Supplement: Reisemagazin

Land des Feuers

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): [4]

Thalheimer, Trudy

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LNSLNS Malawi, das warme Herz Afrikas – so steht es in jeder Reisebroschüre. „Heiß“ wäre die bessere Bezeichnung, wenn man sich die unzähligen Brandherde im Land vergegenwärtigt. Auch neben dem offenen Safarifahrzeug bricht mit dumpfem Ächzen ein Mopanebaum in sich zusammen. Funken stieben. Schon Stunden hatte das Feuer an seiner Substanz genagt. Im weiten Umkreis fressen sich Flammen durch den gespenstisch erleuchteten, nächtlichen Busch. Was auf den ersten Blick nach ungezügelter Brandrodung aussieht, entpuppt sich als kontrollierte Maßnahme, um sich der alten und verdorrten Grasbüschel zu entledigen. Deren Asche dient als Dünger, und zur nächsten Regenzeit sprießt wieder frisches Grün aus der geschwärzten Erde. Ron, dem neuen Leiter des Mvuu-Safari-Camps, ist die Sache dennoch unangenehm. Großräumig umfährt er die Flammenherde, schließlich möchte er seinen Gästen auf Safari im Liwonde National Park lieber die Faszination der afrikanischen Tierwelt zeigen.
Die Big Five
Eine Hyäne hastet über den Weg. So schnell sie aufgetaucht ist, so schnell hat sie sich wieder aus dem Lichtkegel des Suchscheinwerfers
davongestohlen. Besonders große Tapferkeit wird diesen Aasfressern nicht nachgesagt. Weit weniger eilig hat es ein Leopard, keine zwanzig Meter vom Wagen entfernt. Nur er hatte mir im Club der „Big Five“ noch gefehlt. Schließlich tritt kein Afrikareisender unbeschwert die Heimreise an, ohne Nashorn, Elefant, Büffel, Löwe und eben einen Leoparden gesehen zu haben. Es fällt den Gästen schwer, Ruhe zu bewahren und die Begeisterung zu unterdrücken. Ausgiebig lässt sich die gefleckte Katze bestaunen, leckt sich die Tatzen und gähnt gelangweilt. Irgendwann aber ist’s genug. Bedächtig erhebt sich das Tier und entschwindet langsam in der Dunkelheit. Wütendes Knurren und Kreischen einer Horde von Pavianen zeigt uns akustisch noch lange seinen Weg. Nachtsafaris sind nicht die einzigen Attraktionen im Liwonde National Park. Ron ist stolz auf seine großen
Säbelantilopenherden, noch mehr aber auf seine sechs schwarzen Nashörner. Für sie ist vor vier Jahren ein großflächiges Areal abgetrennt worden. Hier sollten sich die beiden aus Südafrika stammenden Rhino-Pärchen langsam an ihre neue Umgebung gewöhnen. Offensichtlich mit Erfolg, wie man an der inzwischen wahr gewordenen doppelten trauten Dreisamkeit gut erkennen kann.
Früher waren sowohl schwarze als auch weiße Nashörner in Malawi weit verbreitet. Der zunehmende Bevölkerungsdruck schränkte ihren Lebensraum jedoch immer mehr ein. In den verbliebenen, kleinen Arealen hatten Wilderer leichtes Spiel. Bald waren beide Arten ausgerottet. Bei senilen Chinesen galt und gilt Nashornpulver als „Potenzstimulanz“. Die dafür gezahlten horrenden Summen waren für die arme Landbevölkerung zu verlockend. Auch die Gier nach Elfenbein lässt einfache Bauern immer wieder zu Wilderern werden, selbst wenn offizieller Handel damit nach wie vor streng verboten ist. Während Länder wie Zimbabwe und Südafrika unter den immensen Schäden der Elefantenüberpopulation leiden und sich nur noch mit drastischen Maßnahmen zu helfen wissen, ist der Bestand in Malawi noch lange nicht dauerhaft gesichert. Naturschützer sprechen von 1 000 bis 1 500 Elefanten, verteilt auf verschiedene, voneinander isolierte Populationen. Mit weit überhöhten offiziellen Zahlen soll das Abschussverbot ausgehöhlt werden. Vor allem schießwütige Großwildjäger aus Europa, sogar aus den Reihen der Entwicklungshelfer, drängen auf die Wiederaufnahme der Jagd. Angeblich würden die durch die Lizenzvergaben erzielten Einnahmen auch der Bevölkerung zugute kommen. Erfahrungen aus anderen Ländern sprechen da aber eine ganz andere Sprache . . .
