ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Musical im Theater des Westens: Mozart als Retter

VARIA: Feuilleton

Musical im Theater des Westens: Mozart als Retter

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2797 / B-2381 / C-2234

Klinkhammer, Gisela

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LNSLNS „FMA – Falco meets Amadeus“ ist die Geschichte eines extremen Lebens.

Eine Reise in die Hauptstadt lohnt sich selbstverständlich immer. Aber lohnt es sich auch, eigens für einen Musical-Besuch nach Berlin zu fahren? Freunden anspruchsvollen Theaters sollte eher abgeraten werden; Fans von Musik der 80er-Jahre kommen auf ihre Kosten, jedenfalls wenn es um „FMA – Falco meets Mozart“ geht, das zurzeit im Theater des Westens auf dem Spielplan steht.
Autor Burkhard Driest erzählt in dieser Welturaufführung die Geschichte von Hans Hölzel (Falco), der von Axel Herrig dargestellt wird, was sich als eine glückliche Besetzung erwies. Herrig sieht Falco nicht nur täuschend ähnlich, er agiert auch wie Falco. Seine in dem Musical dargestellte Lebensgeschichte überzeugt dagegen in keiner Weise. Er steht auf dem Gipfel seines Ruhmes. Doch dann kommt der Karriereknick – finanzieller Ruin, Drogensucht und Depressionen. Schließlich liegt der Musiker am Boden und sieht das leuchtende Bild Mozarts am Himmel. „I need a song“, fleht Falco ihn an, und der Klassiker erhört ihn prompt. „Rock me Amadeus“ wird in wenigen Tagen ein Welthit.
Fassade des schönen Scheins
Nach dieser Schlüsselszene (und einem teuflischen Pakt) hat sich Falcos Leben wieder zum Positiven gewandelt. Er heiratet seine langjährige Freundin Konny. Zahlreiche Prominente kommen zu
seiner Hochzeit. Doch der Ruhm macht ihn nicht glücklich. „FMA“ zeigt die Fassade des schönen Scheins. Da gibt es den raffgierigen Manager Johnny Zuweger (Martin Moss). Da sind die vielen falschen Freunde, die Frauen, die nie „fürs Leben sind“, und nicht zuletzt die Drogen, mit deren Hilfe Falco versucht, von all dem Abstand zu gewinnen. Am Ende wird der Popstar für sein sündhaftes Leben bestraft: „Er ist verdammt!“ dröhnt der Chor aus Mozarts „Don Giovanni“ in der letzten Szene. Aber anstatt in die Hölle zu fahren, erlaubt ihm Erzengel Jeanny den Aufstieg in den Himmel, wo er Mozart wieder trifft. Gemeinsam spielen sie „The Sound of Musik“. Was Mozart allerdings Falco wirklich bedeutet hat, bleibt völlig im Dunkeln. Der Komponist wird von Joachim Schweizer als lächerliche Figur dargestellt, die sich in der Regel einer ordinären Fäkalsprache bedient und mit seinem historischen Vorbild so gut wie nichts gemein-
sam hat. Die Dialoge sind nicht nur verworren, sondern werden außerdem in unsäglichen Knittelversen teilweise völlig unverständlich vorgetragen.
Tänzer mit Stelzenhölzern
Wenn man von diesen Sprechparts absieht, kann man dem Musical auch positive Seiten abgewinnen. So sind die rasanten Tanznummern durchaus ein Vergnügen. Als zum Beispiel „Jeanny“ zur Wahnvorstellung wird, bauen die Tänzer mit Stelzenhölzern einen imaginären Wald. „Der Mann mit dem Koks“ wird von Falcos Mutter in der Küche empfangen. Freunde der Musik der 80er-Jahre werden sich an Falcos neu arrangierten Hits erfreuen, und die kleinen musikalischen Reminiszenzen an Mozarts geniale Kompositionen sind eine willkommene Bereicherung.
Intendant Elmar Ottenthal hat viel investiert. Eigens für das Musical hat er eine aufwendige Lichtkonstruktion mit wesentlich mehr Scheinwerfern installieren lassen. Seinem schönen und traditionsreichen Theater sei ein Erfolg vergönnt.
Gisela Klinkhammer


Das Musical „FMA-Falco meets Amadeus“ (Buch: Burkhard Driest; Komposition: Johnny Bertl) wurde am 23. September im Berliner Theater des Westens uraufgeführt. Lesern des Deutschen Ärzteblattes gewährt das Theater einen Rabatt von zehn Prozent auf alle Preiskategorien des Musicals unter Nennung des Kennwortes „Deutsches Ärzteblatt“. Telefon: 01 80/5 99 89 99.
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