ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2000Arzneiverordnungs-Report: Ärzte sparen erfolgreich

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Arzneiverordnungs-Report: Ärzte sparen erfolgreich

Flintrop, Jens

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LNSLNS Die Vertragsärzte haben ihre Hausaufgaben gemacht, jetzt ist der Gesetzgeber am Zug. Dies ist die Kernaussage des Arzneiverordnungs-Reports 2000. „Trotz aller Befürchtungen zeigt der Überblick über die kassenärztlichen Verordnungen 1999 nur einen moderaten Kostenanstieg“, sagte Prof. Dr. Ulrich Schwabe bei der Vorstellung des Reports in Berlin. Die Arzneimittelausgaben stiegen demnach um 2,9 Prozent auf 36,8 Milliarden DM. Der größte Teil des Kostenzuwachses ist auf Mehrkosten für neue teure Präparate zurückzuführen. Die Zahl der Rezepte verringerte sich.
Schwabe und Mitautor Dr. Dieter Paffrath betonten ausdrücklich, dass nur durch die „erfolgreichen Sparanstrengungen“ der Ärzteschaft mehrere kostensteigernde Einflüsse aufgefangen werden konnten. Dazu gehörten die Erhöhung der Mehrwertsteuer um ein Prozent (Mehrkosten: etwa 87 Millionen DM), das aufgrund erfolgreicher Klagen von Pharmafirmen auf Eis liegende Festbetragsverfahren (Mehrkosten: etwa 550 Millionen DM) sowie die Blockade der Veröffentlichung der neuen Arzneimittelrichtlinien durch drei Pharmafirmen (nichtrealisierte Einsparungen: etwa 650 Millionen DM). Damit seien 1999 rund 1,3 Milliarden DM an zusätzlichen Arzneimittelkosten im GKV-Bereich entstanden, die durch rechtssichere Regelungen der Arzneimittelrichtlinien und der Festbetragserstellung hätten vermieden werden können.
Der politische Handlungsbedarf ist offensichtlich. Das meint auch Dr. Jürgen Bausch von der KBV: „Es fehlen die politisch flankierenden Maßnahmen, um die mit der Budgetsteuerung allein gelassenen Ärzte nachhaltig zu unterstützen“, sagte Bausch in Berlin. Die Ärzte bräuchten rechtssichere Richtlinien des Bundesausschusses Ärzte/Krankenkassen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise bei Arznei- und Heilmitteln. Wichtig sei auch eine Negativliste, die alle die Präparate aufnehme, die den Ärzten von den Krankenkassen unter Beifall der Politik als unwirtschaftlich vorgeworfen würden: „Immerhin handelt es sich um Präparate, für deren Zulassungsstatus die Rechtssetzung der Politik die Verantwortung trägt.“
Der Arzneiverordnungs-Report sieht noch Einsparpotenziale in drei Sektoren: drei Milliarden DM sollen durch die weitere Umstellung auf Generika eingespart werden können. Durch den Verzicht auf teure Analogpräparate zugunsten vergleichbarer Wirkstoffe sehen die Autoren Einsparmöglichkeiten in Höhe von 2,2 Milliarden DM und durch das Nichtmehrverschreiben umstrittener Arzneimittel weitere drei Milliarden DM. Schwabe/Paffrath sind aber auch der Meinung, dass diese Einsparvolumina nur dann zu realisieren sind, wenn die KVen ihre Vertragsärzte detailliert informieren dürfen. Zur Erinnerung: Das – wie der Report belegt – so erfolgreiche „Gemeinsame Aktionsprogramm zur Einhaltung der Arznei- und Heilmittelbudgets 1999“ wurde nach drei Monaten und 120 Millionen gesparten DM gestoppt, weil die KVen gegen das Kartellrecht verstoßen haben sollen. Geklagt hatten mehrere Pharmafirmen. Jens Flintrop
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