ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Krankenhäuser: Integrationsdrang

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Krankenhäuser: Integrationsdrang

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): A-2885 / B-2453 / C-2297

Clade, Harald

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LNSLNS Die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) will mit den „Grundsatzpositionen zur Weiterentwicklung im Gesundheitswesen“ die Krankenhäuser neu positionieren und die zentrale Stellung des stationären Sektors in der „künftigen gesundheitlichen Versorgung“ reklamieren. Allerdings sind die DKG-Forderungen nicht grundsätzlich neu. Das Positionspapier wurde schon 1998 vorgelegt und inzwischen zweimal durch den Vorstand der Krankenhausgesellschaft revidiert. Insidern konnten die Differenzen nicht verborgen bleiben. So setzte die Hessische Krankenhausgesellschaft mit ihren gesundheitspolitischen Vorschlägen vom Sommer dieses Jahres einen Kontrapunkt; die Hessen gaben die Losung von mehr Wettbewerb und Marktwirtschaft aus.
Die DKG hingegen gibt sich weniger progressiv und in einigen Positionen eher ausweichend. Befürwortet wird ein verstärkter Leistungs- und Qualitätswettbewerb „mit Augenmaß“. Künftig müssten sowohl medizinische als auch ökonomische Kriterien in einem ausgewogenen Verhältnis Bemessungsgrundlage für die Ausgaben im Gesundheitswesen sein.
Dies ist eine bei den Leistungserbringern im Gesundheitswesen unbestrittene These. Wie dies in der praktischen Politik und im Klinikalltag realisiert werden kann – unter Beachtung des politisch unverändert verfochtenen Gebots der Beitragssatzstabilität –, bleibt offen. Die als „Finanzierungsalternativen“ offerierten Vorschläge sind längst diskutiert und werden weitgehend goutiert – auch von der Opposition im Bundestag: Ausweitung der Beitragsbemessungsgrundlage auf andere Einkommensarten, Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, Festschreibung des Arbeitgeberbeitrags und Ausschluss versicherungsfremder und -ferner Leistungen. Ungebremst ist der Expansionsdrang der Krankenhauslobby in Richtung „integrierter Dienstleistungszentren mit umfassender Vermittlungs- und Koordinierungsfunktion“. Diese Forderung ist identisch mit der bisherigen Wunschvorstellung, Krankenhäuser in allumfassende Gesundheitszentren umzufunktionieren – ungeachtet der Tatsache, dass die Aufgabenfülle der Krankenhäuser als letzte Stufe der gesundheitlichen Versorgungskette mit den derzeitigen Budgets ohnedies nicht zu bewältigen ist.
Welche finanziellen und personellen Mittel müssten dann der „Integrationsmacht Krankenhaus“ zur Verfügung gestellt werden, wenn per Gesetz ein „indikationsbezogener Zulassungsanspruch für ambulante Leistungen im Krankenhaus ohne Überweisung“ geschaffen wird? Ein solcher Einsatzradius kann auch nicht in einem gegenfinanzierten Fallpauschalsystem (DRG) ab 2003 verkraftet werden. Dr. rer. pol. Harald Clade
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