ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Bericht des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums: Immer mehr Menschen werden chronisch krank

POLITIK: Aktuell

Bericht des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums: Immer mehr Menschen werden chronisch krank

EX

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Immer mehr Menschen in Deutschland werden immer älter. Eine Folge davon ist: Die chronischen Krankheiten nehmen zu. Das führt zu längeren Kranken­haus­auf­enthalten, zunehmender Pflegebedürftigkeit und häufig zu Arbeitsunfähigkeit. Mit dem "Bericht über die Entwicklung chronischer Krankheiten in Deutschland" hat das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vor kurzem eine Bestandsaufnahme zu verschiedenen Krankheitsbildern geliefert.


Herz- und Kreislauferkrankungen sind in Deutschland häufigste Ursachen für vorzeitigen Tod und körperliche Behinderung. Fast die Hälfte aller Sterbefälle war im Jahr 1993 auf diese Leiden zurückzuführen. Das geht aus dem "Bericht über die Entwicklung chronischer Krankheiten in Deutschland" hervor. Die Autoren untersuchen darin das Ausmaß chronischer Erkrankungen, "die auch von der Zahl her gesundheitspolitisch von besonderer Bedeutung sind". Sie weisen allerdings darauf hin, daß der Bericht mit all seinen Angaben "auf einer teilweise nicht befriedigenden Datenlage" beruht.
Die Krankheiten des zerebrovaskulären Systems verursachen dem Bericht zufolge zwar weniger Todesfälle als die koronaren Herzkrankheiten, aber die meisten Fälle von Invalidität und Pflegebedürftigkeit. Innerhalb dieser Krankheitsgruppe sind Hirninfarkte am häufigsten (70 bis 80 Prozent). Seltener sind im Vergleich zerebrale Blutungen mit 10 Prozent. Vor allem Menschen im höheren Alter leiden an diesen Krankheiten: 85 bis 95 Prozent aller Betroffenen sind älter als 60.
Zerebrovaskuläre Krankheiten verursachen laut Statistik knapp zwölf Prozent aller Todesfälle. Die korrekte Zahl ist jedoch wahrscheinlich höher: "Aufgrund der im höheren Alter konkurrierenden Todesursachen ist anzunehmen, daß zerebrovaskuläre Krankheiten als ursächliche Grundleiden auf den Totenscheinen häufig nicht berücksichtigt werden", schreibt das Ge­sund­heits­mi­nis­terium.
Die rheumatischen Erkrankungen verursachen dem Bericht zufolge ein Drittel aller Frührenten, ein Fünftel der Krankenhaustage und "einen hohen Prozentsatz aller Arztbesuche". Die Versorgung der Patienten läßt zu wünschen übrig: "Selbst in Regionen mit einem vergleichsweise guten Versorgungsangebot werden nur circa 20 Prozent der Patienten im Laufe ihrer Erkrankung von einem rheumatologisch ausgebildeten Facharzt behandelt", heißt es in dem Bericht (vgl. auch Kasten). Der Bund fördert deshalb als Modell den Aufbau von Rheumazentren.
Eine häufige chronische Krankheit ist Diabetes mellitus. In Deutschland gibt es dem Bericht zufolge etwa vier Millionen Patienten. Weil Diabetiker heute eine bessere Lebenserwartung haben als noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts und weil Diabetes oft bei älteren Menschen auftritt, ist die Zahl der Patienten in den letzten Jahrzehnten auf ein Vielfaches gestiegen und wird voraussichtlich weiter zunehmen.
Krebs schließlich ist ebenfalls als chronische Krankheit in den Bericht aufgenommen worden. Begründung dafür: Die Hälfte aller Patienten überlebe ihre Erkrankung inzwischen mehr als fünf Jahre. 1993 waren fast 24 Prozent aller Sterbefälle durch Krebserkrankungen verursacht. EX

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote