ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2000Aktienmarkt: Flau am Bau

VARIA: Schlusspunkt

Aktienmarkt: Flau am Bau

Dtsch Arztebl 2000; 97(44): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS In manchen Anlegermagazinen und Bankstudien tauchen immer wieder Bauaktien als interessantes Investment auf. Das Kursgewinnverhältnis (KGV) sei dermaßen niedrig, dass langsam an einen Einstieg zu denken sei. Überdies wäre die Zeit sowieso sehr günstig, da Ak-
tien aus dem Baugewerbe teilweise auf mehrjährigen Tiefstständen lägen. Also jetzt wirklich einsteigen?
Nach der Beinahepleite bei Philipp Holzmann und einer Reihe von Gewinnwarnungen innerhalb der Branche haben verständlicherweise viele Anleger Angst, sich die Finger an solchen Werten zu verbrennen, wenn sie es nicht schon längst getan haben. Nahezu die gesamte Palette der Bauaktien liegt neben der Kappe, seit Jahresbeginn haben Bilfinger & Berger 41,5 Prozent verloren, Philipp Holzmann fast die Hälfte seines gesamten Börsenwertes, und Plet-
tac notieren mit minus 35,1 Prozentpunkten auch ziemlich mies.
Also, der Markt ist ziemlich angeschlagen, gar keine Frage. Vor rund zwei Monaten wurde der (vorläufige) Tiefpunkt erreicht. Am 6. September überraschte Hochtief, die Nummer eins der Branche, die Investoren und Analysten mit einer satten Gewinnwarnung für das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen erwarte nur noch halb so viel an Erträgen wie im Vorjahr. Schuld sei die schlechte deutsche Konjunktur.
Das Misstrauen gegen deutsche Bauwerte wurde nach diesem Eingeständnis verständlicherweise weiter geschürt, zumal auch andere Unternehmen wie beispielsweise Dywidag über flaue Geschäfte berichteten.
„Kaufe bei schlechten Nachrichten“, glaubt eine Börsenweisheit angemessen zu raten. Eine andere aus Amerika wiederum rät, nicht in ein offenes Messer zu investieren (Never catch a falling knife).Was aber gilt nun?
Es kann gut sein, dass bei ausgeprägten Branchenrotationen, wie sie an den Finanzmärkten durchaus gang und gäbe sind (heute Chemie, morgen Banken, übermor-gen Technologie), irgendwann auch die Bauwerte wieder dran sind. Doch das ist
eine unsichere Aussage, zu vage vermutlich.
Sicher scheint aber, dass Selektion dringend nötig ist. Auf die Großen der Branche wie Philipp Holzmann und Hochtief würde ich nach wie vor keinen Pfifferling setzen. Wenn wirklich eine Bauaktie ins Depot muss, hielte ich Bilfinger & Berger und erst recht Dyckerhoff Vorüge für die bessere Wahl.
Wichtig ist gleichwohl und vor allem das richtige Timing. „Mit den Temperaturen fallen die Kurse im Winter und erwärmen sich im Sommer“, lautet eine alte Börsenregel. Kann aber gut sein, dass
Abweichungen von dieser Erfahrung möglich sind, wer weiß es schon genau. Mutige vor!
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