ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Klinikärzte: Handlungsdruck

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Klinikärzte: Handlungsdruck

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-2965 / B-2509 / C-2353

Clade, Harald

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LNSLNS Bei seiner 98. Haupt­ver­samm­lung am vergangenen Wochenende in Berlin stellte der Marburger Bund (MB) fest, dass die Bundesländer den Investitionsstau im Krankenhausbau in Höhe von acht bis zehn Milliarden DM abbauen müssten, um den Krankenhäusern in der Vorbereitungszeit bis zum Jahr 2003 Gelegenheit zu geben, Strukturverwerfungen und die bisher überwiegend durch die Unterfinanzierung bedingten Kostenstrukturen rasch an die neue Ausgangssituation anzupassen. Allerdings warnt der MB davor, ein im Ausland funktionierendes System im Hauruck-Verfahren aufzupfropfen. Auch müssten durch Zu- und Abschläge die Unterschiede zwischen den Uniklinika mit Hochleistungsmedizin und der flächendeckenden Akutversorgung durch Krankenhäuser der Grund- und Regelversorgung abgefangen werden. Risiken berge das DRG-System auch insoweit, als dieses flächendeckend für alle Krankenhausleistungen und alle Kliniken – mit Ausnahme der Psychiatrie – ab dem Jahr 2003 gelten und zumindest im Startjahr budget- und damit kostenneutral umgesetzt werden soll. Entscheidend ist das Jahr 2001, das der MB zum „Jahr der Dokumentation“ und der Verifizierung der Istkosten-Rechnung ausgerufen hat. Sämtliche Überstunden und unentgeltlich geleistete Mehrarbeit müssten exakt kalkuliert und in den Stellenplänen berücksichtigt werden, denn sonst liefen die Klinikärzte Gefahr, sich selbst wegzurationalisieren. Nur auf einer stimmigen Istkosten-Kalkulation fußend und wenn alle stationär versorgten Krankheitsbilder zu leistungsgerechten Preisen kalkuliert werden, könne eine flächendeckende stationäre Versorgung aufrechterhalten werden.
Mehr Transparenz und Leistungspreise bedingten aber, dass die zu eng bemessenen Krankenhausbudgets suspendiert werden. Jedenfalls dürfe die DRG-Implementierung nicht dazu missbraucht werden, die knappen finanziellen Mittel auf das einzelne Krankenhaus „herunterzubrechen“ – ein Teufelskreis, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt.
Als überfällig hat der MB das Urteil des EuGH (vom 3. Oktober) begrüßt, den Bereitschaftsdienst der Ärzte als Arbeitszeit und nicht mehr als Ruhezeit zu definieren. Unaufschiebbarer Handlungsdruck laste deshalb auf der Politik, dem Gesetzgeber und vor allem den öffentlichen Arbeitgebern, die Auswüchse bei den schier unmenschlichen und versorgungsabträglichen Arbeitszeiten abzustellen. Die Regelung, die in Deutschland auch für Ärzte in der Weiterbildung gilt, erfordert krankenhausspezifische Arbeitszeitregelungen und Änderungen des BAT. Das Mehr an Leistungen müsse zu einer höheren Vergütung oder einem adäquaten Ausgleich durch Freizeit führen. Dr. rer. pol. Harald Clade
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