ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Politischer Stil: Bodenlos, oder?

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Politischer Stil: Bodenlos, oder?

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): A-2885 / B-2453 / C-2297

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Gerade in der Politik werden, wie aber auch sonst im Leben, allzu oft persönliche Angriffe gestartet, wenn die Argumente nicht reichen. Und Politiker brauchen schon ein dickes Fell, um so etwas zu ertragen. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer hat dieser Tage im Spiegel (Heft 43) über ihre einschlägigen Erfahrungen und wie sie damit fertig wird geplaudert.
In der Tat ist Fischer nicht selten Zielscheibe geschmackloser Bemerkungen, in kleinem Kreis und in aller Öffentlichkeit. Das zeugt vom Hochmut der Pharisäer und von schlechtem politischen Stil. In demselben Spiegel-Gespräch tröstet sich Fischer damit, ihrem Vorgänger Horst Seehofer sei es, was die Ärzte angehe, nicht besser ergangen. Der frühere Bundes­ärzte­kammerpräsident, Karsten Vilmar, habe von Seehofer gesagt, mit dem Mann rede er nicht, der habe ja nicht mal Abitur. Fischers Kommentar dazu: „Das ist doch bodenlos, oder?“
Eine solche Abqualifizierung von Horst Seehofer, diesem klugen und unvergleichlich sachkundigen Politiker, wäre tatsächlich bodenlos – allerdings hat sich Vilmar nie derartig geäußert. Frau Fischer verwechselt da das eine oder andere. Auf einem Deutschen Ärztetag hat einmal ein Delegierter derart getönt; solche peinlichen Exemplare gibt es halt auch unter ärztlichen Berufspolitikern. Vilmar wies den Betreffenden zurecht.
Über den wahren Hergang wurde Frau Fischer informiert. Sie hat sich bis heute weder im Allgemeinen noch gegenüber Vilmar entschuldigt. Das ist gleichfalls kein guter Stil, oder? Norbert Jachertz
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