Im Liwonde National Park sind Elefanten aber noch recht häufig. Regelmäßig tauchen einige im Camp und sogar direkt an den Lodges auf. Kein Wunder, ist doch das Mvuu Wilderness Camp unmittelbar an einer Flusslagune so geschickt in die Landschaft integriert, dass sich die Tiere nicht daran stören. Man sollte Nervenstärke beweisen und sich ebenfalls nicht daran stören, wenn man ihr nächtliches Schmatzen in ein bis zwei Metern Entfernung direkt neben den Zelten hört oder wenn am nächsten Morgen ein Ast oder ein halber Baum vor dem Eingang vom nächtlichen Mahl zeugen.
Besonders beeindruckend erleben wir die Dickhäuter beim ausgiebigen täglichen Bad im Shire-Fluss, der durch den National Park fließt. Im Boot, chauffiert vom Chefranger Jim, nähern wir uns bis auf wenige Meter einer Gruppe von sieben Prachtexemplaren. Eine planschende und spritzende Elefantenherde ist immer wieder ein aufregender Anblick. Sehr viel vorsichtiger agiert Jim beim Umgang mit den zahlreichen Flusspferden, die um uns herum im flachen Wasser den ganzen Tag verdösen. Erst als ein Bulle uns sein Maul entgegenstreckt, wird es Zeit, sich aus der Gefahrenzone zu begeben. Die am Ufer liegenden trägen Krokodile lassen Jim kalt.
Das Binnenmeer
Schon früh am Morgen brechen wir auf. Zwar ist unsere für heute geplante Fahrstrecke eher gering, aber die mäßigen Pistenverhältnisse auch auf dieser Hauptverbindungsroute sorgen trotz Geländewagen nur für ein mühsames Vorankommen. Außerdem wollen wir uns am Nachmittag noch etwas ganz Besonderes gönnen, einen Abstecher zum Malawisee. Beinahe haben wir den Eindruck, am Meer zu stehen. Nicht weniger als zwölfmal würde der Bodensee hierin Platz finden, und seine Fläche bedeckt ein Fünftel des Landes: Der Malawisee ist mit 588 Kilometern Länge und einer Tiefe von mehr als 700 Metern der drittgrößte See Afrikas und der vierttiefste auf der Erde. Einige Gäste stehen am Ufer, lassen sich von den Wellen die Füße umspülen und blicken auf die end-
los erscheinende Weite des Sees – eine ganz besondere Art Afrika zu erleben und Erholung zu finden. Undifferenzierte Berichte über Bilharziose in diesem einzigen Badesee Afrikas beunruhigen hier niemanden.
Tatsache ist zwar, dass Schistosomiasis-Parasiten, die diese Infektionskrankheit verursachen, in allen stehenden Gewässern des tropischen Afrikas vorkommen. Tatsache ist aber auch, dass große Bereiche des Malawisees frei von diesen Erregern sind, da sie zur Vermehrung eine Schneckenart als Zwischenwirt benötigen, die nur in sumpfigen Bereichen mit schilfbewachsenen Ufern leben kann. Alle Zeltplätze und Hotelanlagen liegen hingegen an kilometerlangen und uferbewuchsfreien Sandstränden, an denen Wellen das Wasser kontinuierlich durchmischen. Hier ist das Baden ungefährlich. Wer sich allerdings unbedingt in sumpfigen Lagunen einem Bade hingeben will, kann sich darauf verlassen, dass die Ansteckungsgefahr noch das kleinere Übel darstellt. Der Kontakt mit den hier häufig vorkommenden Flusspferden erweist sich im Gegensatz zur Bilharziose in den meisten Fällen als nicht mehr heilbar.
Tauchtrips vom Club
Täglich bietet das Strandhotel „Club Makokola“ Tauchausfahrten zu der winzigen, weit draußen im See gelegenen Boadzulu Insel an, die noch nie im Verdacht stand, Bilharzioseerreger zu beherbergen. Nach einer halbstündigen Überfahrtszeit ist das Eiland erreicht. Schroffe Felsblöcke und dichte Vegetation lassen einen Landspaziergang wenig ratsam erscheinen. Von nahezu jedem zehnten Baum blicken weißköpfige Fischadler-Pärchen herab. Urplötzlich tauchen neben dem Boot zwei der auch hier am See nicht häufigen Otter auf. Uns kaum Beachtung schenkend, vergnügen sich diese pelzigen Tiere in den Fluten.
Wir entschließen uns zu einer Wanderung rund um das Cape Maclear etwa eine Fahrstunde vom Club Makokola entfernt. Hier ist mit dem Malawisee-Nationalpark der weltweit erste Süßwasser-Nationalpark überhaupt entstanden. Auf Schritt und Tritt tun sich auf dieser felsigen Halbinsel neue spektakuläre Aussichten auf verwunschene schöne Buchten und vorgelagerte Inselchen auf. Ganz besonders fotogen präsentiert sich der Otter Point mit seinen abgerundeten Granitfelsen im flachen, blaugrünen Wasser. Trudy Thalheimer

Reisezeit & Klima: Beste Reisezeit: zwischen April und November. In den anderen Monaten sind die Reisemöglichkeiten durch die Regenzeit oftmals behindert.
Impfungen & Gesundheit: Eine Malaria- und Hepatitis-A-Prophylaxe sind neben den üblichen Standardimpfungen angeraten. Der beste Schutz gegen Moskito- oder Tsetsefliegenstiche ist helle Kleidung, wenig Bewegung und Rauch (Moskitospiralen) sowie Schutzmittel (zum Beispiel Autan). Gelbfieberimpfung ist nur bei einer Einreise aus Infektionsgebieten vorgeschrieben.
Reiseveranstalter: Livingstone Tours, Mühlwiesenstraße 3, 72555 Metzingen, Telefon: 0 71 23/92 09 43, Fax: 92 09 44, Jacana Tours, Telefon: 0 89-5 80 80 41, Fax: 5 80 85 04, AAC-Tours, Telefon: 0 81 33-99 47 88, Fax: 0 81 33-99 47 58.
Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften fliegen Malawis „Lilongwe International Airport“ an. Besonders zuverlässig und mit sehr gutem Service mit South African Airways ab 1 760 DM, Informationen und Buchung: Telefon: 0 18 05-21 12 00 oder 0 69-29 98 03 20.
Einreise- und Ausreise: Für deutsche Staatsbürger reicht ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass.
Unterkünfte: Malawisee: Livingstonia Beach Hotel, 4-Sterne-Hotel im Kolonialstil mit luxuriösem Ambiente und Öko-Touch in parkähnlicher Landschaft, unmittelbar am weißen Sandstrand, Wassersportmöglichkeiten, DZ ab 100 DM pro Person, P.O. Box 11, Salima, Telefon: (0 02 65) 74 40 22/1 92, Fax: 74 44 83, Club Makokola, unmittelbar am Sandstrand gelegen; Wassersportmöglichkeiten.
Sicherheit: Malawi gehört zu den sichersten Reiseländern Afrikas.
Informationen und Prospekte (auch in Deutsch): Malawi High Commission, 33 Grosvenor Street, GB-London W1X 0DE, Großbritannien, Telefon: (00 44) 1 71-4 91 41 72, Fax: (00 44) 1 71-4 91 99 16.


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