ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Erhebung des Blutdrucks: Die „Fußangeln“ der Meßverfahren

SPEKTRUM: Akut

Erhebung des Blutdrucks: Die „Fußangeln“ der Meßverfahren

Vetter, Christine

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LNSLNS Bei der Messung des Blutdrucks handelt es sich um ein lang bewährtes, einfaches diagnostisches Verfahren. Die Werte liefern direkt Hinweise auf den Gesundheitszustand des Patienten und auf lange Sicht auch auf sein Risiko, eine kardiovaskuläre Krankheit zu entwickeln oder daran zu sterben. Trotz dieser großen Bedeutung und der Weiterentwicklung des Verfahrens hat sich die Umsetzung dieses Fortschrittes in der Arztpraxis nicht vollzogen. Im High-Tech-Zeitalter wird in 88 Prozent der Arztpraxen noch nach der alten Korotkow-Methode mit Stethoskop und Quecksilbermanometer gemessen. Die ermittelten Werte ließen daher auch an Genauigkeit zu wünschen übrig, meint Professor Dr. Ulrich Gleichmann vom Herzzentrum NRW in Bad Oeynhausen. Das hat zwei Gründe: Erstens werden oft Fehler beim Messen gemacht, und zweitens beinhaltet die Messung nach Korotkow per se gewisse Abweichungen gegenüber einem blutig gemessenen Blutdruck.


Die Korotkow-Methode ist laut Gleichmann deshalb auch für die Standardmessung überholt. Eingesetzt werden sollten oszillometrisch arbeitende Systeme, und zwar am besten als vollautomatische Messung, da dann am ehesten zuverlässige Werte ermittelt werden. Das aber gilt auch nur begrenzt, denn Effekte wie die "WeißkittelHypertonie" sind gut bekannt. Andere Patienten – etwa Manager – reagieren laut Gleichmann durch die Zeit im Wartezimmer mit einer Absenkung des Blutdrucks, auch bei ihnen wird man keine repräsentativen Werte erhalten. Das erklärt, warum in jüngster Zeit der Selbstmessung so große Bedeutung zugemessen wird. Sie hat gegenüber der 24-Stunden-Blutdruckmessung den Nachteil, daß nachts keine Werte erhoben werden. Andererseits kann der Patient tagsüber praktisch zu jeder Zeit und in jeder Situation bestimmen, wie hoch sein aktueller Blutdruck ist.


Allerdings ist auch die Selbstmessung nicht unproblematisch, und auch bei ihr gibt es Fußangeln. So muß der Patient gut instruiert und mit einem geeigneten Blutdruckmeßgerät versorgt werden. Denn laut Professor Dr. Manfred Anlauf (Bremerhaven) liefern unterschiedliche Meßgeräte recht unterschiedliche Blutdruckwerte, so daß Kontrollen in der Praxis unerläßlich sind. Konkret könnte das so aussehen: Der Arzt hält einige der gängigen Modelle zur Selbstmessung vor, die individuell erprobt werden. Der Patient besorgt sich das für ihn am besten geeignete System, und in der Praxis wird mit diesem Gerät dann nochmals kontrolliert, inwieweit die erhaltenen Werte korrekt sind. So wäre nach Anlauf eine optimale Versorgung mit möglichst realistischen Werten vorstellbar. Christine Vetter

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