ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Schweigepflicht: Unerträglich

BRIEFE

Schweigepflicht: Unerträglich

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-3007 / B-2330

Tönnies, Peter

Zu dem Beitrag „Grenzen der ärztlichen Schweigepflicht“ von Ref. jur. Dr. med. Markus Parzeller und Prof. Dr. med. Hansjürgen Bratzke in Heft 37/2000:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Mit Empörung habe ich das OLG-Urteil zur ärztlichen Schweigepflicht zur Kenntnis genommen. Die an uns Ärzte gerichteten juristischen Anforderungen sind offenbar kaum noch zu erfüllen. Dass sich ein Kollege, der in bester Absicht von seiner ärztlichen Schweigepflicht Gebrauch macht, dem Vorwurf der „rechtswidrigen und schuldhaften Verletzung von ärztlichen Pflichten“ ausgesetzt sieht, ist unerträglich. Wie soll man als verantwortungsbewusster Arzt prospektiv(!) erkennen können, in welchem Fall die ärztliche Schweigepflicht, deren Bruch strafbewehrt (§ 203 StGB) ist und auf deren Einhaltung Ärzte durch ihre Berufsordnung auch über den Tod ihrer Patienten hinaus verpflichtet sind, zu brechen ist? Im Vorhinein dürfte selbst ein vorsorglich konsultierter Jurist Schwierigkeiten haben, die im Urteil geforderte Güterabwägung in rechter Weise zu treffen. Da auch obergerichtliche Urteile naturgemäß subjektiven Einschätzungen unterliegen, wird rechtzeitiger juristischer Beistand ohnehin nicht weiterhelfen. Auf der Strecke bleibt letztlich das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.
Dr. med. Peter Tönnies, Am Kotten 62, 58285 Gevelsberg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema