ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2000Israel – Tel Aviv: Eine alte Völkermühle

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Israel – Tel Aviv: Eine alte Völkermühle

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): A-3034 / B-2583 / C-2392

Berg, Detlef

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LNSLNS Zehn Uhr abends in der Yechieli Straße: Auf dem kleinen Platz vor dem Suzanne Dellal Centre for Dance and Theatre beginnen junge Künstler eine Tanzperformance. Über verschiedene Stationen wird das Publikum in den Veranstaltungssaal gelotst. Dort erlebt es ein Programm voll von überschäumender Lebensfreude – und am Ende werden aus Zuschauern Mitwirkende, die zusammen mit der Vertigo Dance Company auf der Bühne tanzen. „Hier ist immer etwas los“, hören wir von Michele, die die jungen Künstler betreut. „Schon viele, heute berühmte Gruppen haben in diesem Zentrum ihre Laufbahn begonnen“, berichtet sie. Tel Aviv sei eben ein idealer Nährboden für Kunst und Künstler – ein Wunder, leben hier doch Menschen aus mehr als 140 Nationen zusammen. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Schier unüberschaubar ist das Kulturangebot der Stadt: Oper und Operette in der New Israeli Opera, Klassik im Mann-Auditorium vom Israel Philharmonic Symphony Orchestra, Theater im Habima-Nationaltheater und kleinen Studiobühnen. Erstaunliche Schätze bieten auch die Museen. Vor allem das Kunstmuseum Tel Aviv glänzt mit wertvollen expressionistischen Werken.
Zwei-Millionen-Metropole
Dabei ist Tel Aviv – was soviel wie Frühlingshügel heißt – eine junge Stadt. Vor nicht einmal hundert Jahren wurde sie von jüdischen Siedlern vor den Toren der alten Hafenstadt Jaffa gegründet. Durch den schnellen Zustrom von Zuwanderern wurde unkontrolliert gebaut. Schön ist deshalb Tel Aviv wohl nicht, und im Vergleich mit anderen Orten in Israel ist die Stadt auch arm an Sehenswürdigkeiten. Lange Zeit war die einstige Keimzelle der Stadt sogar dem Verfall preisgegeben. Erst vor wenigen Jahren wurde Neve-Tzedek von jungen Architekten wachgeküsst – behutsam haben sie das Viertel renoviert. Heute zählt es zu den bevorzugten Wohngegenden. „Eine Million Dollar müsst ihr für ein Apartment schon hinlegen“, sagt Michele. Aber es gibt junge Leute, die sich das leisten können. Schließlich werde im High-Tech-Bereich sehr gut verdient, erzählt sie. Israel liegt in diesem Bereich weltweit ganz weit vorn.
Doch in Tel Aviv arbeite man nicht nur hart, man versteht auch zu leben. Als „die Stadt, die niemals aufhört“ wirbt die Zwei-Millionen-Metropole. In der Tat: Rund um die Uhr kann man ausgehen, Spaß haben.
Während das nur 60 Kilometer entfernte Jerusalem am Freitagabend in heiliger Andacht erstarrt, dreht man in Tel Aviv so richtig auf. Wer etwas auf sich hält, geht erst kurz vor Mitternacht zum Essen, sitzt in den Cafés der Shenkin Street oder den Bars der Allenby Street. Man trifft Freunde und tauscht sich aus, welche „Location“ gerade angesagt ist. War es letzten Monat noch das Shalom, ist es jetzt das Scene 28 in der Allenby Street. „Du hast noch nicht mal bezahlt, da ist das Lokal bereits wieder out“, witzeln routinierte Szenegänger, die stolz auf ihre Stadt sind. Gegen ein Uhr füllen sich die Diskothe-
ken und Clubs; es wird getanzt und geflirtet bis zum frühen Morgen. Wenn die Sonne aufgeht, fährt man nicht nach Hause. Man trifft sich am Strand zum Katerfrühstück. Unter die Nachtschwärmer mischen sich jetzt auch die Frühaufsteher. Sie joggen am Strand oder schwimmen im Meer. Tel Aviv ist eben wirklich eine Stadt ohne Pause.
Liebespaare und Rucksacktouristen
Auch am Tag ist die über drei Kilometer lange Promenade am breiten Mittelmeerstrand voller Leben. Vor der internationalen Kulisse der zahlreichen Hotelhochhäuser tummeln sich Familien, Liebespaare und Rucksacktouristen.
Russische Immigranten verkaufen heliumgefüllte Luftballonherzen, Mickymäuse und Garfields. In den Cafés am Strand bleibt kaum ein Platz frei. Sehen und gesehen werden, heißt das Motto.
Quirlig geht es auf dem Carmel-Markt zu. Alles, was das Herz begehrt, kann man hier kaufen. An Freitagen ist das Geschiebe und Gedränge besonders groß. Dann wird fürs Wochenende eingekauft. Obst und Gemüse, kunstvoll aufgetürmt, wird in seltener Vielfalt angeboten. Selbstverständlich gibts auch Geflügel, Fisch und Fleisch. Dazu allerlei fremde Gewürze. Man könnte glauben, man sei im Orient. Dabei ist Tel Aviv eine moderne westliche Metropole. Detlef Berg


Russische Immigranten geben ein Ständchen im Straßencafé.


Staatliches Israelisches Verkehrsbüro, Bettinastraße 62, 60325 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/7 56 19 20; Fax: 75 61 92 22.
Reiseliteratur: Michael Rauch: „Israel und Palästina“; DuMont Richtig Reisen, Dumont Verlag, Köln, 2000, 39,80 DM.
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