ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2000Melagatran: Demnächst das erste orale Antikoagulans

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Melagatran: Demnächst das erste orale Antikoagulans

Dtsch Arztebl 2000; 97(43): A-2872 / B-2456 / C-2281

Wehr, Alexander

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LNSLNS Die Möglichkeiten der postoperativen Thromboseprophylaxe werden sich demnächst entscheidend verbessern. Dann nämlich, wenn im Verlauf des kommenden Jahres der erste oral wirksame Thrombinantagonist auf den Markt kommen wird. Mit dem ersten oral verfügbaren Thrombinantagonisten mit der Bezeichnung H 376/95 wird seit 50 Jahren erstmals ein neues, innovatives Antikoagulans zur Prävention der tiefen Beinvenenthrombose zur Verfügung stehen.
Bisher sind Kumarinderivate die einzig verfügbaren, oral wirksamen Antikoagulanzien. „Wegen seiner zentralen Rolle im Thrombogeneseprozess ist aber Thrombin das ideale Ziel für eine neue antikoagulatorisch wirksame Substanz“, erklärte J. Weitz (Ontario/Kanada). Wenngleich reversible Thrombinantagonisten wie Bivalirudin oder Hirudin ebenfalls effektiv sind, können diese beiden Substanzen nicht oral verabreicht werden.
Mit Melagatran (Astra Zeneca), der biologisch aktiven Komponente von H 376/95, werde demnächst ein Wirkstoff erhältlich sein, der in ausreichendem Maße gastrointestinal resorbiert wird und somit ein günstiges pharmakokinetisches Potenzial aufweist, so Weitz. Über erste klinische Resultate berichtete der Orthopäde B. Eriksson (Göteborg), der die Ergebnisse einer Multizenterstudie (METHRO-II-Studie) vorstellte, an der 1 916 Patienten aus über 13 europäischen Ländern beteiligt waren. Bei zwei Drittel der Patienten wurde ein neues Hüftgelenk, bei dem restlichen Drittel ein neues Kniegelenk implantiert. Die Patienten erhielten entweder Melagatran (zunächst subkutan, dann oral) in ansteigender Dosierung oder 5 000 IE Dalteparin einmal täglich.
Wie Eriksson sagte, kam es unter Melagatran im Vergleich zu Dalteparin zu einer hoch signifikanten und dosisabhängigen Reduktion thromboembolischer Ereignisse wie einer tiefen Beinvenenthrombose. Diese Effekte konnten die Untersucher sowohl bei den Patienten mit Hüftgelenks- (p < 0,0001) als auch Kniegelenksoperation (p = 0,0014) beobachten.
Aus klinischer Sicht ist dabei wichtig, dass es unter der Therapie mit Melagatran nicht zu einem Anstieg ungewollter und klinisch relevanter Blutungsepisoden gekommen war. Wie Eriksson resümierte, legen vor allem die Resultate der METHRO-II-Studie nahe, dass mit Melagatran, der aktiven Form von H 376/95, ein hoch effektiver Wirkstoff zur Prophylaxe der tiefen Beinvenenthrombose zur Verfügung steht, der seine Wirksamkeit vor allem bei orthopädischen Interventionen unter Beweis gestellt hat. Alexander Wehr
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