ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2000Praxisbedarf im Internet: Virtueller Einkaufsbummmel

Supplement: Praxis Computer

Praxisbedarf im Internet: Virtueller Einkaufsbummmel

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): [42]

Schmedt, Michael

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LNSLNS Der Handel im Internet (E-Commerce) wächst unaufhaltsam. Prognosen sehen in den nächsten Jahren eine explosionsartige Steigerung der Umsätze. Was sich auf den elektronischen Marktplätzen für Praxisbedarf tut, worauf zu achten ist und welche Angebote es gibt, wird im Folgenden vorgestellt.
E-Commerce hat sich als ständiges Thema nicht nur in den Schlagzeilen der Wirtschaftspresse etabliert. Ein neuer „E-Laden“ nach dem anderen öffnet seine digitalen Pforten. Waren anfangs Bücher oder CDs die dominierenden Angebote, kann man heute fast alles über das Internet kaufen. Von zu Hause bestellen, schnelle und oft kostenfreie Lieferung sollen den Kunden zum Kauf animieren. Auf den elektronischen Handelsplätzen tut sich viel. Kaum ein Anbieter, der bislang im konventionellen Bereich sein Geschäft hat, will den Zug der „New Economy“ verpassen. Neben dem B2C-Bereich (Business to Consumer) räumen Experten dem B2B-Bereich (Business to Business) die größten Wachstums- und Erfolgschancen ein. Ein schlankeres und flexibleres Bestellwesen ohne Telefon, Fax und Papier und größere Markttransparenz sollen die Garanten für hohe Einsparungen sowohl auf Käufer- als auch auf Anbieterseite sein.
Die Qual der Wahl
Wo und wie aber kann der Arzt für seine Praxis den elektronischen Handel nutzen? Anbieter von Praxisbedarf im Internet gibt es inzwischen viele. Alteingessene Fachhändler (Geisselmann) wollen beim E-Commerce ebenso mitmischen wie viele neue, rein virtuelle Anbieter (Praxisline). Auch die meisten Gesundheitsportale bieten heute die Möglichkeit zum E-Commerce. Hier beginnt für den Arzt die Qual der Wahl. Soll er bei seinem altbewährten Lieferanten bleiben – sofern dieser im Web vertreten ist – oder den Anbieter wechseln je nach Preis und Produktpalette?
Als erstes Kriterium bei der Entscheidung sollte jedoch die Sicherheit beim Zahlungsverkehr gelten. Der immer noch bestehenden Skepsis der Internet-Nutzer gegenüber der Bezahlung mit Kreditkarte oder der Übermittlung von Kontodaten über das Internet begegnen fast alle Anbieter damit, dass sie auch die Lieferung per Nachnahme oder Rechnung anbieten. Entscheidet sich der Arzt zum Beispiel für die Kreditkartenzahlung, sind heute SSL-(Secure Sockets Layer-)Verschlüsselung oder SET (Secure Electronic Transaction) Standard. Schweigt sich der Anbieter über seine Datenschutzmaßnahmen aus, sollte man auf einen Kauf verzichten. Dies gilt auch für den Fall, dass der Anbieter eine Vorauszahlung verlangt. Grundsätzlich hat der Kunde seit der Umsetzung der europäischen Fernabsatzrichtlinie das Recht, die Ware innerhalb einer Woche, in Deutschland innerhalb von zwei Wochen, zurückzugeben. Ein anderes Kriterium in puncto Sicherheit ist der Rechner selbst, über den die Bestellungen abgewickelt werden sollen. Hier empfiehlt sich kein PC, der mit dem Praxisnetz verbunden ist, sondern ein externes Gerät, ein so genannter Stand-alone-Rechner.
Seriosität des Online-Anbieters
Jeder Online-Kunde sollte, gerade wenn er den Anbieter nicht kennt, anhand einiger grundlegender Kriterien, die Seriosität des Händlers prüfen:
- Sind im Impressum Adresse und Telefonnummer angegeben?
- Sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) aufgeführt?
- Werden Kosten detailliert (inklusive Verpackungs- und Versandkosten) beschrieben?
- Gibt es eine kostengünstige Servicenummer?
- Wird die Bestellung kurzfristig – mit allen bestellten Waren einschließlich Preisangaben – verschlüsselt bestätigt?
Diese Punkte bieten zwar keine endgültige Sicherheit, ermöglichen aber beim ersten Besuch eines Online-Anbieters eine Vorauswahl.
Inzwischen gibt es auch Gütesiegel für Online-Shops, die von verschiedenen Prüfinstituten vergeben werden. Beispiele sind hier die Trusted-Shops-GmbH (ein Gemeinschaftsunternehmen der IMPACT Business & Technology Consulting GmbH und der Gerling Versicherungsgruppe – siehe PC 4/00, Seite 6), deren Siegel Praxisline und Praxisshop tragen, oder das „VZ OK“-Siegel, das in Kooperation der RWTÜV Anlagentechnik GmbH in Essen und der Verbraucherzentrale erarbeitet wurde.
Komfortabel und Zeit sparend
Einfache Handhabbarkeit und eine intuitive Benutzerführung ist bei einem elektronischen Einkauf wichtig, um die Zeit, die man durch den elektronischen Kauf sparen will, nicht durch unübersichtliche Links oder komplizierte Bestellvorgänge zu verlieren. Hilfreich ist zum Beispiel eine Volltextsuche über das gesamte Angebot, um schnell zum gewünschten Produkt zu gelangen. Die Erstellung eines persönlichen Profils erleichtert die Routinebestellungen. Notwendige Daten für die Bestellung müssen so nicht immer neu eingegeben werden. Ein Newsletter mit den aktuellen Angeboten hält den Arzt auf dem Laufenden.
