ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2000Infliximab: Innovationspreis für den TNF-alpha-Antikörper

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Infliximab: Innovationspreis für den TNF-alpha-Antikörper

Dtsch Arztebl 2000; 97(42): A-2801 / B-2259 / C-2051

Vetter, Christine

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LNSLNS Mit dem Innovationspreis der Pharmazeutischen Zeitung wurde in diesem Jahr der erste selektive TNF-alpha-Antagonist Infliximab anlässlich des Deutschen Apothekertages in Köln ausgezeichnet. Es handle sich, so Chefredakteur Dr. Hartmut Morck, um ein innovatives Wirkprinzip, dessen klinischer Nutzen beim Morbus Crohn wie auch bei der rheumatoiden Arthritis gut belegt ist. Das Wirkprinzip von Infliximab, das unter 29 innovativen Arzneimitteln der engeren Wahl ausgewählt wurde, beruht auf einer spezifischen Hemmung des Tumornekrosefaktors alpha (TNF-a) durch einen monoklonalen Antikörper, der bei verschiedenen entzündlichen Krankheitsbildern hochreguliert ist.
Bei dem Arzneimittel handelt es sich um einen monoklonalen, chimären Antikörper, der sich gezielt gegen TNF-a richtet und dessen Spiegel normalisiert. Dadurch werde der Entzündungsprozess durchbrochen und so die Krankheitsaktivität gebessert, berichtete Wolfgang Thriene (Essex Pharma) anlässlich der Preisverleihung.
Morbus Crohn und rheumatoide Arthritis
Indiziert ist Infliximab bei Patienten mit schwerer, aktiver Form des Morbus Crohn, die sich weder durch Steroide noch durch Immunsuppressiva wie Azathioprin befriedigend behandeln lassen, sowie bei Crohn-Patienten mit Fistelbildung. Laut Thriene sprachen im Rahmen einer doppelblind-kontrollierten Untersuchung mehr als 80 Prozent der zuvor therapierefraktären Patienten auf die Behandlung mit Infliximab (5 mg/kg KG) an, der Therapieerfolg hielt durchschnittlich zwei bis drei Monate an. Lässt sich die Remission nicht anders erhalten, so kann der Antikörper nach Thriene auch zur Erhaltungstherapie eingesetzt werden, wobei die Infusion etwa alle acht Wochen wiederholt werden muss. Gute Therapieerfolge sind auch bei Patienten mit Crohn-Fisteln zu erwarten: In den vorliegenden Studien nimmt die Zahl der sezernierenden Fisteln nach drei Infusionen um mehr als die Hälfte gegenüber Placebo ab.
Seit Juni wird Infliximab auch zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis genutzt für Patienten, bei denen mit der herkömmlichen Therapie kein ausreichender Erfolg erzielt werden konnte. Bei ihnen wird der Antikörper routinemäßig in Kombination mit Methotrexat verabreicht. Erste Beobachtungen in der noch laufenden doppelblind-placebokontrollierten ATTRACT-Studie (Anti-TNF-Trial in Rheumatoid Arthritis with Concomitant Therapy) deuten nach Thriene dabei an, dass die Kombination des TNF-a-Antagonisten mit dem Immunsuppressivum der alleinigen Gabe von Methotrexat überlegen ist.
So zeigte eine Zwischenauswertung nach 54 Wochen, dass sich durch die Kombinationstherapie die Gelenkdestruktion stoppen und sogar eine klinische Besserung der Symptomatik erzielen lässt, während in der Kontrollgruppe eine klare Progression der Gelenkdestruktion dokumentiert wurde. Derzeit werden weitere Indikationen für Infliximab geprüft: Colitis ulcerosa, Morbus Bechterew und Sklerodermie. Christine Vetter
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