Supplement: Reisemagazin

Namibia: Flugsafari zur Skelettküste

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): [10]

Birkenmaier, Peter

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Ein ganz normales Sportflugzeug
wird in Namibia zur „Zeitmaschine“. Knapp zwei Stunden braucht es, um Gäste vom Flughafen „Eros“ in der Hauptstadt Windhoek in die Zeit der ersten Diamantensucher reisen zu lassen. Kurz darauf finden wir uns in die Ära der frühen Seefahrer zurückversetzt, deren Segelschiffe an der rauen Skelettküste ein jähes Ende finden. Noch am gleichen Tag sind die Anfänge der Erdgeschichte erreicht – wundersame, farbige Felsformationen, in Mondlandschaften verstreut. Die Geburtsstunde einer vor Jahrmilliarden noch unwirtlichen, nahezu leblosen und doch phantastischen Erde scheint hier stehen geblieben zu sein.
Flugsafari durch die älteste Wüste der Welt – die Namib. Wir sind unterwegs mit Bertus Schoeman (43), einem erfahrenen Buschpiloten. Seine Familie hat im Jahr 1977 damit begonnen, Gäste in dem kaum erschlossenen Skeleton Coast Nationalpark und in das östlich davon gele-
gene Kaokoveld zu fliegen. Die „Pisten“, auf denen der Flieger landet, sind aus der Luft kaum zu erkennen. Erste Zwischenstation: Kuiseb Canyon. Festgebackener Wüstensand lässt die Cessna 210 mit sanftem Knirschen problemlos ausrollen. Der nächste Abstecher noch abenteuerlicher: Wir haben den Atlantik erreicht und gehen
direkt am Strand runter. Kein Badestrand! Hier empfangen uns ein respektheischendes Walskelett und eine vom Sand fast verschluckte windschiefe Hütte. Aus den kaum noch identifizierbaren Resten eines Lastwagens flüchtet eine achtköpfige Schakalfamilie in alle Windrichtungen.
Nervenkitzel
Danach fliegen wir über die Wellenkämme der eher ruhigen Brandung nach Norden, Swakopmund, der zweitgrößten Stadt Namibias, entgegen. Robben aalen sich in großen Gruppen neben hohen Dünen. Jagende Pelikane gleiten dicht übers Wasser. Um eine Riesenschar Flamingos, die in fast kreisförmiger Formation fliegen, macht die Cessna einen Bogen. Schiffswracks, vom ewig wandernden Sand schon fast zugedeckt, säumen die Küste. Die Geschichte der berüchtigten Havarien füllt Bücher. Später stehen wir mitten in den Resten eines vor Jahrhunderten zerschellten Seglers. Unser Guide ist auf bunten Kieselsteinen heruntergegangen, die sich kurz darauf als Halbedelstei-
ne herausstellen: orangefarbener Karneol, schwarzer Onyx, changierende Achate. An der Skeleton Coast kann man blind hingreifen, um fast sicher einen dekorativen Stein in die Hand zu bekommen.
Zum Übernachten verlassen wir die Küste. Die „V5-AMY“ trägt uns über ständig abwechselnde Wüstenformationen zu den im Landesinneren gelegenen, besser „versteckten“ Camps von „Skeleton Coast Safaris“. An drei Plätzen hat der Familienbetrieb im Lauf der Zeit seine unauffälligen Zeltcamps aufgebaut. In den Feldbetten schläft man bequem und bei reiner Luft, weil das Zelt die ganze Nacht offen bleiben kann. Blick auf Milchstraße und Kreuz des Südens. Und die Stille, die hier herrscht, beschert völlige Entspannung. Am frühen Morgen die heiße Dusche: Freundliches Camp-Personal füllt eimerweise die an einem Seil befestigten und zum Duschen hochzuziehenden Beutel, die unten einen Drehverschluss mit Löchern haben.
Wir pendeln zwischen Wüste und Küste. Erst ein Spaziergang durch die Schluchten der Red Mountain Area, dann eine unvergessliche Landrover-Tour durch das Labyrinth einer ausgedehnten Dünenlandschaft. Mittendrin steigen wir aus, rutschen zu Fuß die steilen Dünenhänge hinab – und erleben ein akustisches Phänomen: Der Sand fängt an zu zirpen, und plötzlich liegt ein Ton in der Luft, der erst abklingt, als wir längst zum Stehen gekommen sind. Feine, vom gleichmäßigen Wind „aussortierte“ Sandkörner reiben aneinander und werden in resonante Schwingung versetzt – das Phänomen der Singing Dunes.
Kurz darauf lernen wir hautnah den „Angle of repose“ kennen: Das ist der Winkel, in dem rutschende Sandkörner zur Ruhe kommen. Rund 38 Grad. Steiler können Dünenabhänge physikalisch nicht sein. Unser Driver fährt wagemutig mit dem Landrover auch schon eine Düne hinunter. Erst ohne uns, dann mit uns. Wir haben das Gefühl, dass es sich eher um 60 Grad handelt. Aber das Naturgesetz hat wohl eher Recht . . .
Wüstenelefanten
Im Tal des Huarisib-Flusses machen wir einen Abstecher in die Epoche der frühen Säugetiere. Wir begegnen den sehr seltenen Wüstenelefanten, die hier, wie schon vor Urzeiten, durch das breite, oberirdisch fast trockene Flussbett mit seinen relativ dicht stehenden Bäumen ziehen. Sie scheinen sich durch den Landrover nicht gestört zu fühlen, beachten uns kaum. Und wir sind froh darüber: Denn als der Motor abgeschaltet wird und wieder starten soll, versagt der Anlasser. Wir müssen schieben. Im Sand nicht so einfach. Der erste Versuch scheitert, der zweite auch. Dann ist es geschafft. Der Motor läuft wieder. Aufatmen.
Am dritten Tag der Flugsafari erreichen wir den Kunene – Grenzfluss zwischen Namibia und Angola, ein recht schnell dahingleitender, ständig Wasser führender Strom. Sein tiefgrüner Saum von Büschen, Schilf und Palmen unterbricht die trockene Felsen- und Berglandschaft, deren vorherrschende Farben Ocker, Rot und Schwarz sind. Hier im Nordwesten Namibias gibt es nur ein paar kleine Himba-Dörfer. Touristen, von Flugsafari-Teilnehmern abgesehen, kommen nur selten hierher, denn die Landschaft ist rauh und die Wege auch für gute Geländewagenfahrer beschwerlich. Peter Birkenmaier

Reise-tipps
Pauschalprogramme: (mit LTU-Charterflug) unter anderem von Meier’s Weltreisen, Jahn Reisen, IHR-Tours, Transair, TUI, ITS, Unger Flugreisen; Olympia Reisen Ltd., Eros Airport, Windhoek: Angebote für Jagdfarmen
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema