ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Verbandsbudgets: Gesetzliche vorn

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Verbandsbudgets: Gesetzliche vorn

Clade, Harald

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LNSLNS Die Verwaltungsetats der Bundes- und Landesverbände der gesetzlichen Krankenversicherung (Orts-, Innungs-, Betriebskrankenkassen, Ersatzkassen, See- und Landwirtschaftliche Krankenkasse) beliefen sich im Jahr 1995 auf 731 Millionen DM. Dagegen betrug das Haushaltsvolumen des Verbandes der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV), Köln, im gleichen Jahr 21,8 Millionen DM. Die GKV-Bundes- und Landesverbände beschäftigten 2 497 Mitarbeiter, der PKV-Verband 49 Personen. Dies teilte die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesgesundheitsministeriums, Dr. med. Sabine Bergmann-Pohl MdB, Bonn, auf Anfrage des CDU-Abgeordneten und Sozialexperten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ulf Fink, MdB aus Berlin, mit. Bezogen auf die Zahl der Versicherten, sind die Etats der GKV-Verbände dreimal so hoch wie die des PKV-Verbandes. Die Zahl der Mitarbeiter der Kassenverbände liegt – ebenfalls gemessen an der Zahl der Versicherten – rund fünfmal so hoch wie die des Verbandes der privaten Krankenversicherung, allerdings bei sehr unterschiedlichen Verwaltungs- und Verbandsaufgaben. Während die Verbände der gesetzlichen Krankenversicherung mit umfassenden Aufgaben der Rechtsumsetzung, -überwachung und -interpretation auf gesetzlicher Grundlage befaßt sind, hat der PKV-Verband in erster Linie Lobby-Funktion.
Zwischen 1985 und 1995 stellten die gesetzlichen Krankenkassen in den alten Bundesländern 22 Prozent mehr Personal ein. Auch das Verwaltungsvermögen (Grundstücke, Gebäude, Fahrzeuge, Inventar u. a.) nahm gewaltig – um 64,1 Prozent – zu. Die Zahl der in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherten Personen wuchs dagegen lediglich um 2,6 Prozent. Der Verwaltungsaufwand der Kassen stieg in den letzten zehn Jahren um 72,1 Prozent. Die Jahresgehälter der Vorstandsvorsitzenden bei großen Ersatzkassen und ihrer Stellvertreter liegen bei 350 000 DM und mehr. Die Chefgehälter – bis Ende 1995 noch mit B 4 (zur Zeit 9 700 DM) oder B 6 (11 000 DM) dotiert, werden nun frei ausgehandelt. Für manche Anlaß, sich etwas mehr zu genehmigen – zu Lasten der Beitragszahler. Anlaß für Abgeordnete der Bonner Koalition, dazu aufzurufen, die allzu üppigen Chefbezüge an der "Kassenfront" wieder abzuspecken und die sich "metastasenartig" ausbreitenden Strukturen der Kassenverwaltungen zu begradigen. HC

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