ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Organspende: Hirntote sind Sterbende

SPEKTRUM: Leserbriefe

Organspende: Hirntote sind Sterbende

Gorynia, Inge

Zum Eröffnungsreferat des 99. Deutschen Ärztetags "Konzentration auf das unbedingt Notwendige" durch den Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer Dr. Karsten Vilmar, speziell zu dem Kapitel "Organspende ein Akt der Nächstenliebe" in Heft 25/1996
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LNSLNS Für mich sind die Ermahnungen, die anläßlich des 50. Jahrestags des Nürnberger Ärzteprozesses ausgesprochen wurden, Richtschnur meines Handelns . . . Auch aus Achtung vor der Würde des Menschen und aus christlicher Nächstenliebe möchte ich als Ärztin und Neurophysiologin, in Übereinstimmung mit anderen Kollegen und mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Fraktionen, zum wiederholten Male darauf hinweisen, daß Hirntote nicht "Tote", sondern "Sterbende" sind, und widerspreche somit der Meinung des Präsidenten der BÄK, Dr. Karsten Vilmar. Es sollte die Autorität eines Amtes nicht dazu benutzt werden, die eigene Meinung und insbesondere die der Transplantationsmediziner in den Vordergrund zu rücken und die der Gegenseite verzerrt darzustellen. Bezüglich der zahlreichen Argumente (dafür und dagegen) verweise ich auf das Plenarprotokoll 13/99 vom 19. April 1996 der 99. Sitzung des Deutschen Bundestags. Hier wird die kontroverse Diskussion zu diesem Thema quer durch alle Fraktionen deutlich.
Zu Unrecht werden die Kritiker des Hirntodkriteriums oft mit Transplantationsgegnern gleichgesetzt. Zugunsten einer sachlichen Diskussion des Hirntodes sollte die Hirntodproblematik von der verständlichen Not der Transplantationsmedizin getrennt werden.
In diesem Sinne wäre es wünschenswert, wenn es der Transplantationsmedizin gelingt, neue Wege zu gehen, so wie es zum Beispiel bereits in den Niederlanden erfolgreich praktiziert wurde.
Dr. med. Inge Gorynia, Universitätsklinik für Psychiatrie/Charité, 10098 Berlin
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