SPEKTRUM: Leserbriefe

EBM: Vermeidbar?

Weisner, Eckhard

Zu dem Artikel über das Redaktionsgespräch mit Dr. med. Klaus-Dieter Kossow über EBM, Haus- und Facharzt "Das Kind schütteln, bis es trocken ist . . ." in Heft 31?32
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LNSLNS Herr Kollege Klaus-Dieter Kossow, nicht unerfahren in der kassenärztlichen Selbstverwaltung, stellt in seinem Beitrag einige Thesen auf, die aus Sicht einer Landes-KV auch einmal öffentlich gewertet werden müssen. Er behauptet, das Desaster um den neuen EBM wäre vermeidbar gewesen, wenn die Landes-KVen mutig ihrer Verantwortung gerecht geworden wären und nur stramm gehandelt hätten.
Zur Sache:
1. Eine strenge Wirtschaftlichkeitsprüfung hätte dafür gesorgt, daß es keine Probleme gäbe. Die KV SchleswigHolstein hat unter dem Druck der KBV die Wirtschaftlichkeitsprüfung und die sachlich-rechnerische Prüfung der Abrechnung I/1996 im Vergleich zu früher etwa um den Faktor 20 gesteigert. Ganz abgesehen von der noch nicht absehbaren Rechtssicherheit dieser Maßnahmen und der innerärztlichen Probleme bis hin zu einer enormen, auch psychischen Belastung unserer Mitarbeiter, bringen diese Maßnahmen eine Einsparung von rund 3 Prozent der Gesamtvergütung. Im Gegensatz zu der mutigen These vom Kollegen Kossow behebt das gerade einmal circa 10 Prozent des Punktwert-Schadens. Plädiert der Vorsitzende des Hausärzteverbandes für noch viel weitergehende Prüforgien?
2. Er hätte locker in einer Woche geduldiger Strukturausschußarbeit aus jedem, also auch aus diesem, EBM über einen Honorarverteilungsmaßstab eine Vergütungsregelung gebastelt, die er braucht. So etwas im Brustton der Überzeugung zu verkünden, ist schon mehr als überheblich. Tatsache ist, daß man eine solide und halbwegs rechtssichere HVM-Regelung nur auf einem stabilen EBM-Gerüst einführen kann. Ein EBM, der sich fast wöchentlich ändert und dessen Weiterentwicklung täglich mit mehr Fragezeichen (selbst von Mitgliedern des KBV-Vorstandes) versehen wird, ist kein Fundament, auf dem man eine vernünftige HVMRegelung aufbauen kann.
3. Abenteuerlich wird der Kossowsche Vorschlag zur Bewältigung der EBM-Krise 1996. Würde er doch bedeuten, daß wir rückwirkende HVM-Regelungen hätten einführen sollen, die mit Sicherheit schlicht rechtswidrig sind. Wir hatten uns in Schleswig-Holstein im Herbst 1995 überlegt, welche Risiken der neue EBM haben könnte, und übereinstimmende Meinung war, daß es vorrangig ein Fallzahlrisiko geben könnte. Wir haben dann eine HVM-Regelung entworfen, die darauf abstellte, sie aber nicht eingeführt. Richtigerweise, denn die Fallzahlentwicklung war überhaupt nicht das Problem des EBM 1996, sondern die massive Punktzahlvermehrung. Dieses belegt eigentlich sehr gut, daß Spekulationen auch keine Basis für valide HVMRegelungen sind.
Schließlich eine Bemerkung zum Länderausschuß: Der Länderausschuß ist nach Satzung der KBV ein beratendes Organ. Es hat im Länderausschuß genügend Anregungen, Mahnungen und Proteste gegen das alles andere als professionelle Krisenmanagement der KBV in Sachen EBM 1996 gegeben. Der Vorstand der KBV hat es zur Kenntnis genommen, aber weitestgehend nicht danach gehandelt. Die Verantwortung für die heutige Situation trägt er, nicht der Länderausschuß und nicht die Landes-KVen. Sie sind überhaupt nicht in der Lage, eine fehlerhafte Gebührenordnungspolitik rechtssicher im vorhinein oder rechtsunsicher im nachhinein zu korrigieren.
Dr. med. Eckhard Weisner,
1. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, Bismarckallee 1-3, 23795 Bad Segeberg
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