ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2000Neuer Sechsfachimpfstoff : Das Impfmanagement wird vereinfacht

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Neuer Sechsfachimpfstoff : Das Impfmanagement wird vereinfacht

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): A-3117 / B-2432 / C-2180

Sass, Wolfgang

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LNSLNS Sechsfachimpfstoffe für Kinder sind eine lang erwartete Innovation, die im Oktober auf den Markt kommen wird. Die Komponenten von Hexavac® sind sechs von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Impfungen für Säuglinge und Kleinkinder in jeweils einer einzigen Injektion. Damit sind eine bessere Akzeptanz und höhere Impfraten zu erwarten. Der Sechsfachimpfstoff sei nach bisher vorliegenden Daten aus Studien lokal wie systemisch etwa ebenso verträglich wie bisherige Fünffachimpfstoffe oder die jeweiligen Einzelimpfstoffe, so der Leiter einer Sicherheitsstudie mit 1 700 Säuglingen, Prof. Bernd Belohradsky (München).
Die darin enthaltenen Antigene sind Diphtherie- und Tetanus-Toxoid, azelluläre Pertussis-Antigene, Polysaccharide von Haemophilus influenzae Typ b (Hib), inaktivierte Polio-Viren der Typen 1, 2 und 3 sowie das Hepatitis-B-Surface-Antigen. Das Impfschema beginnt mit vollendetem zweiten Lebensmonat und setzt sich nach Angaben des Herstellers Aventis Pasteur MSD mit zwei weiteren Impfdosen im Abstand von je vier bis acht Wochen fort. Die Booster-Impfung fällt in den zwölften bis 18. Lebensmonat.
In Deutschland wurden zwischen 1991 und 1997 insgesamt 30 Diphtherie-Erkrankungsfälle dokumentiert, darunter drei tödliche Verläufe. Bei den Erkrankten bestand kein ausreichender Impfschutz. Die Verstorbenen hatten in ihrem Leben überhaupt keine Impfung erhalten. Auch heute noch gehört die Diphtherie zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Durch die Infektion kann es zur Verlegung der Atemwege und zu toxischer Herzmuskelschädigung mit tödlichem Ausgang kommen.
Keine „Wildform“ der Poliomyelitis
Pertussis ist bei Kindern unter zwei Jahren eine ernste Erkrankung. Die Mortalität bei Kindern unter einem Jahr beträgt etwa 0,3 bis 0,6 Prozent. Säuglinge besitzen normalerweise keine schützenden maternalen Antikörper.
Die Infektion mit (Hib) kann bei Säuglingen und Kleinkindern zu invasiven Infektionen, wie Meningitis, Epiglottitis, Osteomyelitis und Sepsis, führen. Die Mortalität beträgt selbst bei Behandlung bis zu sieben Prozent. Erkrankungen durch Haemophilus influenzae Typ b sind heute durch die Einführung der allgemein empfohlenen Hib-Impfung sehr selten geworden.
Seit 1990 trat in Deutschland aufgrund der hohen Impfrate mit der oralen Polio-Vakzine (Lebendimpfstoff) keine „Wildform“ der Poliomyelitis mehr auf. Dieser letzte Fall war aus dem Ausland importiert. Relativ stieg dadurch das Risiko, nach oraler Polio-Vakzine an einer Impfpoliomyelitis (Vakzine-assoziierte paralytische Polio, VAPP) zu erkranken. Bis Ende 1997 wurde jährlich mindestens eine Impfpoliomyelitis registriert. Um Schäden dieser Art zu vermeiden, wird seit 1998 in Deutschland nur noch die Impfung mit inaktivierter Polio-Vakzine (Totimpfstoff) empfohlen, die im Sechsfachimpfstoff enthalten ist.
Seit Oktober 1995 empfiehlt die STIKO die generelle Hepatitis-B-Impfung aller Säuglinge, Kinder und Jugendlichen. Neugeborene und Säuglinge tragen bei Infektion ein hohes Risiko (bis 90 Prozent) für einen chronischen Verlauf mit letalem Ausgang. Komplikationen einer Hepatitis-B-Infektion sind die Entwicklung einer Leberzirrhose und Leberzell-Karzinome. Zwar besteht das Hauptinfektionsrisiko erst mit Aufnahme sexueller Aktivitäten im Jugendlichen- und Erwachsenenalter, jedoch sind diese Altersgruppen in der Arztpraxis nur schwer zu erreichen, und es gelingt kaum, die bereits bestehenden Impflücken zu schließen.
Vorteile durch Sechsfachimpfstoff
Zur postexpositionellen Hepatitis-B-Prophylaxe bei Neugeborenen von HBsAg-positiven Müttern wird unmittelbar nach der Geburt eine Simultanimpfung mit einem geeigneten Hepatitis-B-Monoimpfstoff (zum Beispiel Gen-HB-Vax® pro infantibus) und einem HB-Immunglobulin durchgeführt. Später könnten ein Fünffachimpfstoff (zum Beispiel Pentavac®) und ein monovalenter Hepatitis-B-Impfstoff entsprechend Schema eingesetzt werden, erläuterte die Impfexpertin Dr. Silvia Stojanov (München).
Für das Praxismanagement bietet ein Sechsfachimpfstoff organisatorische Vorteile. Die Hib-Komponente muss bei Hexavac nicht erst gelöst werden, sondern ist als Teilkomponente im flüssigen Impfstoff enthalten, sodass die Applikation schnell und unproblematisch verläuft. Wolfgang Sass
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