ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Werbung der Apotheker: Ja zum Trikot

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Werbung der Apotheker: Ja zum Trikot

Dauth, Sabine

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LNSLNS An das Fernseh-Interview mit Sportlern, die über Brust und Kragen dekoriert sind mit Werbeabzeichen aller möglichen Firmen, haben wir uns gewöhnt. Negativ-Preise für frauenfeindliche Werbung entlocken uns nur ein abfälliges Lächeln: wildgewordene Sauertopf-Emanzen! Nun sollen nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe auch Apotheker in gewissem Umfang werben dürfen, und schon klagen manche, als ob es um den Untergang des Abendlandes ginge.
Die Karlsruher Richter haben dieser Tage den Beschwerden mehrerer Apotheker stattgegeben und entschieden, daß ihre Verurteilungen durch Berufsgerichte nicht Rechtens sind. Werbung sei Apothekern, die auch Kaufleute seien, grundsätzlich erlaubt. Einer der klagenden Apotheker darf also in Zukunft in der Festschrift des Gesangvereins auf sein Unternehmen hinweisen, ein zweiter für das Randsortiment werben, ein dritter auf sich mit Hilfe von Trikotwerbung aufmerksam machen.
Dr. Hartmut Schmall, Präsident der Bundesapothekerkammer, hat die Entscheidungen bedauert. Dem gewerblichen Charakter der Apotheke werde Vorschub geleistet; man müsse abwarten, ob das Vertrauen des Patienten in den Apotheker davon unbeschädigt bleibe.
Dr. med. Karsten Vilmar, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, äußerte in einem Interview, das Werbeverbot für Ärzte müsse beibehalten werden, damit Patienten nicht auf unseriöse Heilungsversprechen hereinfielen.
Die Karlsruher Richter haben jedoch die Grenzen ihrer Urteile selbst aufgeführt. Zwar meinen sie, die Berufsgerichte hätten dem Wandel im Werbeverhalten Rechnung zu tragen. Was heute überzogen wirkt, ist eben morgen üblich. Wirklich übertriebene, unangemessene Werbung oder solche, die den Arzneimittelmißbrauch fördern könnte, bleibt verboten. Wer hierüber entscheiden wolle, so das Gericht, müsse aber Werbeträger und Werbeaussage berücksichtigen. Also: Die Dosis macht das Gift – und nicht das Trikot.
th
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