Ärgerlich sind stark hierarchisch gegliederte Produktlisten, die ein häufiges Klicken erfordern. Standard sollten Produktbeschreibungen mit Text und Bild sein. Der elektronische Bestellweg erleichtert dem Arzt auch die Übersicht seiner Praxisbedarfskosten. Meist ist es möglich, die Umsätze der Praxis pro Monat direkt online abzurufen.
Der Kauf läuft bei allen Internet-Shops ähnlich ab. Nach der obligatorischen Registrierung klickt sich der Interessent durch verschiedene Rubriken zum gesuchten Produkt und legt es mit einem Klick in den Warenkorb. Zum Schluss schickt er die Bestellung ab und erhält seine Ware je nach Anbieter zwischen einem und fünf Tagen. Lieferfristen und Versandbedingungen sind in der Regel in den Allgemeinen Geschäftsbedingugen genannt und sollten vor einem Kauf gelesen werden.
Die Produktpalette der Anbieter variiert von mehreren hundert bis hin zu mehr als 10 000 verschiedenen Artikeln. Vom Bleistift über Kanülen und Bekleidung bis hin zu medizinischen Kleingeräten reichen die Sortimente.
Der Vorteil für den Arzt: Er kann seinen gesamten Praxisbedarf aus einer Hand kaufen. Einige Online-Shops bieten auch die Bestellung des abrechenbaren Spechstundenbedarfs an. Die Abrechnung mit den Krankenkassen erledigt der Anbieter.
Elektronische Marktplätze
Arbeitet der Arzt fest mit einem einzelnen Online-Anbieter zusammen, fehlt allerdings ein Preisvergleich, der gerade im Internet viel einfacher zu realisieren ist als im konventionellen Bereich, wo man verschiedene Anbieter nacheinander kontaktieren muss. Das Konzept der so genannten elektronischen Marktplätze will hier Abhilfe schaffen. Ziel ist es, durch die Bündelung von Anbietern und Käufern dem Interessenten Preis- und Produktvergleiche zu ermöglichen.
Die Anbieterseite kann auf ein breites Spektrum potenzieller Kunden hoffen. Die Verkaufsmodalitäten, wie Kosten und Versand, werden direkt zwischen Anbieter und Käufer geregelt. Im Gesundheitsbereich sind zum Beispiel Med2Med (www.med2med.de), und Deutschlandmed (www.dmed.de) zu nennen oder die pedion medicalnet GmbH, die seit Juli diesen Jahres unter www.pedion.de Käufer und Verkäufer zusammenbringt.
Experten sagen diesen Handelsplattformen eine zukunftsträchtige Entwicklung voraus, die allerdings laut einer Studie der Boston Consulting Group exponentiell verlaufen wird. Die Plattformen werden weniger, der Umsatz wird steigen.
Auch die virtuellen Auktionshäuser machen vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt. Unter www.ricardobiz.de und www.medibay.de kann der Arzt sich an Versteigerungen medizischer Geräte beteiligen. Ob sich dies als echte Alternative erweist, darf zurzeit noch bezweifelt werden. Versteigerungen sind zeitintensiv, das Angebot an Produkten noch klein, hinzu kommt noch die Unsicherheit, ob die Produkte qualitativ in Ordnung sind.
Wer gebrauchte medizinische Geräte kaufen oder verkaufen möchte, kann dies unter www.med-market.net machen. Wer im Bereich E-Commerce bestimmte Angebote sucht, kann über www.zentrum2000.de 20000 verschiedene Shopping-Portale mit einer Kurzbewertung abrufen. Hier werden auch Portale aus dem Gesundheitsbereich gelistet.
Welche Konzepte – der einzelne Online-Versandhändler oder der vielschichtige Marktplatz – sich im Internethandel durchsetzen werden, hängt sehr von einer erfolgreichen Kundenbindung der Anbieter ab. Für den mittelständischen Praxisbedarfanbieter heißt dies, sich mit einem guten Kundendienst, den der Arzt von seiner Apotheke und dem Sanitätshaus um die Ecke gewohnt ist, zu empfehlen.
Kostenreduzierung ist wichtig
Für den Arzt zählen längst nicht alle Gründe, die die Online-Shops gerne werbewirksam in den Vordergrund stellen. Rund um die Uhr erreichbar zu sein, lohnt sich für den Privatmann, der am Feierabend oder Wochenende beim Surfen ein schönes Buch entdeckt oder die nächste Urlaubsreise buchen möchte. Der Arzt und erst recht seine Arzthelferin, die die Bestellungen abwickelt, werden dies eher in der regulären Praxisöffnungszeit tun. Die Servicesprechstunden der verschiedenen Online-Anbieter sind entsprechend meistens von 8 bis 18 Uhr besetzt.
Auch Mengenrabatte oder Einkaufsgemeinschaften lassen sich ohne Internet realisieren. Hinzu kommen oft alte tradierte Bestellbeziehungen, die auf persönlichem Kontakt beruhen, was einem schnellen Wechsel des Anbieters im Wege steht. Bietet der vertraute Lieferant die Bestellung per Internet an, wird der Arzt die Geschäftsbeziehung weiter pflegen.
Vorteile liegen nicht so sehr in der ständigen Erreichbarkeit, sondern eher in der einfachen Bedienung, schnellen Bearbeitung und vor allem der Preisgestaltung. Hierauf wird der Arzt sein Augenmerk legen. Preis- und Produktvergleiche sind ideale Voraussetzungen für eine Kostenreduzierung. Denn eine Umstrukturierung des Bestellwesens ist mit Kosten verbunden, beispielsweise der Einarbeitung der Arzthelferin und der Anschaffung eines Internet-PCs. Auf der anderen Seite wird die Arzthelferin nicht mehr mit dem Ausfüllen von Bestellzetten oder telefonischen Nachfragen belastet, sondern kann ihre Arbeitszeit mehr dem eigentlichen Praxisgeschäft widmen.
Für den Arzt muss sich ein elektronischer Einkauf von Praxisbedarf finanziell lohnen und darf nicht nur eine komfortablere Abwicklung der Beschaffung von Praxisbedarf sein. Dann kann er bald zur Normalität werden.
Michael Schmedt


