differenzierter Qualität beinhalten, um unterschiedliche Lernbedürfnisse bedienen zu können. Schließlich müsse der Unterricht für die Teilnehmer entgeltfrei sein.
Um „Türkisch am Krankenbett“ zu erhalten, sucht das Ge­sund­heits­mi­nis­terium jetzt nach weiteren Partnern, die bereit sind, das Projekt mitzufinanzieren. Ein wenig Zeit ist noch. Ende Oktober bis Mitte November, heißt es, sollen
Dr. Neumann und ihre Kollegen Planungssicherheit haben. Alexandra Endres

Damit Patienten optimal betreut werden, ist es wichtig, dass Ärzte sie verstehen.
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