ArchivDeutsches Ärzteblatt1-2/1996Transformierte E.-coli-Stämme: Leuchtende Bakterien zeigen Erbgutschäden an

POLITIK: Medizinreport

Transformierte E.-coli-Stämme: Leuchtende Bakterien zeigen Erbgutschäden an

Becher, Franziska

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LNSLNS Als "High-Tech-Meßfühler" sind Mikroorganismen bei der Messung spezifischer Schadstoffe in Luft und Wasser im Einsatz. Die biologischen Reaktionen werden mit Signalwandlern in meßbare Signale umgewandelt, verstärkt und on line angezeigt. Wissenschaftler der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln-Porz haben jetzt ein neues "Aufgabengebiet" für Coli-Bakterien herausgefunden: Nach molekularbiologischer Transformation sind sie in der Lage, auf eine Schädigung des Erbgutes hinzuweisen.
Mit Hilfe von Plasmiden ist es ihnen gelungen, die für die Biolumineszenz verantwortliche Erbinformation – das sogenannte LUX-Gen – in ein Coli-Bakterium zu schleusen. In der ungeschädigten Zelle ist das LUX-Gen "ausgeschaltet"; die Zellen leuchten nicht. Der Schalter für das LUX-Gen aktiviert sich nur dann, wenn in der Coli-Zelle eine DNA-Schädigung vorliegt, zum Beispiel verursacht durch chemische Schadstoffe, ionisierende Strahlen oder auch die UV-Strahlung der Sonne.
In einem solchen Fall wird eine "Reparaturmaschinerie" zur Beseitigung der DNA-Schäden wirksam, die gleichzeitig das LUX-Gen einschaltet. Dabei leuchteten die geschädigten Zellen um so heller, je größer der DNA-Schaden ist. Das von den Bakterien ausgesendete Lichtsignal kann verstärkt und elektronisch registriert werden. Innerhalb eines europäischen Forschungsprojektes wird das mit dem LUX-Gen angereicherte ColiBakterium auf seine Einsetzbarkeit im Gesundheits- und Umweltschutz geprüft. Franziska Becher

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