Tabelle: Überblick über Anbieter von Praxisbedarf im Internet (Auswahl)
Anbieter Zahlungsart Lieferfrist Versandkosten Verschlüsselung Registrierte Artikelanzahl
Benutzer
Geisselmann Rechnung, Standardartikel 7,95 DM SSL keine Angaben circa 10 000
www.geisselmann- Lastschrift, circa 48 Stunden
gmbh.de Kreditkarte,
Nachnahme
Praxisline Rechnung, Ein Werktag bei ab 250 DM frei, SSL 500 im niederge- circa 5000
www.praxisline.de Bankeinzug, Bestellungen bis darunter 7,50 DM lassenen Bereich
Kreditkarte 12.00 Uhr
Praxisshop Rechnung, Ein Werktag bei ab 250 DM frei, SSL/SET 1468 mehr als 10 000
www.praxisshop.de Bankeinzug Bestellungen bis darunter 7,95 DM
12.00 Uhr
Medishop Nachnahme, In der Regel ein ab 500 DM frei, keine Angaben, circa 1500 circa 3000
www.medishop.de Vorauskasse bei Werktag darunter 7,50 DM da Zahlung per
Neukunden, Nachnahme oder
sonst auch Rech- Vorkasse
nung, Lastschrift
MADOP Kreditkarte, Lagerware ab 100 DM frei SSL keine Angaben circa 17 000
www.madop.de Nachnahme, innerhalb 24
Vorkasse, bis 48 Stunden
Rechnung,
Bankeinzug
Arndt Medizintechnik Nachnahme, Lagerware ab 500 DM frei keine Angaben, da Registrierung nicht circa 1000
und Laborbedarf Rechnung bei innerhalb 24 Zahlung per Nach- zwingend notwen-
www.arndt-medtech.de registrierten Stunden nahme dig, daher keine
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