ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/1996Bundeswehrlazarett in Kroatien: Versorgung der Soldaten auf hohem Standard

POLITIK: Aktuell

Bundeswehrlazarett in Kroatien: Versorgung der Soldaten auf hohem Standard

Burkart, G.; Knuth, P.

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LNSLNS Seit einem Jahr besteht das Feldlazarett der Bundeswehr in Trogir, Kroatien, das die internationale Friedenstruppe im ehemaligen Jugoslawien unterstützt.


Bei Trogir an der dalmatinischen Küste in einem ehemaligen kroatischen Marinestützpunkt baute die Bundeswehr innerhalb von 5 Wochen im Juli/August 1995 zunächst ein Feldlazarett mit 50 Betten auf. Dabei konnte man zwei große Lagerhallen nutzen, in die einige der Zelte und Container hineingebaut wurden.
Im Dezember 1995 folgten auf UNPROFOR (United Nations Protection Forces) die Nato-IFOR (Implementation Forces, nämlich zur Durchsetzung des Abkommens von Dayton). Der Bundestag erweiterte den deutschen Beitrag um Pionier-, Transport- und Heeresfliegereinheiten, mit dazugehörigen Fernmelde- und Sicherungskräften. Gleichzeitig wurde das Feldlazarett auf 100 Betten vergrößert und dient nunmehr der ambulanten und stationären Versorgung nicht nur der 3 000 deutschen, sondern der 56 000 IFOR-Soldaten. Zusätzlich stehen 8 mobile Notarzt-trupps und 15 Sanitätstrupps für die Versorgung der deutschen Soldaten bei Einsätzen in Bosnien-Herzegowina zur Verfügung. Hinzu kommen Hubschrauber für die Luftrettung. Dem Feldlazarett angegliedert ist zudem eine französische Sanitätseinrichtung mit 50 Betten für Patienten, die aus dem Lazarett in ihre Heimatländer transportiert werden sollen.
Der Kommandeur des deutschen IFOR-Kontingents, Brigadegeneral Henning Brümmer, unterstrich vor Vertretern der deutschen Fachpresse, die den Inspekteur des Sanitätsdienstes, Generaloberstabsarzt Dr. Gunter Desch, bei einem Besuch in Trogir begleiteten, es hand-le sich hier um den ersten "semi-scharfen" Einsatz der Bundeswehr. So bewegen sich die in Bosnien-Herzegowina beim Straßen- und Brückenbau eingesetzten Pioniere, die dafür nötigen Fahrzeug-Konvois, die sie begleitenden Sanitäts-trupps, aber auch die Soldaten der auf kroatischem Gebiet liegenden Stationierungsorte außerhalb ihrer Stützpunkte stets mit Splitterschutzweste, Stahlhelm und Waffen. Alle Standorte sind mit Stacheldraht und Sandsäcken gesichert.
Eine für den einzelnen Soldaten üble Gefahr wurde anschaulich, als der Inspekteur mit der Pressegruppe im Hubschrauber auf dem Heeresfliegerstützpunkt in Zadar landete: Direkt außerhalb der Umzäunung wütete ein Buschbrand, der wegen der Minengefahr nicht auf konventionelle Weise bekämpft werden konnte. Die Männer mußten mit Tankwagen Löschwasser in Transportbehälter umfüllen, die dann von Hubschraubern aus über dem Feuer entleert wurden – alles in Gefechtsausrüstung.
Das Feldlazarett Trogir umfaßt unter anderem je zwei chirurgische und internistische Stationen, eine Intensivstation mit zehn Betten, zwei ständig funktionsbereite Operationsräume, eine Notaufnahme mit Reanimation und Notoperationsraum, medizinische Laboratorien, eine Röntgenabteilung mit Computertomographie und fachärztliche Ambulanzen. Der Personalbestand beträgt etwas mehr als 400, davon 59 Ärzte und Apotheker und zwei Militärgeistliche; 34 sind weibliche Soldaten. Sie sind in Containern untergebracht. Das Lazarett geht im Leistungsniveau – insbesondere wegen der vorgehaltenen fachärztlichen Konsiliardienste – über das hinaus, was ein durchschnittliches Schwerpunktkrankenhaus in Deutschland bietet. Damit erfüllt es die Leitlinie des Sanitätsinspekteurs, nach der Soldaten im Auslandseinsatz bei einer Erkrankung, einem Unfall oder einer Verwundung eine medizinische Versorgung erhalten, die im Ergebnis dem fachlichen Standard in Deutschland entspricht.
Insgesamt wurden im FLaz Trogir vom 20. Dezember 1995 bis Mitte Juli 1996 bereits 1 327 (davon 508 deutsche) Patienten stationär und 6 587 (3 930) ambulant behandelt. Bis Anfang Juni waren 66 635 Laboruntersuchungen, 815 Sonographien, 4 774 Röntgenaufnahmen (davon 133 CT), 4 281 Physiotherapien und 1 349 Operationen durchgeführt worden.
Es liegt auf der Hand, daß die Übungs-, Aus-, Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten hoch zu bewerten sind. Um so wichtiger scheint es, eine Anrechnung der normalerweise vier Monate betragenden Stehzeit auf die ärztliche Weiterbildung zu ermöglichen. Man könnte zu diesem Zweck entweder von der Mindestweiterbildungszeit-Regel (sechs Monate) abweichen und der Weiterbildung in Trogir eine eigene Wertigkeit einräumen; oder aber, eine ärztliche Tätigkeit in Trogir würde in einer entsprechenden Weiterbildung in Deutschland als durchlaufende Zeit gewertet. G. Burkart/Dr. P. Knuth

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