ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2000Insulinsensitizer beim Typ-2-Diabetes: Pioglitazon wirkt auch kardioprotektiv

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Insulinsensitizer beim Typ-2-Diabetes: Pioglitazon wirkt auch kardioprotektiv

Dtsch Arztebl 2000; 97(46): A-3119 / B-2514 / C-2269

Böhm, Sonja

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LNSLNS Mit Pioglitazon ist ein zweiter Insulinsensitizer für die orale Therapie von Typ-2-Diabetikern in Deutschland verfügbar. Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hat allerdings – wie bereits beim Rosiglitazon – nur eine eingeschränkte Zulassung für die Kombinationsbehandlung mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff erteilt. In den USA, Kanada und der Schweiz ist auch die Monotherapie mit dem unter dem Handelsnamen Actos® vertriebenen Antidiabetikum möglich.
Prof. Werner Scherbaum (Düsseldorf) und Prof. Hans-Dieter Janisch (Erlangen) erwarten, dass kurzfristig diese Zulassung auch hierzulande kommen wird. Denn der Einsatz von Pioglitazon sei vor allem in der frühen Phase der Diabeteserkrankung, wenn die Störung der Insulinempfindlichkeit im Vordergrund steht, pathophysiologisch besonders sinnvoll. Allerdings: Um die Zielkriterien der Deutschen Diabetes Gesellschaft – einen HbA1c-Wert von maximal sieben Prozent – zu erreichen, sei bei vielen Patienten sowieso eine Kombinationsbehandlung notwendig, erläuterten sie bei der Einführungspressekonferenz des Unternehmens Takeda in Düsseldorf.
Das Glitazon, das in der Monotherapie in einer Dosis von 30 mg einmal täglich und in der Kombination auch mit 15 mg täglich gegeben werden kann, senkt den Blutzucker ebenso effektiv wie ein Biguanid oder ein Sulfonylharnstoff. In der Kombination mit einer dieser Substanzen seien die Effekte additiv, so Scherbaum. In der Praxis ist zu beachten, dass alle Thiazolidindione einige Zeit benötigen, bis sie ihre volle Wirksamkeit entfalten. Erst nach acht oder sogar zwölf Wochen ist der maximale blutzuckersenkende Effekt erreicht.
Pioglitazon und Rosiglitazon (sowie das wegen hepatotoxischer Zwischenfälle in den USA wieder vom Markt genommene Troglitazon) entfalten ihre Wirkung auf die Insulinempfindlichkeit alle über den gleichen Kernrezeptor PPARy. Unterschiede zwischen Rosi- und Pioglitazon gibt es jedoch bei den Effekten aufs Lipidprofil: Zwar senkten beide Glitazone die freien Fettsäuren und steigerten die HDL-Spiegel, Pioglitazon reduziere zusätzlich auch noch die Triglyzeridwerte und erhöhe nicht wie Rosiglitazon die LDL-Spiegel, betonte Scherbaum. Der LDL/HDL-Quotient und damit das kardiovaskuläre Risikoprofil der Diabetiker werde so unter Pioglitazon positiv beeinflusst.
Mehr als eine Million Verordnungen sind in den USA und anderen Ländern inzwischen erfolgt. An den Zulassungsstudien seien 5 800 Patienten beteiligt gewesen, berichtete Dr. Reinhold Hübner (Takeda). In den Studien gab es keine Hinweise auf eine kardiovaskuläre oder hepatotoxische Gefährdung der Patienten unter der Therapie. Hauptnebenwirkungen sind Ödeme (sechs Prozent) sowie eine Gewichtszunahme, die etwa im gleichen Bereich wie unter einer Sulfonylharnstofftherapie liegt. Kontraindiziert ist Pioglitazon bei Anzeichen einer Herz- oder Leberinsuffizienz und – da dadurch die Flüssigkeitsretention und Volumenbelastung verstärkt würde und die Gefahr einer Herzinsuffizienzentwicklung besteht – auch in der Kombination mit Insulin. Sonja Böhm
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