ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2000CrossRef: Der Bibliothekar im Internet

Supplement: Praxis Computer

CrossRef: Der Bibliothekar im Internet

Dtsch Arztebl 2000; 97(45): [48]

Mertens, Stephan

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LNSLNS Analog zum weltweiten Standard bei der Registierung von Büchern etabliert sich ein ähnliches System im WWW, mit dem Dokumente eindeutig identifiziert und verknüpft werden können.
Bei der Literaturrecherche ist das Heraussuchen von zitierten Arbeiten oft zeitraubend und mühsam. Zwar kann man sich mittlerweile aufgrund diverser online verfügbarer Datenbanken manchen Gang in die Bibliothek sparen. Um aber den gesuchten Beitrag in einer anderen Zeitschrift einzusehen, muss man zumindest den „elektronischen Korridor“ bis zum nächsten Regal, also zum entsprechenden Server, zurücklegen. Diesen Weg kann man sich mit CrossRef und dem Digital Object Identifier (DOI) sparen. CrossRef ist der Bibliothekar, der weiß, wo der Artikel steht, und DOI der Knecht, der ständig neue Nummern vergibt, auf dass jedes Dokument seine eigene erhält. So kann ein Objekt schnell und eindeutig lokalisiert werden. Dies ist sogar möglich, wenn die Zeitschrift in ein anderes „Regal“ einsortiert wird – so ändert sich beispielsweise der DOI nicht, wenn eine Zeitschrift von einem anderen Verlag übernommen wird.
Technisch wird dieses Problem folgendermaßen gelöst: Die Information, wo ein bestimmtes Dokument abrufbar ist, und das Dokument selbst befinden sich auf verschiedenen Servern. CrossRef ist hierbei die zentrale Vermittlungsstelle, die Anfragen über den Aufenthaltsort eines Dokuments beantwortet. Wenn das gesuchte Dokument den Server wechselt, beispielsweise bei Übernahme durch einen anderen Verlag, wird dies bei CrossRef berücksichtigt, der DOI kann so bestehen bleiben.
Aufbau der DOI
Ein DOI besteht, wie die ISBN-Nummer auch, aus einem Prä- und einem Suffix. Das Präfix wird von der International DOI Foundation, mit Sitz in Genf und Washington, dem Informationsanbieter zugewiesen und das Suffix anschließend intern vergeben. Es ist dem Informationsanbieter, beispielsweise einem Verlag, freigestellt, ob eine bestimmte Abbildung, ein Artikel oder ein anderes Dokument einen DOI erhält.
Weiterhin bietet der DOI auch die Möglichkeit, weiterführende Information – wie Videosequenzen oder ausführliche Tabellen – im Internet anzubieten und parallel dazu in der Printversion einen etwas anders gestalteten, möglicherweise weniger detaillierten Artikel zu veröffentlichen.
Mittelfristig ist zu erwarten, dass mithilfe von DOI und CrossRef ermittelt wird, wie oft eine bestimmte Arbeit in anderen Publikationen (elektronisch) zitiert wird. Dieser so genannte science citation index ist ein allgemein akzeptierter Wert, der die Bedeutung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung, den „impact factor“, misst.
Weltweiter Zusammenschluss
CrossRef ist ein internationales nicht profitorientiertes Projekt der Publishers International Linking Association, in dem das Potenzial von DOI genutzt werden soll. Ziel ist es, möglichst viele Dokumente zu vernetzen. Neben Zeitschriftenartikeln sollen Enzyklopädien, Lehrbücher, Abstracts von Kongressen und andere Informationen erfasst werden. So besteht die Möglichkeit des direkten Zugriffs von der Literaturliste auf Artikel, die in anderen Zeitschriften erschienen sind.
Einige Verlage ermöglichen freien Zugang zum gesamten Artikel, während andere nur die Zusammenfassung frei zur Verfügung stellen und der Volltext nur für Abonnenten oder gegen Gebühr einsehbar ist. Im Februar 2000 startete die Initiative, mit fünf Verlagen mit zusammen 1 100 Zeitschriften. Der Publishers International Linking Association sind inzwischen mehr als 50 Verlage mit über 3 000 Zeitschriften und 1,9 Million Artikeln beigetreten. Hier sind alle international bedeutenden Organisationen und Zeitschriften vertreten. CrossRef in Verbindung mit DOI scheint der weltweite Standard für die Verknüpfung von Literatur zu werden. Stephan Mertens


Online-Publikation
Der Springer-Verlag, Berlin und Heidelberg, baut den Online-Bereich stark aus. So besteht bei einigen Zeitschriften die Möglichkeit, eine Publikation kurz nach dem Plazet der Gutachter online zu veröffentlichen und nicht erst bis zum Druck zu warten. Da bei einer Vorabveröffentlichung im Internet noch keine Volumennummer und Seitenzahl vergeben werden kann, geschieht die Zuordnung mit dem DOI. So kann bereits der elektronisch erschienene Artikel zitiert werden, und in der später gedruckten Version wird der gleiche DOI genannt.


Internetadressen zum Thema:
- www.doi.org
- www.crossref.org
- http://link.springer.de
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