ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Pflegeberufe: Kinderkrankenpflege gefährdet

BRIEFE

Pflegeberufe: Kinderkrankenpflege gefährdet

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-3010 / B-2543 / C-2262

Brodehl, Johannes

Zu der Meldung „Einheitliche Ausbildung – Vorschläge zur Reform des Krankenpflegegesetzes“ in Heft 38/2000:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS In der Nachricht wird nicht erwähnt, dass sich alle Verbände, die sich mit der Kinderkrankenpflege und den Kinderkrankenhäusern beziehungsweise -abteilungen befassen (BKK, BAKUK, GKind, AKIK, DAKJ, BVKJ, Vereinigung Leitender Kinderärzte und Kinderchirurgen), sowie mehr als 100 000 Eltern durch Unterschriften vehement gegen die generalisierte Ausbildung der Krankenpflege ausgesprochen haben. Eine generalisierte Ausbildung, in der alle Inhalte der allgemeinen Krankenpflege, der Altenpflege und Kinderkrankenpflege bis zum Abschlussexamen gelehrt werden, gefährdet die besonderen Aspekte der Kinderkrankenpflege. Dadurch wird der hohe Qualitätsstandard der speziellen Kinderkrankenpflege verloren gehen, und es besteht die Gefahr, dass die Kinderkrankenpflege als Berufszweig überhaupt geopfert wird. Denn welche Pflegekraft kann es sich nach einer drei- bis vierjährigen generalisierten Ausbildung noch leisten, eine „Weiterbildung“ in der Kinderkrankenpflege anschließend anzustreben? Darunter werden vor allem die Kinder und die Eltern leiden, die heute mit Stolz und Dankbarkeit auf den hohen Standard der Kinderkrankenpflege blicken. Entsprechende negative Erfahrungen liegen bereits aus der Schweiz vor. Das europäische Ausland, in dem es keine spezielle Kinderkrankenpflege gibt, beneidet uns mit Recht um den hohen Stand der Kinderkrankenpflege. Eine europäische Harmonisierung und vermehrte berufliche Flexibilität – dies sind die Hauptargumente der Befürworter einer generalisierten Krankenpflegeausbildung – dürfen nicht auf Kosten einer Qualitätsminderung in der Kinderkrankenpflege einhergehen. Dagegen sind die Kinderkrankenschwestern und
-pfleger durchaus offen für eine weitere Verbesserung in ihrer Ausbildung, zum Beispiel im Rahmen einer integrierten Ausbildung mit gemeinsamer Grundschulung in allen Bereichen.
Prof. Dr. med. Johannes Brodehl, F.R.C.P., Deutsche Akademie für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Mielenforster Straße 2, 51069 Köln
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema