Supplement: Reisemagazin

Südafrika: Am Kap der Träume

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): [8]

Berg, Detlef

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LNSLNS Südafrika ist das Reiseland Nummer eins im südlichen Afrika. Wandern in den Drakensbergen und Safaris werden immer beliebter.

Den Sonnenhut tief ins Gesicht gezogen, das schweißgetränkte Hemd weit aufgeknöpft, lehnt Andrew Andersen im Schatten eines Felsvorsprungs. Noch einmal setzt er die große Wasserflasche zum Trinken an. Dann drängt er zum Aufbruch. „Wir müssen weiter“, sagt unser Reiseführer. Immerhin wollen wir bis ganz nach oben auf den Gipfel des Cathedral Peak, der mit seinen 3 004 Metern Höhe ei-
nen herrlichen Panoramablick über die Drakensberge in der Kap-Region vom Mont-aux-Sources bis zum Champagne Castle bietet.
Wir sind in den südafrikanischen Alpen unterwegs, wie die Drakensberge auch bezeichnet werden. Auf einer Länge von rund 960 Kilometern erstreckt sich dieser Gebirgszug zwischen Krüger-Nationalpark und Garden Route. Die eigentliche Heimat der Drachen ist aber die Gegend zwischen Sentinel und Rhino Peak, wo sich der Gebirgszug mehr als 100 Kilometer lang auf einer durchschnittlichen Höhe von 3 050 Metern hinzieht. Die schroffen Bergspitzen ähneln in der Gesamtansicht tatsächlich dem gezackten Rücken eines Drachens, und in
der Sprache der Zulu fand das Panorama den ebenfalls zutreffenden Ausdruck ukhahlamba – „Barriere aus aufgerichteten Speeren“. Unter der Bergkette herrscht Ruhe. Denn die Bergriesen in ihren wundersamen sattgrünen Samtanzügen werden noch nicht von Turnschuhkarawanen heimgesucht. Zwar sind die Drakensberge nur 400 beziehungsweise 150 Kilometer von den Millionenmetropolen Johannesburg und Durban entfernt und ein beliebtes Ausflugsziel der Großstädter, doch verteilen sich die Besucherströme im weitgefächerten und gut markierten Wegenetz.
Umhlonhlo-Tal
Neben der neunstündigen Tour zum Cathedral Peak, die Untrainierte überfordert und nicht ohne Führer unternommen werden sollte, können vom in der mittleren Bergregion gelegenen Cathedral Park Hotel auch kleinere Wanderungen unternommen werden. Sie führen zum Beispiel zu den Doreen-Wasserfällen oder ins Umhlonhlo-Tal. Wer es dagegen bequem mag, lässt sich für umgerechnet rund einhundert DM auf die Bergkuppen fliegen und genießt bei einem Glas Champagner einen unvergesslich schönen Blick auf die Bergwelt. Zu bewundern gibt es reißende Bergflüsse, die
tiefe Schluchten in die Erde
gefressen haben, Wasserfälle, die in schmale Canyons stürzen, und pilzartige Bergkegel, die aus den Tälern wachsen. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis zum Spionskop, der vor hundert Jahren Schauplatz blutiger militärischer Auseinandersetzungen zwischen Buren und Briten war. Für historisch interessierte Touristen gibt es eine offizielle Battlefields Route (Schlachtfelder-Route). Dabei erfährt man, dass der junge Winston Churchill das grausame Gemetzel als junger Kriegsberichterstatter beobachtete und ein Deutscher, der aufseiten der Buren kämpfte, den Ausdruck prägte, dass in diesem Krieg die Dummheit gegen die Unwissenheit kämpfe. Schon lange vor der Ankunft der weißen Kolonialisten hatten aufgrund der Expansion schwarzafrikanischer Völker die San die Besiedlung dieses Gebiets aufgegeben. Sie wurden in immer entlegenere Gebiete abgedrängt und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts völlig ausgerottet. Geblieben sind mehr als 5 000 Felsmalereien der Buschmänner, die sorgfältig registriert wurden. Einige dieser Malereien können auch besichtigt werden, erzählt Andrew. Allein in der fünf Kilometer langen Ndedema-Schlucht finden sich an 17 Stellen mehr als 3 900 gut
erhaltene Felsmalereien. Sie symbolisieren das mystische Weltbild der San, die einst überall im südlichen Afrika zu Hause waren.
Die einzige Passstraße, die den Hauptgebirgszug überwindet, erhielt ihren Namen von den San genannten Buschmännern. Über ihn konnten sie früher oft ihren Verfolgern entkommen. Heute ist der Sani-Pass die einzige Verbindung der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal mit dem Gebirgskönigreich Lesotho. Im immer enger werdenden Tal des Flusses Mkomazana windet sich die Passstraße bis auf eine Höhe von 2 873 Metern.
Am Sani-Pass
Früher wurde der Pass per pedes oder Jeep vor allem von Missionaren und Händlern überquert. Maismehl, Kleidung, Decken und die bei den Männern sehr beliebten Gummistiefel wurden gegen alles getauscht, was Lesotho zu bieten hat: Pelze, Mohair und Schafswolle. Später wurde der primitive Pfad immer weiter ausgebaut, und 1948 schaffte das erste Auto den Weg auf die Passhöhe. Wer heute hinauf will, braucht seinen Reisepass für den Übergang nach Lesotho und kann zwischen der Fahrt mit einem allradgetriebenen Jeep oder einem gut dreistündigen Aufstieg zu Fuß wählen. Oben angekommen, erfrischt ein kühles Bier im höchstgelegenen Pub Afrikas mit der Aussicht auf den höchsten Berg im südlichen Afrika, den 3 482 Meter hohen
Ntlenyana.
Am Fuß des Passes beginnt einer der schönsten Wanderwege, der Giants Cup Hiking Trail. Er beansprucht fünf Tage, wenn man 14 Kilometer täglich in der meist flachen Gegend zurücklegt. Diesmal reicht die Zeit dafür nicht, doch wenn wir das nächste Mal nach Südafrika kommen, planen wir mehr Zeit für dieses beeindruckende Land ein. Detlef Berg

Reise-tipps
Informationen: Satour, An der Hauptwache 11, 60313 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/9 29 12 90, Fax: 0 69/28 09 50; im Internet www.satour.de
Lesetipp: „Südafrika“ Richtig Reisen, DuMont Verlag, Köln, 39,80 DM
Anreise: Zum Beispiel mit South African Airways (SAA) oder LTU von allen deutschen Flughäfen nach Johannesburg ab 1 399 DM (Anschluss nach Kapstadt).
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