ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2000Personalia: Erwünschte Nebenwirkung

POLITIK

Personalia: Erwünschte Nebenwirkung

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): A-3056 / B-2586 / C-2295

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LNSLNS Zwei politisch geprägte Geburtstagsfeiern – die eine in Köln, die andere in Berlin

Der Kölner Gürzenich war der Konzertsaal der Stadt, bevor die Philharmonie diese Aufgabe übernahm. Am 31. Oktober erklang endlich einmal wieder im alten Festhaus der Kölner klassische Musik. Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer und ausgewiesener Musikliebhaber, feiert mit Gästen aus Politik und Berufsleben den 60. Geburtstag. Eine junge rumänische Pianistin zieht den musikalischen Rahmen.
Der Gürzenich ist und war aber auch Ort ärztlicher Veranstaltungen, so eines außerordentlichen Deutschen Ärztetages 1992, anlässlich einer der vielen Gesundheitsreformen, und Tagungsort für den Marburger Bund, Hoppes berufspolitischer Heimat. In den Laudationes werden Musik und Berufspolitik miteinander verknüpft. An Hoppe wurden seine ausgleichende Art, seine diplomatischen Fähigkeiten, sein Streben nach Integration gerühmt.
Hoppe, der in Nachfolge von Karsten Vilmar seit 1999 Präsident der Bundes­ärzte­kammer ist, wäre nicht Berufspolitiker, hätte er seine Geburtstagsfeier nicht genutzt, um auch den einen oder anderen politischen Pflock zu setzen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen zwei Referate zur medizinischen Aus- und Weiterbildung, gehalten von einem Studenten und einer Ärztin im Praktikum. Dank eines glücklichen Zufalls oder vielleicht auch geschickter Planung sind Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Andrea Fischer und die Landesgesundheitsministerin Birgit Fischer zu Gast und bekommen so die Realität mit. Wie einige Tage später zu hören war, hatte die Geburtstagsfeier eine erwünschte Nebenwirkung: Andrea Fischer will sich mittels einer Rundreise durch die Hochschulen an Ort und Stelle informieren.
Hoppe kommt in seiner Ansprache auf das derzeitige gesundheitspolitische Klima zu sprechen. Er sieht einen Kulturkampf zwischen Medizin und Ökonomie. Die Gesundheitspolitik erlebe jetzt ihre Krise, Krise im ursprünglichen Sinne, nämlich im Sinne einer zugespitzten Situation, in der die Entscheidung in die eine oder andere Richtung anstehe. Zu wählen sei zwischen den in unserem Kulturkreis überkommenen ethisch-philosophischen Einstellungen oder einem anglo-amerikanisch geprägten Utilitarismus. Zu entscheiden sei, ob der ärztlich-medizinischen Versorgung oder der Ökonomie der Vorzug zu geben sei.
Szenenwechsel. Berlin, Reinhardtstraße. Der hohe Wintergarten des „Manzini“ ist mittlerweile ein beliebter politischer Treffpunkt. Im selben Hause sind die FDP und (auch) die Berliner Kopfstelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung untergebracht. Die Reinhardtstraße, an deren Ende das Haus der Bundespressekonferenz steht, entwickelt sich zunehmend zu einem Medienstandort, auch die Berliner Redaktion des Deutschen Ärzteblattes hat dort ihren Sitz.
Dr. jur. Rainer Hess, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, hat das Manzini mitten im Berliner politischen Leben für die Feier seines 60. Geburtstages gewählt. Am 6. November treffen sich hier Gesundheits- und Berufspolitiker, Vertreter von Krankenkassen und allerlei Organisationen des Gesundheitswesens zum Feiern und zum informellen Meinungsaustausch. Solcherlei Geburtstage sind ja keine Privatveranstaltungen; bei diesen Treffen werden Entscheidungen vorbereitet und Interessenlagen ausgelotet. Bei Hess spielt die Berlin-Frage hinein, sprich, muss die Kassenärztliche Bundesvereinigung in Köln bleiben oder kann sie ihre Umzugspläne zügig in die Tat umsetzen. Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, das hier ein gewisses Prüfungsrecht hat, zögert. Der Vertreter des Ministeriums, Dr. med. Hermann Schulte-Sasse, ein umgänglicher Mensch mit festen Ansichten, signalisiert Verständnis, hält sich aber bedeckt. Hess kommt auf die gesundheitspolitische Lage zu sprechen, und auch ihn bedrückt der Vormarsch einseitig ökonomischen Denkens. Rainer Hess, seit 30 Jahren in unterschiedlichen Funktionen für die Ärzteschaft tätig, ist schon familiär von Sozialpolitik geprägt. Sein Vater baute die Rechtsabteilung von Bundes­ärzte­kammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung auf und gilt als einer der Wegbereiter des Kassenarztrechts. In dem ist auch Dr. Rainer Hess zu Hause wie nur wenige. Freunde, Vertragspartner, Politiker erkennen das vorbehaltlos an. Sie loben seine Fähigkeit, auch in verfahrenen Situationen einen Ausweg zu finden.
Am nächsten Tag prägt wiederum die Ökonomie die Beratungen der Kassenärzte. Der Länderausschuss tagt. Das Hauptthema ist wieder einmal der EBM. Die Realität hat auch den Hauptgeschäftsführer wieder erreicht, wenn sie ihn denn je verlassen hätte – es sei denn, beim Hochseesegeln, dem Hobby, das er nur noch selten ausüben kann. DÄ
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