ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2000Kassenwechsler: Teure Zugvögel

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Kassenwechsler: Teure Zugvögel

Dtsch Arztebl 2000; 97(43): A-2805 / B-2385 / C-2121

Maus, Josef

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LNSLNS Die großen Krankenkassen zählen derzeit Köpfe – neue und nicht mehr vorhandene. Zum 30. September dieses Jahres hatten die Versicherten bundesweit wieder die Gelegenheit, die Kasse zu wechseln. Von dem Ergebnis der neuerlichen Versichertenwanderung hängt vieles ab. Traditionsreiche Krankenkassen – etwa der Branchenführer Barmer bei den Ersatzkassen – fürchten um ihre Klientel.
Die bange Frage lautet: Wie viele sind diesmal zu den preiswerteren Betriebskrankenkassen abgewandert? Vor allem die so genannten „virtuellen“ Kassen ohne Geschäftsstellen in den Regionen entwickeln sich zum Mekka der Beitragssparer. Die Wanderbewegung im Wettbewerb ist jedoch keineswegs nur ein kasseninternes Problem. Das Gesundheitswesen insgesamt leidet. Als einer der ersten wies Dr. med. Manfred Richter-Reichhelm auf die unliebsamen Folgen hin. Der KBV-Vorsitzende und Berliner KV-Chef rechnet vor, dass dem System mit den Kassenwechslern im vorigen Jahr rund 1,2 Milliarden DM verloren gegangen sind.
Mehr als eine Million Versicherte sind Ende 1999 zu den Betriebskrankenkassen gewechselt, weil sie dort mindestens zwei Prozentpunkte weniger Beitrag zahlen. Im laufenden Jahr darf mit einer ähnlich hohen Rate gerechnet werden. Macht summa summarum: rund 2,5 Milliarden DM weniger Beitragsaufkommen. Das Geld fehlt sowohl der stationären als auch der ambulanten Versorgung. Doch die niedergelassenen Ärzte spüren das unmittelbarer. In Berlin beispielsweise haben sich im vergangenen Jahr etwa 7 000 Barmer-Versicherte der Betriebskrankenkasse Verkehrsbauunion angeschlossen. Diese Krankenkasse zahlt für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten eine Jahres-Kopfpauschale von rund 400 DM. Die Barmer Ersatzkasse wendete in Berlin hingegen 1 020 DM pro Versicherten im Jahr auf – gut 600 DM mehr für dieselben Leistungen an denselben Patienten. Hochgerechnet aufs Jahr macht dies allein in Berlin einen Honorarverlust von 4,3 Millionen DM in der ambulanten Versorgung aus. Das Problem, so Richter-Reichhelm, nimmt bedrohliche Ausmaße an. Josef Maus
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