ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Mykologie: Der Schimmelpilz – ein unliebsamer Mitbewohner

POLITIK: Medizinreport

Mykologie: Der Schimmelpilz – ein unliebsamer Mitbewohner

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-2990 / B-2531 / C-2250

Klinkhammer, Ferdinand

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LNSLNS Um Energiekosten zu sparen, werden heute Wärmedämmungsmaßnahmen vorgenommen, die dem Pilzbefall in Innenräumen Vorschub leisten.

Von zunehmender medizinischer Bedeutung im Hinblick auf allergische Erkrankungen ist die Prävalenz thermophiler Schimmelpilzspezies im Innenraumbereich, die signifikant höher ist als in Außenbereichen. Derartige Aeroplanktonbelastungen werden insbesondere durch Aspergillus fumigatus verursacht. Wie Dr. Dr. Axel Schmidt (Wuppertal) auf der 34. Wissenschaftlichen Tagung der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft in Berlin berichtete, ist in der Öffentlichkeit eine intensive Aufklärungsarbeit in Bezug auf Wärmedämmungsmaßnahmen dringend erforderlich.
Viele Hausbesitzer und Mieter haben wegen der rapide gestiegenen Heizkosten mit übertriebenen Maßnahmen zur Wärmedämmung bis hin zur hermetischen Abriegelung von Wohnungen einem Innenraumpilzbefall Vorschub geleistet. Es sollte deshalb bezüglich der baulichen Gegebenheiten auf vertretbare Dämmungsstrategien, Isolierungen, Raumluftzirkulationen und Verglasungen wegen der möglichen Auswirkungen auf das Schimmelpilzwachstum hingewiesen werden. Die Bewohner müssen über ein richtiges Lüftungsverhalten (kontinuierliches und keinesfalls intermittierendes Lüften) und über die Auswirkungen von Wasseranfall und Luftfeuchtigkeit, von Mobiliaraufstellung, Bodenbelägen und Hausstaubmilbenbelastung informiert werden.
Prof. Jochen Brasch (Kiel) ging davon aus, dass optische Aufheller, die in der Textilbehandlung genutzt werden, weil sie an Gewebefasern binden, UV-Licht absorbieren und durch ihre Fluoreszenz die Stoffe heller und strahlender erscheinen lassen, auch in der Mykologie eingesetzt werden. Sie binden an Chitin und werden deshalb zur Fluoreszenzfärbung von Pilzen eingesetzt. Aus der funktionellen Bedeutung des Chitins für die Zellwände der Pilze könnten sie deshalb durch ihre Interaktion mit Chitin auch das Wachstum der Pilze beeinflussen.
Zur Prüfung wurde je ein Stamm Trichophyton rubrum, Trichophyton mentagrophytes, Microsporum canis und Epidermophyton floccosum auf Sabouraud-Glucose-Agarplatten unter Zusatz von zwei optischen Aufhellern (Blankophor REU 133 Prozent und Blankophor BA 267 Prozent) kultiviert. Die Aufheller wurden in Konzentrationen von 10-2 mol/L bis 10-5 mol/L dem Nährboden zugesetzt, und nach Inkubation im Dunkeln bei 260 ºC wurden im zeitlichen Verlauf die Thallusdurchmesser im Vergleich zu Leerkontrollen gemessen.
Die Blankophore zeigten bei allen Stämmen eine konzentrationsabhängige Wachstumshemmung, die bei 10-2 vollständig oder nahezu vollständig war. Da die optischen Aufheller nicht toxisch sind, werden sie seit vielen Jahren in Waschmitteln und Appreturen in großen Mengen eingesetzt; Hautunverträglichkeiten wurden nicht beobachtet. Aus diesem Grund ist bei der Behandlung von Mykosen ein therapeutischer Einsatz denkbar.
Die Problematik der Therapie von Mykosen der Zehennägel sprach Volker Kunzelmann (Arzt aus Dessau) an. Drei bis zwölf Prozent der Bevölkerung leiden unter dieser Onychomykose, und trotz stetig verbesserter Therapiemöglichkeiten steigt die Zahl weltweit an. Hauptprobleme der Erkrankung sind Chronizität und Rezidivhäufigkeit. Auch durch mehrmalige systemische Behandlungen und durch kombinierten Einsatz von Lokalantimykotika ist bei 20 bis 40 Prozent der Patienten eine vollständige und dauerhafte Heilung nicht zu erzielen. Die Senkung der Erregerlast vor Therapiebeginn ist durch Entfernung der erkrankten Nagelsubstanz zu erreichen.
Dazu wurde in den vergangenen 25 Jahren der CO2-Laser eingesetzt unter Hinnahme von erheblichen postoperativen Beschwerden und einer langen Wundheilungsphase von durchschnittlich drei Wochen. Häufig kommt es zu Narbenbildung im Nagelbett und zu Nageldeformitäten. Mit deutlich besserer Wirkung setzte Kunzelmann die Erbium-YAG-Laserablasion ein, die es ermöglichte, erkranktes Nagelmaterial und infizierte Nagelbettschichten minimal invasiv vollständig zu entfernen. Diese Methode erlaubt es, in kompliziertesten Arealen (zum Beispiel in Nähe der Nagelmatrix, Yellow strikes, lateraler Nagelwall) in einer mit keinem bekannten Verfahren erreichten Weise, infiziertes Gewebe zu entfernen.
Gleichzeitig werden alle darin enthaltenen Pilzelemente (Hyphen, Sporen) zerstört. Die thermische Gewebsschädigung ist minimal, sodass postoperativ nur eine äußerst geringe Krustenbildung erfolgt und die Wundheilung bereits nach zwei Tagen abgeschlossen ist. Die Patienten haben nur geringe Schmerzen und bedürfen keiner Krankschreibung. Die ersten postoperativen Tage wurden für die Aufsättigung der neu gebildeten Nagelsubstanz mit Terbinafin oder Itroconazol genutzt. Diese Erbium-YAG-Lasermethode ist hervorragend für den Praxisalltag des Dermatologen geeignet. Dr. rer. nat. Ferdinand Klinkhammer


Wie ein Kunstwerk: die Schimmelpilzkulur auf Nähragar Foto: Dermatologische Klinik der Universität Bochum

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