ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Das Asperger-Syndrom: Gestützte Kommunikation hilfreich

MEDIZIN: Diskussion

Das Asperger-Syndrom: Gestützte Kommunikation hilfreich

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2795 / B-2396 / C-2227

Schillitz, Christel

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. phil. Helmut Remschmidt in Heft 19/2000
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LNSLNS Könnte nicht dem Symptom des Mangels an emotionaler Resonanz die Handlungsfähigkeit im Sinne einer afferenten Parese nach Alexander R. Lurija (Das Gehirn in Aktion, Einführung in die Neuropsychologie) zugrunde liegen? Wegen einer kinästhetischen Apraxie ist das „autistische“ Kleinkind nicht in der Lage, seine Ärmchen der Mutter entgegenzustrecken, obwohl es sein „Kopf“ will. Welches Missverständnis, welche Frustration! Kein Wunder, dass es zu einer schweren Entwicklungsstörung mit den bekannten Symptomen kommen muss! Ich würde mir wünschen, dass sich auch in Deutschland Neurologen mit dem Erscheinungsbild des Autismus auseinandersetzen, wie es offenbar in Italien schon geschieht. Auch die schriftlichen Aussagen nicht sprechender autistischer Menschen sollten in der Autismus-Forschung mehr Beachtung finden. Wie sind beispielsweise Symptome „peripheres Sehen“ und „fotografisches Gedächtnis“ einzuordnen? Die veröffentlichten Selbstdarstellungen von Birger Sellin, Lutz Bayer oder Dietmar Zöller schildern anschaulich die Störungen der Wahrnehmung und die Störungen der Handlungsfähigkeit. Bei der Methode der gestützten Kommunikation (Facilitated Communication [FC]) wird ja versucht, dem FC-Schreiber durch Stützen am Handgelenk – manchmal nur an der Schulter – eine Rückmeldung zu geben, damit er eine gezielte motorische Tätigkeit, nämlich Drücken auf die Buchstabentaste, ausführen kann. Nur wenigen FC-Schreibern gelingt es, dauerhaft ohne Stützperson zu schreiben; das ist ja auch einleuchtend, wenn eine kinästetische Apraxie ursächlich zugrunde liegt.
Schade, dass in Fachkreisen die FC-Methode so wenig anerkannt wird, kann sie doch helfen, das Leid von Eltern und ihren kranken Kindern zu lindern. Es ist zu hoffen, dass die Broschüre des bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales über die „Gestützte Kommunikation bei Menschen mit schweren Kommunikationsbeeinträchtigungen“ die Betroffenen einen Schritt weiterbringt.
Dr. med. Christel Schillitz
Kiefernweg 14, 91522 Ansbach

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