ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Akute Koronarsyndrome: Biochemische Marker finden Risikopatienten

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Akute Koronarsyndrome: Biochemische Marker finden Risikopatienten

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): A-2961 / B-2384 / C-2145

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LNSLNS Da es sich bei Patienten mit instabiler Angina pectoris um ein sehr heterogenes Kollektiv handelt, bedarf es für die Entscheidung, ob nach Ausschluss eines Myokardinfarkts ein aggressives Akutmanagement unter Einbeziehung eines GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten erforderlich ist, einer sorgfältigen Risikostratifikation. Jedoch erlaubten Kriterien wie Anamnese, Schwere/Dauer der Angina-pectoris-Symptomatik, Alter und EKG-Veränderungen nur in schätzungsweise der Hälfte der Fälle eine korrekte Einschätzung der Prognose, umriss Prof. Marcello Galvani (Forli/Italien) das Problem.
Ob biochemische Marker eine höhere beziehungsweise zusätzliche prädiktive Aussagekraft haben, wurde erstmals systematisch untersucht. Galvani stellte bei einem Symposium von MSD Sharp & Dohme im Rahmen der 12. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie in Amsterdam erste Ergebnisse der EMAI*-Studie vor. Die wesentlichen Bedingungen für die Teilnahme waren anhaltende/rezidivierende Brustschmerzen innerhalb der letzten zwölf Stunden und das Fehlen einer auf einen kompletten Koronarverschluss hinweisenden persistierenden ST-Streckenhebung im EKG.
Nach der Notfalleinweisung wurde das Blut der 1 200 Patienten untersucht in Hinblick auf:
- eine Aktivierung des hämostatischen Systems: D-dimer, F1+2 (Prothrombin- Fragmente), TAT (Thrombin-Antithrombin-Komplex),
- entzündliche Prozesse – CRP (C-reaktives Protein),
- myokardiale Mikroembolien/-nekrosen (Troponin I, Troponin T).
Bei allen Tests korrelierten positive Ergebnisse mit der Ereignisrate innerhalb der nächsten 30 Tage. Das relative Risiko (RR) dieser Patienten für Myokardinfarkt oder Tod lag zwischen 1,4 und 2,0. Welche Biomarker für die Praxis besonders relevant sind, zeigte das Ergebnis der multivariaten Regressionsanalyse. Dafür hatte man das Studienkollektiv anhand eines Scores, der klinische, anamnestische und elektrokardiographische Faktoren berücksichtigte, in eine Hoch- (Ereignisrate 19 Prozent), Mittel- (Ereignisrate sieben Prozent) und Niedrigrisikogruppe (Ereignisrate zwei Prozent) eingeteilt.
Bei der Hochrisikogruppe erlaubte keiner der Biomarker eine weitere Differenzierung. Hoch prädiktiv erwies sich dagegen bei Studienteilnehmern mit mittlerem Risiko ein pathologischer Troponin-Spiegel (RR 2,15). Bei diesen Patienten hält Galvani ein aggressives antithrombozytäres Akutmanagement unter Einschluss eines GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten wie Tirofiban (Aggrastat®) für erforderlich.
Dies entspricht auch den Leitlinien der europäischen und amerikanischen kardiologischen Fachgesellschaften zur Behandlung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom. In den publizierten Neufassungen wird der Einsatz von GP-IIb/IIIa-Rezeptorantagonisten empfohlen (zusätzlich zum bisher üblichen Standardmanagement) und auch der Troponin-Test als mit den etablierten klinischen Parametern gleichberechtigte Methode zur Risikostratifizierung aufgeführt. Gabriele Blaeser-Kiel



*EMAI = Early Prognostic Value of
Biochemical Markers of Myocardial
Damage, Activation of Hemostatic Mechanism and Inflammation in Acute Ischemic Syndromes
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