ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Die somatoforme Schmerzstörung: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Die somatoforme Schmerzstörung: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-3030 / B-2581 / C-2390

Egle, Ulrich Tiber

zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Ulrich Tiber Egle Dr. med. Ralf Nickel Dr. med. Rainer Schwab Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Sven Olaf Hoffmann in Heft 21/2000
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LNSLNS Unser Beitrag über die „somatoforme Schmerzstörung“ hatte eine sehr große Resonanz: Bei vielen der knapp 100 Sonderdruck-Anforderungen gab es positive Rückmeldungen, insbesondere bezüglich der Orientierungshilfe für Diagnostik und Therapie, für die wir uns zunächst bedanken möchten. Zu den abgedruckten drei kritischen Diskussionsbeiträgen möchten wir wie folgt Stellung nehmen: Herr Kollege Meyer zu Schwabedissen scheint hinsichtlich der Berücksichtigung ätiopathogenetischer Faktoren Bedenken zu haben beziehungsweise betrachtet diese als spekulativ, da es dazu zahllose Erklärungsmöglichkeiten je nach Schule gebe. Unsere Absicht war es, genau deshalb die „Spreu vom Weizen zu trennen“, um die wissenschaftliche Basis für die Entwicklung störungsspezifischer Therapiekonzepte aufzuzeigen. Dann ist das Ziel „Schmerzfreiheit“ bei vielen dieser Patienten auch realisierbar! Die Beschränkung auf ein „Auflösen des Circulus vitiosus“, also auf eine bessere Schmerzbewältigung, wie es vor allem auch von so genannten „Psychologischen Schmerztherapeuten“ häufig getan wird, greift zu kurz und trägt bei dieser Gruppe von Schmerzpatienten nicht selten zu weiterer Chronifizierung bei.
Wie recht Herr Meyer zu Schwabedissen allerdings mit seinem Hinweis auf „fantasiebegabte Erklärungsmöglichkeiten“ hat, belegt der Diskussionsbeitrag von Herrn Bauer von der Julius Hackethal Park-Klinik. Diese Zuschrift ist auch ein anschauliches Beispiel für iatrogene Einflussfaktoren, auf die wir in unserem Beitrag hinwiesen. Bezüglich wissenschaftlicher Fundierung spricht der Therapieansatz in diesem Diskussionsbeitrag für sich selbst und bedarf keiner Kommentierung.
Dass katathym imaginative Psychotherapie (KiP) – wie von Herrn Daigger dargelegt – eine therapeutische Ergänzung in der Behandlung somatoformer Schmerzstörungen sein kann, ist denkbar. Dass allerdings unsichere Bindungsmuster im Rahmen von KiP durch sichere ersetzt werden und darüber die den Schmerzen bei dieser Patientengruppe zugrunde liegenden Beziehungsstörung verändert werden kann, ist zumindest wissenschaftlich bisher nicht hinreichend untersucht. Sicherlich kann KiP als therapeutisches Adjuvans – wie auch konzentrative Bewegungstherapie – im Rahmen einer multimodalen sta-
tionären psychosomatischen Behandlung sinnvoll sein.

Für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Ulrich Tiber Egle
Klinik für Psychosomatische Medizin
und Psychotherapie
Universitätsklinikum Mainz
Untere Zahlbacherstraße 8, 55131 Mainz

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