ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Leistungsvergleich: Falscher Eindruck erweckt

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Leistungsvergleich: Falscher Eindruck erweckt

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2777 / B-2358 / C-2095

Scheibe, O.

Zu dem Beitrag „Krankenhaus-Evaluierung: Stimme des Patienten“ von Dr. med. Nikolaus Matthes und Dr. med. Axel Wiest in Heft 31–32/2000:
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LNSLNS In Baden-Württemberg, Nordrhein und Westfalen-Lippe wird auf dem chirurgischen Gebiet eine externe Qualitässicherung seit 1987 beziehungsweise seit 1990 durchgeführt, und alle Kliniken dieses Landes werden einem Vergleich unterzogen. Auch Schleswig-Holstein hat sich dieser externen Qualitätssicherung angeschlossen und darüber hinaus im Rahmen der inneren Medizin und Gynäkologie das gleiche Verfahren entwickelt. Dieser jährliche Krankenhausvergleich ist für alle Kliniken der beteiligten Länder der Ausgangspunkt für eine interne Qualitätskontrolle und eventuelle Qualitätsverbesserung. Die im Artikel von der Joint Commission für die USA geplante Einführung, unter Zugrundelegung einer Risikobereinigung, ist in diesen Ländern für die Chirurgie und in einem Land für Gynäkologie und innere Medizin bereits Routine. Jährlich drei- bis viermal werden in den jeweiligen Kammerbereichen Sitzungen aller beteiligten Kliniken durchgeführt und die Differenzen besprochen. Am Jahresdurchschnitt der Kliniken lässt sich ablesen, dass die Rate an Infektionen und die Rate an unnötigen Appendektomien – um nur einige Beispiele zu nennen – im Laufe der Jahre deutlich abgenommen haben.
Ein Handicap ist der Zeitpunkt der Erfolgsmessung. Dieser ist bis jetzt nur am Ende der stationären Behandlung möglich und kann über Langzeitergebnisse nichts aussagen. Hier ist eine Späterhebung notwendig, über die sich die Verantwortlichen für den stationären und ambulanten Bereich einigen müssen. Ein weiterer Punkt, der bisher nicht berücksichtigt wurde, ist die Meinung des Patienten. Auch diese sollte mit einer Nachuntersuchung anhand bereits vorhandener Fragebogen erforscht und in das Ergebnis eingearbeitet werden.
Eine Verbesserung der Komplikationsrate und eine Verringerung der stationären Liegedauer wurden durch die externe Qualitätssicherung in den oben genannten Ländern bereits erreicht. Obiger Artikel lässt die Meinung aufkommen, dass in Deutschland qualitätssichernde Maßnahmen, einschließlich der externen Vergleiche zwischen Kliniken, nicht existieren. Dies ist rundweg falsch.
Prof. Dr. med. O. Scheibe, Thüringer-Wald-Straße 33, 70469 Stuttgart
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