ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2000ICANN-Direktor Müller-Maguhn: Paradiesvogel

Supplement: Praxis Computer

ICANN-Direktor Müller-Maguhn: Paradiesvogel

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): [1]

Krüger-Brand, Heike E.

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LNSLNS Die Internet-Gemeinschaft, repräsentiert durch ICANN (Internet Cooperation for Assigned Names and Numbers), hat ihre Regierung gewählt. Europa-Direktor der einflussreichen Organisation, die über Namen und Ressourcen im Netz entscheidet, ist mit großer Stimmenmehrheit Andy Müller-Maguhn geworden, ein ehemaliges Mitglied des Chaos-Computer-Clubs. Seine in der FAZ veröffentlichte „Regierungserklärung“ erregt die Gemüter: Die Vorstellung vom Internet als Kommunikationsraum, „in dem jeder etwas nehmen, etwas geben“ kann, ein „kleines elektronisches Paradies“, das zunehmend bedroht sei von „den Juristen, den Krawattis und anderen Regierungen“ und deren Begehrlichkeiten, wirkt wirklichkeitsfremd. Er will den „öffentlichen Raum frei von kommerziellen Spielregeln halten, den freien Informationsfluss hüten und den Bits ihre Freiräume geben“. Geistiges Eigentum im juristischen Sinn ist für ihn daher „ein Diebstahl am öffentlichen Raum“. Prompt warnte der Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein des Deutschen Buchhandels davor, das Internet mit Blick auf die Urheberrechte als anarchistischen Raum zu verstehen.
Doch vieles ist provokativ gemeint und gegen den Strich zu lesen: Als Abwehr gegen Vereinnahmung durch den politisch-wirtschaftlichen Lobbyismus und den E-Commerce und als ernst gemeintes Plädoyer für ein dereguliertes Netzmodell, das als öffentlicher Kommunikationsraum nicht durch die „Privatisierung von Begriffen“ immer weiter eingeschränkt wird, sondern für die Nutzer transparent bleibt und Freiräume erhält. Provokation allein ist langfristig zwar unbefriedigend. Vielleicht werden dadurch aber auch spannende Prozesse in Gang gebracht. Kbr
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