ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Klinisches und sonographisches Screening der Säuglingshüfte: Derzeitiges Screening nicht effizient

MEDIZIN: Diskussion

Klinisches und sonographisches Screening der Säuglingshüfte: Derzeitiges Screening nicht effizient

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): A-2952 / B-2505 / C-2349

Reither, Marbod

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Fritz U. Niethard Priv.-Doz. Dr. med. Klaus-Peter Günther Prof. Dr. med. Rüdiger von Kries Dr. phil. Peter Allhoff Dr. rer. soc. Lutz Altenhofen in Heft 23/2000
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LNSLNS Auch ohne großen statistischen Aufwand ist es möglich, folgende Feststellungen jetzt schon zu treffen. Das Hüftsonographie-Screening ist kein eigentliches Screening und wird es in der bisherigen Form auch nie werden. Aufgrund des Untersuchungszeitpunkts in der vierten bis sechsten Lebenswoche wird es nie so flächendeckend durchgeführt, wie dies im Rahmen der U2 kurz vor Entlassung aus der geburtshilflichen Klinik möglich wäre.
Bei exakter Untersuchungstechnik sind Kontrolluntersuchungen zu einem späteren Zeitpunkt weitestgehend zu vermeiden. Stichprobenartige Befundmitteilungen aus niedergelassenen Praxen weisen darauf hin, dass auch Sensitivität und Qualität der Untersuchungen vielfach nicht den Erfordernissen eines Screening entsprechen und unnötige Kontrolluntersuchungen, unnötige Spreizhosenbehandlung und unnötige Verunsicherung der Eltern resultieren.
Die eingangs geschätzten Kosten eines Hüftsonographie-Screening liegen deutlich über den zunächst angenommenen Werten und dürften somit in einem viel ungünstigeren Verhältnis zu den Kosten stehen, die für die konservative beziehungsweise operative Behandlung spät erkannter Hüftgelenkdysplasien entstünden. Die eigene Erfahrung von jetzt 17 Jahren Hüftgelenksonographie bei Säuglingen und Kleinkindern zeigt, dass bei einer normalen somatischen Entwicklung des Kindes nicht damit zu rechnen ist, dass eine eingangs als normal befundete Hüfte im weiteren Verlauf pathologisch wird.
Dass es dennoch eine beträchtliche Anzahl später pathologisch werdender Hüftgelenke geben soll, ist meines Erachtens entweder einer nicht ausreichenden klinischen Untersuchung beziehungsweise einer unqualifiziert durchgeführten Hüftgelenksonographie anzulasten. Es ist damit zu rechnen, dass aus Qualitäts- und Kostengründen das Hüftsonographie-Screening in der bisherigen Form abgeschafft wird. Besser wäre es, diese Untersuchung im Sinne eines echten Screening durchzuführen und nach den Kriterien eines Screening strenger zu kontrollieren, um den zweifellos gegebenen Nutzen der Hüftgelenksonographie möglichst allen Säuglingen zukommen zu lassen.

Prof. Dr. med Marbod Reither
Abteilung für Kinderradiologie
Kinderkrankenhaus Park Schönfeld
Frankfurter Straße 167
34121 Kassel

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