ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2000Aktienmarkt: Auf Messers Schneide

VARIA: Schlusspunkt

Aktienmarkt: Auf Messers Schneide

Dtsch Arztebl 2000; 97(43): [64]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Bitte anschnallen“ ist der beste Rat, den stressgeplagte Aktionäre im Moment brauchen können. Die Aktienkurse flattern dermaßen bedenklich, dass durchaus von realen Crashgefahren gesprochen werden kann.
Der vergangene Mittwoch war so ein Tag, der vielen Anlegern den blanken Angstschweiß auf die Stirn trieb. Der Dow Jones Industrial Index fiel um 400 Punkte unter die Zehntausendermarke, die US-Technologiebörse Nasdaq kollabierte fast zweistellig, der deutsche Nemax sauste auch um sieben Prozentpunkte in die Tiefe, und selbst der gewichtige DAX fiel drastisch. Wen wundert es, dass der Euro bei diesem Krisenszenario mit einem Kurs von 85,50 gegen den Dollar ebenfalls negativ auffiel.
Wenn auch der globale Ausverkauf zum Schluss der Börsensitzung etwas abgefedert wurde, so bleibt doch festzuhalten, dass sich die Finanzmärkte in einem äußerst labilen Terrain bewegen.
Bei Einzelwerten sind die Ausschläge noch viel dramatischer. Ein markantes Beispiel von vielen: Girindus AG. Das Biotechnologieunternehmen kündigte an, statt eines Umsatzes von 43 nur 26 Millionen Mark zu erzielen, und mal so nebenbei sei auch ein Verlust von 5 Millionen Mark zu erwarten. Man mag sich über die Prognosequalität dieses Unternehmens einiges denken, die Börse
jedenfalls quittierte dieses schlimme Eingeständnis mit einer Kurshalbierung in einer einzigen Börsensitzung. Aber selbst Blue Chips wie etwa IBM werden, wenn es sein muss, gnadenlos fallen gelassen. Die US-Aktie verlor nahezu 25 Prozent in zwei Tagen, weil die Umsätze „nur“ um drei Prozent auf 21,8 Milliarden Dollar gestiegen waren, die Börsianer aber eben einfach bessere Zahlen erwartet hatten.
Wenn Kurssprünge so dramatisch auffallen, gilt es, auf der Hut zu sein. Viele Unternehmen werden weiter mit enttäuschenden Zahlen aufwarten und Gewinnwarnungen aussprechen. Das explosive Gemisch aus Inflationsängsten und steigenden Ölpreisen, der fragilen Lage im Nahen Osten und den massiven Kursverlusten speziell bei Telekommunikationsaktien (Telekom, T-Online) zeigt, dass die Märkte wirklich auf Messers Schneide stehen. Erstaunlich nur, dass es nachher mal wieder alle gewusst haben wollen, auch die, die vollmundig zum Einstieg getrommelt haben. So ungerecht geht es halt zu in der Börsenwelt.
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