ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Methadon: Unglaubliche Bürokratisierung

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Methadon: Unglaubliche Bürokratisierung

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2774 / B-2363 / C-2217

Flenker, Ingo

Zu dem Beitrag „Steigende Akzeptanz“ von Dr. med. Paul Rheinberger und Gabriele Sander in Heft 36/2000:
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LNSLNS Studien und Umfragen haben meist den Vorteil, am Ende die Position des Auftraggebers zu bestätigen. Dies scheint mir bei der vorliegenden Umfrage des Bundes­aus­schusses Ärzte/Krankenkassen zu „steigender Akzeptanz“ der Methadon-Substitution unter geänderten, wie ich meine immer noch viel zu restriktiven, Richtlinien auch der Fall zu sein. Wie sonst könnten die Autoren zu dem Schluss kommen, dass entgegen aller Proteste und Beschwerden der substituierenden Ärzte alles in Ordnung sei, ja die Akzeptanz der Behandlungsmethode sich in steigenden Fallzahlen ausdrücke? Für viele in der Praxis tätigen Ärzte grenzt dieser Beitrag an Hohn.
Festzustellen ist: In meinen Augen sind die aufgeführten Zahlen weder objektiv, noch können sie eine steigende Akzeptanz der Methadon-Substitution belegen. Nachvollziehbare Bezugsdaten, die eindeutige Aussagen über die Entwicklung von Arzt- und Patientenzahlen nach Einführung der neuen Richtlinien zulassen, werden nicht angegeben. Die Aussage, dass innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahre die Zahl der substituierten Patienten um 29 Prozent gestiegen sei, mag vielleicht stimmen oder auch nicht. Eine Frage, die sich mir dabei aber sofort stellt, ist doch: Haben die Autoren in diesem Zusammenhang untersucht, ob nicht die Umstellung von Codein-Substitution auf Methadon-Substitution zum Anstieg beigetragen hat und nicht etwa die neuen Richtlinien die Begründung sind? Eine Antwort dazu fehlt. Was die Umfrage allerdings bestätigt, ist eine unglaubliche Bürokratisierung, die in keiner Weise dazu beiträgt, die Behandlung zu qualifizieren, sondern ganz im Gegenteil mit inakzeptablen Wartezeiten für die Patienten eine Behandlung eher verhindert beziehungsweise zu starken Verunsicherungen sowohl bei Ärzten als auch Patienten führt.
Ein Schönreden der Situation hilft nicht. Ich halte es vielmehr für dringend erforderlich, die Kolleginnen und Kollegen vor Ort mit ihren Erfahrungen und ihren Forderungen nach Entbürokratisierung und nach einer schnellen, nachvollziehbaren und gesicherten Kostenregelung ernst zu nehmen. Den Patienten und ihren Ärzten nutzen an den Haaren herbeigezogene Belege, dass doch alles in (bürokratischer) Ordnung sei, wenig.
Dr. med. Ingo Flenker, Ärztekammer Westfalen-Lippe, Gartenstraße 210-214, 48147 Münster
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