ArchivDeutsches Ärzteblatt33/1996Börsebius über Kreditablösungen: Mehr drin!

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius über Kreditablösungen: Mehr drin!

Rombach, Reinhold

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Stets dann, wenn die Zinsen niedrig sind, sitzt so mancher mit traurigen Augen über seinem vor einiger Zeit abgeschlossenen Kreditvertrag. So auch unser Beispielsschuldner Hans Rückrath. Der hat nämlich 1993 am 30. August 400 000 Mark von der Bank geliehen, und das zu einem Festzins von 8 Prozent bei einer Laufzeit von 10 Jahren und einer Tilgung von einem Prozent.
Der gute Rückrath ärgert sich wegen der aktuellen günstigen Zinslage halb schwarz über den festen Zins und würde liebend gerne die Restschuld von 386 631 Mark auf der Stelle ablösen. Gedacht, getan – wild entschlossen marschiert Rückrath zu seinem Bankmenschen und verkündet, er wolle nicht mehr 7 Jahre fest an die Bank gebunden sein.
Doch leider heißt "auf der Stelle" nicht "auf die Schnelle", wie ihm der Kreditexperte seiner Bank deutlich zu verstehen gibt. Zwar sei eine sofortige Ablösung an sich kein Problem, aber da müsse der werte Herr Rückrath – pacta sunt servanda – der Bank den Zinsschaden ersetzen und eine Vorfälligkeitsentschädigung nach dem sogenannten Aktiv-Passiv-Vergleich in Höhe von 51 200 DM zahlen. Der Grund dafür sei denkbar einfach: Schließlich habe die Bank den Kreditvertrag damals laufzeitgerecht gegenfinanziert und könne mit dem Ablösungsbetrag jetzt einem anderen Kreditnehmer einen neuen Kreditvertrag auch nur zu den aktuell niedrigeren Zinsen "verkaufen".
Da sitzt der arme Hans Rückrath also und ist tief geknickt. War wohl nix mit dem schlauen Traum von der vorzeitigen Ablösung. Schon das Wort "Vorfälligkeitsentschädigung" jagt ihm respektable Schauer über den Rücken, als habe er Arges verbrochen. Einen teuren Rechtsstreit vom Zaun zu brechen, will Rückrath bei dem hohen Prozeßrisiko gleich gar nicht wagen.
So trübe sieht es allerdings keineswegs aus. Wer mit den richtigen Argumenten in die Gespräche geht, kann erstaunliche Verhandlungserfolge erzielen. So ist es wichtig, der Bank entgegenzuhalten, daß bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung der Aktiv- Aktiv-Vergleich ebenso anwendbar ist. Dahinter steckt, daß die Differenz zwischen Kredit- und Pfandbriefzinssatz den entgangenen Zinsgewinn übertreibt. Darin stecken auch noch die Risikoprämie, die Verwaltungskosten und die Kosten der Pfandbriefemission. Die werden mit der Rückzahlung allesamt eingespart, können somit also nicht angesetzt werden. Nach dem AktivAktiv-Vergleich beträgt die Vorfälligkeitsentschädigung lediglich 29 400 DM, und das wäre eine gewaltige Ersparnis!
Wenn das immer noch nicht reicht: Die Banken stehen in einem überaus harten Wettbewerb, und der Hinweis auf das Überdenken der Geschäftsverbindung wirkt oft sehr förderlich. Probieren kommt nach dem Studieren. Börsebius
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote