ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Schloss Gottorf: Kunst in ehemaligen Stallungen

VARIA: Feuilleton

Schloss Gottorf: Kunst in ehemaligen Stallungen

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): A-2954 / B-2506 / C-2350

Paul, Christiane

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LNSLNS Ein Jubiläum der besonderen Art wird auf der Schleswiger Museumsinsel gefeiert.

Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf eröffnete vor 50 Jahren Museen auf der Schlei-Insel. Bedeutende Sammlungen zur Kunst, Kultur und Archäologie in Nordeuropa beherbergt das renovierte Renaissance- und Barockbauwerk mit ehemaligen Stall- und Exerziergebäuden.
Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte präsentiert Werke vom 11. bis zum 20. Jahrhundert. Von der gotischen Skulptur, über die Malerei aus der Renaissance, Barock und Biedermeierzeit ist alles vertreten. Sehenswert ist die umfangreiche Jugendstil-Abteilung mit Möbeln, Vasen und Geschirr aus Glas und Porzellan sowie zahlreichen Gemälden.
Im ehemaligen Exerzierhaus zeigt das Archäologische Landesmuseum die Ausstellung „Nydam und Thorsberg – Opferplätze der Eisenzeit“. Erstmals wird durch Leihgaben aus dänischen, französischen und deutschen Museen der berühmte Fund aus dem Thorsberger Moor fast vollständig rekonstruiert.
Die Objekte, zu denen die typischen Waffen wie Speere, Lanzen, Pfeile und persönliche Gegenstände der Krieger gehören, stammen aus dem 3. und 4. Jahrhundert. In einer Vitrine liegt eine vollständig erhaltene Tunika, die deutliche Zerstörungsspuren durch Waffen aufweist, und eine lange Hose aus eher feinem Diamantkörpergewebe.
Die verschiedenen Arten der Verwundungen, die durch die damaligen Kriegswaffen entstanden, sind in Kurzform nachzulesen. Aus dem Moor stammt auch das älteste, erhaltene, hochseetüchtige Ruderboot der Germanen, das 22,84 m lange und 3,50 m breite Nydam-Boot. Es wurde um 320 n. Chr. in Klinkerbauweise mit Eisennieten zusammengefügt.
In den Räumen des Kreuzstalls präsentiert sich die Kunst des Expressionismus mit der zweitgrößten Sammlung der Brücke-Maler aus der Sammlung Hermann Gerlinger. Eine interessante Ausstellung, die noch bis zum 5. November zu sehen ist, widmet sich einem bislang wenig beachteten Aspekt: „Frauen in Kunst und Leben der Brücke“. Die Modelle und Lebenspartnerinnen der Maler, wie Siddi Heckel, Emy Schmidt-Rottluff oder Erna Schilling, dokumentieren über Jahre hinweg das Leben, das Bild und die Rolle der Frau. Mit den internationalen Leihgaben aus Privatbesitz, die nur selten zu sehen sind, erhält diese Ausstellung eine besondere Bedeutung.
Eine große Abteilung der modernen Kunst beherbergen die ehemaligen Stallungen: die Sammlung und Stiftung von Rolf Horn. Künstler wie Christian Rohlfs, Emil Nolde, Max Pechstein sind mit Werken auch aus den frühen Epochen vertreten, so zum Beispiel einige Ölgemälde von Emil Nolde. Im Ernst-Barlach-Kabinett hängt einer von drei Abgüssen des „Schwebenden“ Engels vom Güstrower Ehrenmal. Eine faszinierende Wirkung geht von dieser „fliegenden“ Bronzefigur aus.
Auf dem Gelände der Insel ist die Rekonstruktion des barocken „Neuwerk-Gartens“ und des Gottorfer Globusses geplant. Beides ist nur möglich durch die finanzielle Hilfe von der Zeit-Stiftung, der Reemtsma-Stiftung und weiteren Sponsoren, die noch gesucht werden. Die Pläne für die Gartenanlage mit vielen außergewöhnlichen Pflanzen befinden sich in den Archiven. Vom Riesenglobus, der im 16. Jahrhundert entstand, gibt es keine Konstruktionspläne. Bei seinem Durchmesser von drei Metern bot er im Inneren bis zu 12 Sitzplätze. Der Globus steht in St. Petersburg und brannte dort zweimal aus. Die Pläne für den Nachbau sollen von diesem Exemplar abgeleitet werden. Christiane Paul


Das Schloss Gottorf in Schleswig hat von November bis Februar täglich außer montags von 9.30 bis 16 Uhr geöffnet. Von März bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr. Telefon: 0 46 21/8 13-2 22.
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